Nur zu gut haben auch wir noch die Rückkehr von Benazir Bhutto vor Augen. Die ehemals erste Regierungschefin eines islamischen Landes kehrte am 18. Oktober dieses Jahres in ihre Heimat zurück. Jubel, aber auch zahlreiche Tote überschatteten dieses Ereignis und die Gefahr schien zu keiner Zeit gebannt. Nun dringt aus Pakistan eine weitere Schreckensmeldung. Die Führerin der Opposition ist tot. Zwei Wochen vor den Wahlen ist sie heute bei einem Anschlag in Rawalpindi getötet worden, wie mehrere Zeitungen in diesen Stunden melden.
Die 54-jährige Bhutto, die mehrere Jahrzehnte Einfluss auf die Politik ihres Landes ausübte, strebte am 8. Januar 2008 erneut das Amt der Regierungschefin an. Das Oberhaupt der Pakistanischen Volkspartei PPP genoss in weiten Teilen der Gesellschaft großes Ansehen. Ihre Kämpfernatur stellte sie auch in ihrem achtjährigen Exil unter Beweis. Nun musste sich Bhutto auf tragische Weise geschlagen geben. Wie unter anderem nzz.ch berichtet, habe ein Selbstmordattentäter während einer Wahlkampf-Kundgebung Schüsse auf das Auto der früheren pakistanischen Ministerpräsident abgefeuert und sich anschließend selbst in die Luft gesprengt.
“Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Jihadisten, die Taliban und die Al Kaida am meisten fürchten”, schrieb die charismatische Politikerin selbstbewusst in ihrer Autobiografie. “Ich bin eine politische Führerin, die darum kämpft, Moderne, Kommunikation, Bildung und Technik nach Pakistan zu bringen.” Heute um 18.16 Ortszeit ist sie in den Augen ihrer Partei letzten Endes den “Märtyrertod” gestorben.
Der Schock über dieses schreckliche Ereignis sitzt derweil nicht nur bei ihren Anhängern tief.
“Vor dem Krankenhaus versammelten sich Anhänger Bhuttos. Einige traten vor Wut die Glastür am Haupteingang ein, andere brachen in Tränen aus. Viele bedachten den Präsidenten Pervez Musharraf mit Schmährufen”, schreibt etwa swissinfo.ch. Nawaz Sharif, Oppositionspolitiker, früherer Regierungschef Pakistans und selbst erst kürzlich Zeuge eines Überfalls auf eine eigene Wahlkampfveranstaltung, eilte zum Spital und setzte sich schweigend neben die Leiche der ehemaligen Gegnerin.
“Sie war überzeugt, dass ihr Land sie braucht”
Und auch in Washington und Moskau zeigt man sich tief bestürzt und verurteilt den Anschlag aufs Schärfste, wie AFP meldet. “Der Anschlag zeigt, dass es noch immer Kräfte in Pakistan gibt, die die Aussöhnung und eine demokratische Entwicklung untergraben wollen”, erklärte das Außenministerium in Washington. Großbritanniens Außenminister David Miliband äußerte sich in London ebenfalls “zutiefst geschockt” über die Tat. Das Attentat sei ein “sinnloser Angriff” gewesen. Gibt aber zu bedenken, dass sich Bhutto des Risikos bewusst gewesen sei, nach Pakistan zurückzukehren. “Aber sie war überzeugt, dass ihr Land sie braucht”, schildert spiegel.de.
Parteivertreter Farzana Raja fand für den heimtückischen Anschlag scharfe Worte: “Das ist die Tat derer, die Pakistan spalten wollen, denn sie war das Symbol der Einheit.” Sie hätten die Familie Bhutto ausgelöscht. Sie seien Feinde Pakistans.
Unter dem Titel “Glühend verehrt – oder brennend gehasst” fassen die Stuttgarter Nachrichten die Geschehnisse des heutigen Tages und das von zahlreichen Hochs und Tiefs geprägte Leben Benazir Bhuttos zusammen und schließen mit dem sinnschwangeren Satz: “Ihre Entscheidung, doch wieder nach Pakistan zurückzukehren, um in die politische Geschicke ihres Landes einzugreifen, bezahlte sie nun mit dem Leben.”
Wie wird es nun in der politischen Landschaft des gebeutelten Landes weitergehen? Sharif kündigte indes vor dem Krankenhaus tief bestürzt an, dass er nun den “Krieg” der Pakistaner fortsetzen werde. “Ich versichere euch, ich werde von nun an euren Krieg fortsetzen“. Er teile den “Schmerz der ganzen Nation”, gab er sichtlich bewegt zu verstehen.
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