Die frühere pakistanische Ministerpräsidentin und Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist bei einem Selbstmordattentat getötet worden. Das gab das pakistanische Innenministerium bekannt. Der Anschlag in der Stadt Rawalpindi riss mindestens 16 Menschen in den Tod.
“Um 18.16 Uhr ist sie verschieden“, sagte Wasif Ali Khan, Mitglied ihrer Partei, der sich in der Klinik von Rawalpindi aufhielt, wohin Bhutto nach dem Attentat zunächst gebracht worden war. “Sie ist den Märtyrertod gestorben”, betonte ein Sprecher ihrer Partei. Polizeiangaben zufolge feuerte ein Selbstmordattentäter während einer Kundgebung Schüsse auf das Auto Bhuttos. Danach habe er sich selbst in die Luft gesprengt. Der Fernsehsender Ary-One berichtete, die 54-jährige Bhutto habe einen Kopfschuss erlitten.
Lebensstationen einer machtbewussten Frau
Indes gibt unter anderem stern.de einen kurzen Abriss ihrer beeindruckenden Lebensgeschichte. “Geboren am 21. Juni 1953, trat Benazir Bhutto bald in die Fußstapfen ihres Vaters Zulfikar Ali Bhutto. Der Präsident und Ministerpräsident schickte seine älteste Tochter zum Studium von Politik und Verwaltung nach Oxford und Harvard. Sein Sturz durch einen Militärputsch im Jahr 1977 und seine folgende Hinrichtung waren prägende Erfahrungen für Benazir Bhutto.” Ehe sie 1984 ins Exil nach England floh, wurde sie mehrere Male verhaftet. Doch bereits zwei Jahre später kehrte sie zurück und führte Massendemonstrationen für die Wiederherstellung der Zivilregierung an.
Benazirs Wende kam 1988
Nach dem Tod von General Zia ul Haq bei einem Flugzeugabsturz bekam Benazir Bhutto das erste ihrer insgesamt drei Kinder, führte die Pakistanische Volkspartei (PPP) zum Wahlsieg und wurde die erste Ministerpräsidentin eines islamischen Staates. Die Unruhen folgten allerdings auf dem Fuße und nach 20 Monaten wurde ihre erste Regierung unter Korruptionsvorwürfen entlassen. Vor 14 Jahren wurde Bhutto zwar wiedergewählt, doch die Zeit der Schicksalsschläge sollte damit für sie noch nicht zu Ende sein: “1996 wurde Benazirs Bruder Murtaza bei einer Schießerei mit der Polizei in Karachi getötet. Ihr jüngster Bruder Shahnawaz war bereits ein Jahrzehnt zuvor unter ungeklärten Umständen in Frankreich gestorben. Benazir warf Präsident Farooq Leghari vor, am Tod von Murtaza mitschuldig zu sei.”
Bald darauf war auch ihre zweite Regierung niedergeschlagen. Unter den Vorwürfen der Misswirtschaft wurde diese entlassen, um 1996 Bhutto ihrem Rivalen Nawaz Sharif den Vortritt zu lassen. Die Ermittlungen wegen Korruption wurden weiter vorangetrieben. Kurz bevor sie ein Gericht im April 1999 schuldig sprach und ihr jede politische Betätigung untersagte, entschloss sich die Politikerin zur Ausreise. Das Urteil wurde später zwar aufgehoben, doch diese blieb weiter im Exil. Ihre Rückkehr nach Pakistan, die letztlich vor gut zehn Wochen stattfand, bereitete sie in Gesprächen mit Militärmachthaber Pervez Musharraf vor. Mit einer Kampfansage an die islamischen Extremisten war sie gekommen, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan festgesetzt haben: “Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Dschihadisten, die Taliban und die Al Kaida am meisten fürchten”, schrieb sie in ihrer Autobiographie. “Ich bin eine politische Führerin, die darum kämpft, Moderne, Kommunikation, Bildung und Technik nach Pakistan zu bringen.”
Amerikaner und Russen haben den Mord an der pakistanischen Politikerin Benazir Bhutto scharf verurteilt
Die Regierung in Moskau erklärte, dass sie den Anschlag scharf verurteile. Zugleich hoffe die russische Regierung, dass es der Führung Pakistans gelinge, “die Sicherheit im Land zu garantieren”, sagte Außenamtssprecher Michail Kaminin. Die USA haben die Ermordung der pakistanischen Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto ebenfalls verurteilt. Der Anschlag zeige, dass es noch immer Kräfte in Pakistan gäbe, die die Aussöhnung und eine demokratische Entwicklung untergraben wollen.
Wie nzz.ch inzwischen berichtet, hat sich auch der pakistanische Präsident, Pervez Musharraf zu Bhuttos Tod geäußert. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und stellte klar, dass “angesichts dieser Tragödie eine verstärkte Entschlossenheit zum Kampf gegen den Terror nötig (sei)”. Thomas Steg, Regierungssprecher von Kanzlerin Merkel betonte in diesem Zusammenhang: “Das feige terroristische Attentat richte sich auch gegen die Stabilität und den demokratischen Prozess zwei Wochen vor der wichtigen Parlamentswahl in dem Land.”
Diesem Anschlag vor knapp zwei Monaten konnte Benazir noch entkommen…
Dieser erneuten Attacke konnte sie nicht mehr entfliehen…
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