Unaufhaltsam nähern wir uns nun dem 24. Dezember. Die anstehenden Feiertage sind für viele Menschen auf der Welt Rückzugspunkt und ein Grund zum Innehalten im Kreise der Familie. In den verbleibenden Tagen heißt es deshalb noch einmal sämtliche Kräfte zu mobilisieren, die letzten Geschenke besorgen oder aber vielleicht eine kleine “vorweihnachtliche” Diät einzuhalten. Schon gänzlich weihnachtlich gestimmt, können Sie sich nun das letzte Mal vor dem großen Fest auch mit der Readers Edition zurücklehnen. Denn unsere überaus fleißigen Autoren wurden auch in der letzten Woche nicht müde, uns mit interessanten Berichten aus aller Welt zu erfreuen.
Die Architektur Oscar Niemeyers und Alternativen zu Google
Begonnen hat die vergangene Woche dann auch gleich mit einem Geburtstagskind. Der brasilianische Architekt und bekennende Kommunist Oscar Niemeyer feierte am 15. Dezember seinen 100. Geburtstag. Doch auf der RE, wie auch im gesamten Netz regnete es für den eigenwilligen Gestalter der Stadt Brasilia nicht nur Glückwünsche. Bereits am Montag nach dessen Wiegenfest ergriff nämlich Rolf Ehlers mit “Oscar Niemeyer gescheitert” das Wort. Für unseren Autor rangiert der Künstler Niemeyer zwischen “technisch einmalig”, “stilistisch interessant” sowie “abstoßend und menschenwidrig”. Dabei wirft er einen genauen Blick auf die Kunststadt Brasilia, die in seinen Augen eher “unmenschlich” statt einladend daher kommt. Und von der auch Niemeyer selbst einst sagte: “Ich weiß, dass dieses Kunstwerk misslungen ist.” Doch Kritik hatte der augenscheinlich selbsternannten Star nicht aufkommen lassen. Vielmehr ereilten die Menschen seine Äußerungen eher von oben herab: “Es kommt auf die Schönheit an. Wenn du nur an die Funktion denkst, kommt Mist heraus”, beschreibt er selbst die Intention für sein Schaffen. Ehlers abschließende Kritik zeigt sich scharf, stimmt aber zugleich nachdenklich, indem er schreibt: “Hinter dem Plan für ein Bauwerk kann und darf auch eine Ideologie stehen, besser aber kein ideologisches Diktat.”
Kritik übt auch unser nächster Beitrag. Bengt Feil stellt seit letzten Dienstag die berechtigte Frage “Suchen = Google?“. Der Begriff “googlen”, so stellt er fest, ist mittlerweile lexikalisiert und die dazugehörige Suchmaschine in aller Munde. Doch handelt es sich hier, wie man so schön sagt, wirklich um das obligatorische “Amen in der Kirche” oder gibt es vielleicht sogar spannende Alternativen, die unseren Ansprüchen unter Umständen besser nachkommen? Feil hat sich umgesehen und gibt, neben ein paar wertvollen Tipps zur zielgenaueren Suche, auch einen Einblick in die Welt abseits des Giganten mit “G”. So nennt er zum Beispiel Mahalo.com als eine etwas andere Lösung, die sich die “Weisheit der Vielen” zunutze macht und hinter der “echte” Menschen zu finden sind. Aber sind solche etwas anderen Anbieter wirklich besser als Google? “Noch nicht”, meint der Autor, doch er ist sich sicher: “(…) es ist spannend zu beobachten, dass das Paradigma, die Internetsuche per Bots und Algorithmen, durchaus angegriffen werden kann. Auf lange Sicht wäre es sinnvoll, unterschiedliche Vorgehensweisen für die Internetsuche zu kombinieren, um die Vor- und Nachteile von Technologie und ‘human-power’ miteinander zu vereinen.” Nun, auch wir sind gespannt, was sich da noch Neues bieten wird…
Uncooles Doping und finnische Lebensart
Bei allen Höhepunkten, die uns das Jahr 2007 so zu bieten hatte, steht eines jedoch fest: Für den Radsport sah es nicht ganz so rosig aus. “Doping” kreiste wie ein Stigma über den Köpfen der Sportler, Funktionäre, Verbände und natürlich auch in denen der Zuschauer umher. Christina Kehl nahm sich zu Wochenbeginn mit ihrem Artikel “Anti-Doping-Kampf: ‘Doping muss uncool sein’” diesem sensiblen Thema an und wirft einen Blick auf das Anti-Doping-Forum des Landessportverbands Baden-Württemberg, das sich unter dem Titel “Talente stark machen ohne Doping” für einen “sauberen Sport” einsetzt. Hochkarätige Referenten waren zugegen, um nicht nur von ihren persönlichen Erfahrungen, sondern auch über das Problem mit den Kontrollen und vor allem ihre Intensität zu berichten. Die grundlegende Message der Veranstaltung, die durch Workshops zum Thema ergänzt wurde, wirkt plakativ wie weitreichend: “Doping muss uncool sein” – “Sport sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es gelte die Jugend zu stärken und ihnen Argumente an die Hand zu geben, damit sie ‘Nein’ zu Doping sagen können und wollen, so das Fazit der Teilnehmer”. Ein wünschenswerter Zustand. Wann, wie oder ob dieser überhaupt erreicht werden kann, das steht allerdings noch in den Sternen.
Aus dem Baden-Württembergischen geht es nun jedoch nach Finnland und zu etwas heitereren Themen. “Santa Claus tourt durch Finnland” heißt es seit gestern bei Amin Forji. Der eindrucksvoll beschreibt, wie er am eigenen Leib erfahren hat, dass der Nikolaus andernorts zwar nur ein Mythos ist, in Finnland aber gleich einer ganzen Lebensart gleichkommt. Immerhin wird seit gut 80 Jahren steif und fest behauptet, dieser lebe wirklich bei unseren Mitmenschen im hohen Norden. Ist der lustige alte Mann in vielen Teilen der Welt also nur ein mystisches Wesen, werden die Finnen ihrerseits allerdings ziemlich konkret, wenn es darum geht Santa Claus zu huldigen. Das finnische Postamt hat in den Weihnachtsmonaten November und Dezember Hochkonjunktur und Santa hat sogar ein eigenes Radio-Programm. Doch es geht noch weiter. Angeblich nimmt sich der Herr in Rot-Weiß sogar täglich ein bisschen Zeit, um ganz braven Mitmenschen ihre Geschenke persönlich zu überreichen. Das glauben Sie nicht? Der Autor hat es, zusammen mit ein paar netten Freunden, am eigenen Leib erfahren und lädt alle Zweifler oder Fans des drolligen Weihnachtsmannes nach Finnland ein, um solch eine zauberhafte Begebenheit selbst zu erleben. Worauf also noch warten?
Aus der Szene – Literatur und Musik liegt in der Luft
Am Ende der Woche und während wir nun wiederum aufs Christkind warten, geht es auch bei der Readers Edition kulturell hoch her. Mit Volly Tanner und seinem Interview mit Oliver Baglieri “Wir sind eine Familie!” haben wir die Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen eines unabhängigen, kleinen Verlages zu blicken. Erkenntnisse über den durchaus produktiven Underground können wir dabei ebenso erhaschen wie Einblicke in punkto Auswahl der Publikationen oder gar zu der Erkenntnis gelangen, dass man sich selbst einfach nur einmal trauen müsste, zu Papier und Feder zu greifen. Oliver Baglieris Worte machen Mut, spenden Hoffnung und lassen vor allem Durchblicken, dass es da draußen durchaus noch Verleger gibt, die sich Strömungen zuwenden, die sich einem tieferen Denken widmen. “Ich orientiere mich lieber an Freidenkern”, so das Credo des “Machers”, bei dem Marcel Reich-Ranicki garantiert an der falschen Adresse wäre, ebenso wie radikale Autoren. Zusammen mit einem Team aus Unterstützern, Freunden und natürlich mit seinen Autoren mischt er seit zwei Jahren nicht nur die hiesige Kulturszene auf, sondern ist auch gerade dabei, sich auf dem “großen Parkett” einen Namen zu machen. Wer Lust hat, sich das Ganze einmal aus der Nähe zu betrachten, der sollte einfach im nächsten Jahr zur Leipziger Buchmesse fahren, einen Schwenk einlegen und lieber die vielen kleinen Veranstaltungen rund um dieses Mega-Event besuchen. Es lohnt sich.
Apropos Szene, just heute konnte die Readers Edition einen “wahrhaftigen Helden” aus dem Untergrund begrüßen. Eifrige Festival- und Konzertbesucher dürften mit dem Namen Captain Karachoo schon allzu gut vertraut sein. Der etwas schräge Typ, der zwar nicht mit einer eisernen, dafür aber mit einer silbernen Wrestling-Maske daher kommt, ist auch der Readers Edition spätestens seit dem vergangenen Chiemsee Reggae Festival ein Begriff und hat sich nach dem local heroes Bundesfinale in Magdeburg nun völlig ins redaktionelle Gedächtnis gebrannt. Seit heute lässt er auch Sie, liebe Leser, an seinem bunten Treiben in Sachen Musikkultur teilhaben. Seine Sondersendung zum Advent folgt dabei nicht nur den Spuren der Band Church of Hula, sondern gibt auch eindrucksvolle Einblicke in die Sanges- und Gitarrenkünste des unvergleichlichen Captains. In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!
Mit diesen Zeilen sind wir allerdings auch schon am Ende des heutigen Rückblickes angelangt. Wir wünschen Ihnen allen besinnliche und schöne Feiertage und freuen uns darauf, dass wir Sie nächste Woche an gleicher Stelle wieder sehen werden. In diesem Sinne: Merry Christmas!
Ihre Redaktion Readers Edition.
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