Oscar Niemeyer gescheitert
- Kühl und ohne Seele, so präsentiert sich etwa der Brasilia National Congress. Photo: via wikipedia.org
De mortuis nihil nisi bene. Aber noch lebt der 100-jährige Oscar Niemeyer ja und trotz des umfassenden Jubels wird man noch Kritik üben dürfen an diesem Unbelehrbaren, der nicht für die Funktion bauen wollte und Monstrositäten in die Welt gesetzt hat, die zwar technisch einmalig sind und stilistisch interessant, aber auch abstoßend und menschenwidrig.
Bevor man sein Hauptwerk, die Kunststadt Brasilia, bejubelt, sollte man diese Missgeburt besser einmal gesehen haben. Diese dreigeteilte Stadt mit den weiträumig platzierten toten Regierungsgebäuden aus dem Museumsbaukasten, den separaten mit Flachbauten in Reihe gesetzten charakterlosen Geschäftsstraßen und angrenzenden nichtssagenden Wohnvierteln der Bürokraten und Händler und den krebsartig wachsenden schäbigen Slums. So wie ich sind viele Besucher dieser Stadt erschrocken angesichts ihrer unmenschlichen Ausstrahlung.
Niemeyer selbst weiß, dass dieses “Kunstwerk” misslungen ist.
Er hatte, ausgehend von seiner kommunistischen Ideologie, ein Aufbrechen der herkömmlichen Wohnstrukturen und eine Durchmischung der Wohnviertel gewollt. Das ging voll daneben. Darum hatte er selbst erklärt, dass das Projekt Brasilia gestoppt werden müsste, vgl. hier.
Niemeyer hat neben seinen berühmten, aber wegen mangelnder Funktion auch kritisierten Schulbauten ausschließlich Privathäuser für Wohlhabende und Repräsentationsbauten in die Welt gesetzt. Bauten für Menschen mit kleinem Geldbeutel haben den Edelkommunisten nie interessiert. Er erklärte: “Ich kann doch kein Volkshaus bauen, wo die Leute vor lauter Seligkeit nicht mehr merken, wie sie ausgebeutet und unterdrückt werden.” Daher sollten die Elendsviertel, die sich an die Stadt herandrängten, erhalten bleiben. Der Revolutionär hoffte, dass umso eher die Revolte losbräche, vgl hier.
Zupass kam ihm die Entscheidung der UNESCO, Brasilia zum Weltkulturerbe zu erklären.
Nach einer solchen Entscheidung kann man ja nur unter Androhung des Entzugs dieser Gnade ja keinen Fehler mehr korrigieren oder neue Akzente setzen. Köln mit seinem modernen
domhohen Hochhaus und Dresden mit der verkehrswichtigen Waldschlösschenbrücke kennen das.
Niemeyer hat fremde Kritik nie aufkommen lassen, was ihm angesichts seiner Berühmtheit meist gut gelungen ist, vgl hier. Auf die berechtigte Kritik der fehlenden Berücksichtigung der Interessen der Nutzer hatte er das Wort: “Es kommt auf die Schönheit an. Wenn du nur an die Funktion denkst, kommt Mist heraus,” vgl.netzeitung.de. Architekturpsychologie war nicht “sein Ding,” leider. Architekten sollten aber für die Menschen und ihre vielfältigen Bedürfnisse bauen, was natürlich erst recht heißt, dass sie auch ästhetisch bauen müssen. Hinter dem Plan für ein Bauwerk kann und darf auch eine Ideologie stehen, besser aber kein ideologisches Diktat.
Mehr zum Thema:
- Oscar Niemeyer: 100 Jahre mutiger Architektur











dom
Ein äußerst emphatischer Artikel, der sich neben einer ausführlichen Recherche samt kühner Verlinkungen vor allem durch polemiserendes sich-Luft-machen auszeichnet. Zuweilen in unbemühter Ausducksweise könnte er allenfalls in einem Blog seinen Kommentar-Platz finden. Schade, denn das Thema ist groß und vielfältig abhandelbar, doch mangelt es an der Kraft, über emotionalen Tellerand zu blicken. Stattdessen wird unter dem Deckmantel objektiver Architekturkritik mit allzu subjektiv konnotierten Begriffen jongliert.
100 Jahre - Parabens Oscar Niemeyer - Vida è mais do que um sopro « O SOPRO
[…] Interessante Internet-Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Niemeyer http://habitualnews.blogspot.com/2007/12/o-poeta-em-forma-de-arquiteto.html http://www.niemeyer.org.br/ http://www.readers-edition.de/2007/12/17/oscar-niemeyer-gescheitert/ http://plus7.arte.tv/de/detailPage/1697660,CmC=1770756.html (Das Video auf ARTE ist genial!) Oder bei Flickr.com „oscarniemeyer“eingeben, dann bekommt man alle möglichen Fotos! […]