ich versteh Euch nicht. Um das gleich aus dem Weg zu räumen: ich meine damit nicht Eure Beweise, Berechnungen, Behauptungen naturwissenschaftlicher Art. Machen wir damit gleich reinen Tisch – die versteh ich auch nicht. Aber das gilt genauso für die Eurer erbittersten Feinde, den Klimawandlern. Das liegt weder an Euch noch an Denen – ich bin schlichtweg zu blöd im naturwissenschaftlichen Bereich, um Euch oder ihnen folgen zu können. War ich schon immer. Ich bin also in der Frage, die Euch so heftig umtreibt, auf den Glauben angewiesen. Und weil mir ja nun das Rüstzeug fehlt, um Eure oder deren wissenschaftlichen Ausführungen folgen zu können, ziehe ich mich zurück und beobachte. Versuche herauszufinden, wer Ihr seid, was Euch umtreibt und, vor allem, was Ihr wollt. Und da muss ich nun leider sagen: ich versteh Euch nicht.
Klar ist, homogen seid Ihr nicht. Nun gut, das ist Euch nicht vorzuwerfen, und wie mir die Dinge scheinen, reicht das einem Teil von Euch auch eher zur Ehre. Dem Einen oder Anderen von Euch, das wird wohl niemand leugnen, ist tatsächlich ausschließlich an der wissenschaftlichen Debatte gelegen. Ein Streit im besten Sinne, unter Wissenschaftlern. Ist der Klimawandel menschengemacht? Oder doch nur eine Laune der Natur? Oder ist das alles eine Fehlinterpretation und das Klima wandelt sich gar nicht und auch in fünfzig, hundert oder fünfhundert Jahren herrschen hier wie dort noch die gleichen Temperaturen? Darüber lässt sich vermutlich trefflich streiten. Und es ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn nicht alle Wissenschaftler einer Meinung sind.
Was mich aber irritiert, liebe Klimaskeptiker, sind die anderen von Euch. Die, die nicht selten den Eindruck machen, als verstünden sie von der wissenschaftlichen Debatte genauso wenig wie ich. Und wie ich schon sagte – viel ist das nicht. Sicher – auch wenn man nicht alles bis ins allerletzte versteht, darf man mitreden. Gerade hier im Internet, der Spielwiese für Vielschwätzer und Freunde des gepflegten Einviertelkommafünfwissens. Blogs und Foren sind nun mal keine Universitätsseminare. Allerdings, so muss ich anmerken, ist die Anzahl derer verwirrend hoch, die wenig bis gar nichts zu einer wissenschaftlichen Debatte beizutragen wissen, aber mit einer erstaunlichen Verve und Dringlichkeit vom wissenschaftlichen Sodom und Gomorrha reden. Die allerlei Verschwörungstheorien an die Wand malen, und den Klimawandlern so die Teufelsfratze andichten. Da gibt es zum Beispiel einen, der hier auf der Readers Edition immer wieder in den Kommentaren zu Artikeln für oder wider den Klimawandel auftaucht und den Lesern ein gellendes „Glaubt ihren Lügen nicht“ entgegen schleudert. Und dann wieder verschwindet. Und zumindest mich ratlos zurück lässt. Aber gut, ich will ja nicht voreingenommen sein und überlege:
Da gibt es eine Sachverständigengruppe von zahlreichen Wissenschaftlern, die sagt: Der Klimawandel kommt und er ist menschengemacht. Ich persönlich finde es ja schon mal schwer vorstellbar, eine solche Anzahl von Leuten dazu zu bringen, gemeinsam zu lügen. Zu verhindern, dass die sich in eklatante Widersprüche verwickeln, die sich nicht auf wissenschaftliche Fehleinschätzungen zurückführen lassen, und nebenbei riskieren, bei der Aufdeckung ihres Lügenkonstruktes ihren wissenschaftlichen Ruf vollkommen zu ruinieren. Und dass dieses Lügenkonstrukt früher oder später enttarnt wird, ist ja in Anbetracht der Anzahl der Wissenschaftler ziemlich wahrscheinlich. Irgendjemand wird da schon schwätzen. Nun gut, ich kann mir das nicht vorstellen. Aber schieben wir das mal auf meine mangelnde Vorstellungskraft – da bleibt dann ja die Frage, die immer in jedem Fall ein weiser Ratgeber ist: Cui Bono? – Wem nützt es?
Denn, da sind wir uns ja wohl einig, wenn es so etwas wie die Klimalüge gibt, dann muss es auch jemanden geben, der dahinter steht, der die Fäden zieht, der profitiert. Und da, liebe Klimaskeptiker, bin ich dann doch, gelinde gesagt, klimalügenskeptisch. Jetzt müsst ihr mal tapfer sein, zugunsten der Beantwortung der Cui Bono-Frage nehmen wir mal an, die Klimawandler würden sich durchsetzen und es käme tatsächlich zu einem globalen Politikwandel mit dem Ziel einen menschengemachten Klimawandel zu verhindern (Ja doch, ich weiß: Sodom und Gomorrha). Verlierer, da sind wir uns wohl einig, wären dann a) der Kapitalismus im allgemeinen (Permanente Überproduktion ist nicht gerade umweltschonend) und b) die Ölproduzierenden und -verarbeitenden Industrien im besonderen. Hm. Die Profiteure einer weltweiten Verschwörung mit dem Ziel, über die Klimalüge einen Politikwandel zu erzwingen, müssten also mächtiger sein als die beiden genannten. Hui. Das klingt nach einer extrem gut getarnten und äußerst starken Macht, die da am Werk ist, soviel ist sicher. Falls ihr recht habt.
Und ja ich weiß – Al Gore ist böse, so weit konnte ich Euch schon folgen. Und ich muss zugeben, ich nehme ihm den Wandel vom kapitalistischen Saulus (der Mann war ja mal Vizepräsident der USA, da muss man schon Freund dieses Wirtschaftssystems sein) zum Umwelt-Paulus auch nicht recht ab. Aber selbst wenn der böse Al bei der ganzen Sache ausschließlich auf sein Popularitäts- und Bankonto schielt – ein Al Gore macht noch keine Macht, stark genug die Welt zu täuschen und die Öllobby zu knechten.
Und ja, ich weiß auch: Die veröffentlichte Meinung neigt zur Hysterie. Das ist nicht nur in diesem Fall so, sondern auch in anderen. In dem Maß, in dem unsere Welt kleiner und schneller wird, erhöht sich auch das Tempo, in dem Themen hoch gekocht werden und dann als überhitzte Kartoffeln wieder fallen gelassen werden. Das kann und sollte man auch kritisieren – auch wenn ich immer wieder finde, dass Kritik ohne ziel- und wegweisende Alternative wenig konstruktiv ist. Und wenn Ihr mal kurz versucht, Eure feste Überzeugung, also Euer wissenschaftlich fest fundiertes Wissen beiseite zu schieben – die Vorstellung, wir Menschen würden durch die Art unseres Zusammenlebens unser Umwelt und damit unserer Existenzgrundlage den Garaus machen, kann ja auch ein bisschen nervös machen, oder nicht? Und entschuldigt – Die Art und Weise, in der Ihr Eure Verschwörungstheorien vortragt, wirkt nun wirklich alles andere als unhysterisch. Ehrlich. Da kann sich die Bild-Zeitung noch so manche Scheibe abschneiden.
Liebe Klimaskeptiker, es gibt da noch etwas, was ich gar nicht verstehe. Nehmen wir mal an, Ihr habt recht und der Klimawandel ist nichts weiter als eine wiederkehrende Laune der Natur. In England gab’s ja auch schon mal Wein. Dann versteh ich, dass die Naturwissenschaftler unter Euch, die da glauben, im Gegensatz zum wissenschaftlichen Mainstream auf diesem Weg der Weisheit bereits angelangt zu sein, erbittert um die wissenschaftliche Wahrheit kämpfen. Die Verschwörungsfreunde versteh ich dann weiterhin nicht, jedenfalls solange sie mir kein überzeugendes Motiv und keinen überzeugenden Täter liefern. Was ich aber in jedem Falle überhaupt nicht verstehe, ist Eurer, nicht selten in Tateinheit mit dem lauthals hinaus gerufenen „Alles Lüge!“ daher kommender, Kampf gegen die in Angriff genommenen Maßnahmen, zum Beispiel zur Reduzierung von Emissionen. Ich weiß ja nicht, wo Ihr so wohnt, aber ich lebe in einer Großstadt und glaubt mir, gegen bessere Luft hätte ich überhaupt nichts einzuwenden. Smog ist echt eine blöde Sache. Und die Abholzung des Regenwaldes zum Beispiel scheint mir auch nicht schlau, selbst wenn das Verhindern dessen nicht dazu beiträgt, den Klimawandel zu stoppen oder es den selben gar nicht gibt. Oder sehe ich das falsch? Wäre ich Euer Imageberater, würde ich Euch ja vorschlagen, den Kampf gegen die in Angriff genommenen Maßnahmen sein zu lassen – das riecht dann immer so streng nach Interessenvertretung. Als hättet Ihr etwas zu verlieren. Oder wärt beauftragt. Und das seid Ihr doch nicht, oder?
Liebe Klimaskeptiker, erklärt Euch doch mal. Eure Motive, Eure Ziele. Vielleicht auch, wen Ihr als Profiteur einer Klimalüge seht. Und bitte – „Al Gore“ ist da nun wirklich keine ausreichende Antwort. Ihr wißt schon: Roß und Reiter. Das, liebe Klimaskeptiker, wär echt dufte. Vielleicht fiele es mir dann leichter, Euch zu glauben und würde Euch dann in Zukunft seltener in die Ecke mit den Aluminiumhutträgern stellen, die sich so vor den gedankenlesenden Laserstrahlen der Außerirdischen schützen wollen.
Vielen Dank im Voraus.
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Hallo Herr Heupel
[xxx… Absatz von der Redaktion gelöscht wegen empfundenen Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Person…xxx]
Offenbar gibt es noch keine Links zum Thema “Verschwörung”. Das ist offenbar ihr Problem. Also meidet man dieses Thema und weicht aus, wo man kann.
Kein Wunder, dass niemand mehr mit diesen Leuten diskutieren möchte. Es bringt einfach nichts und die Zeit ist zu schade dafür. Ich für meinen Teil habe die Lust an dieser Diskusion hier verloren.
Dennoch vielen Dank für Ihre Mühe mit diesen Leuten! Ich habe deren Beiträge kopfschüttelnd verfolgt.