Nach Mittweida-Schlagzeilen darf man sich bei stern.de einen Grenzgraben buddeln

“Es zeigt sich mit diesem Vorfall auch eine neue Qualität der Übergriffe in unserem Landkreis, in dem inzwischen auch Kinder angegriffen werden bzw. eine couragierte Jugendliche mit rechtsextremistischen Symbolen ‘gebrandmarkt’ wird. Die rechtsextremistische Gewaltbereitschaft im Landkreis ist nach wie vor hoch und verlangt nach einer demokratischen Auseinandersetzung auch in ‘ruhigen’

sternod.jpg“Es zeigt sich mit diesem Vorfall auch eine neue Qualität der Übergriffe in unserem Landkreis, in dem inzwischen auch Kinder angegriffen werden bzw. eine couragierte Jugendliche mit rechtsextremistischen Symbolen ‘gebrandmarkt’ wird. Die rechtsextremistische Gewaltbereitschaft im Landkreis ist nach wie vor hoch und verlangt nach einer demokratischen Auseinandersetzung auch in ‘ruhigen’ Zeiten. Im Jahr 2007 gab es im Landkreis bereits 66 uns bekannt gewordene rechtsextremistische Vorfälle”, heißt es auf den Internet-Seiten des Bündnisses für Menschenwürde im Landkreis Mittweida. Zu diesem Bündnis gehören 35 Vereine und Verbände, außerdem 59 Einzelpersonen.

“Die Stadt Mittweida nimmt Bezug auf die gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Chemnitz und der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge vom 18.12.2007 und ist insofern erleichtert, dass die Ermittlungen in alle Richtungen gehen. Sie hofft auf eine baldige Aufklärung. Die neue Entwicklung sollte für alle, die sich voreilig über die Stadt Mittweida und ihre Bürger negativ geäußert haben, Anlass sein, die weitere Aufklärung abzuwarten und zur Sachlichkeit zurückzufinden”, steht auf den Internet-Seiten von Mittweida. Die sächsische Kreis- und Hochschulstadt hat inzwischen einen Extremismusbeauftragten eingestellt, der immer donnerstags im Rathaus Sprechstunden anbietet.

Hochburg der Neonazis?

Mittweida gilt für viele als eine der Hochburgen der Neonazis. Dort gründeten im März 2006 40 bis 50 Rechtsradikale die so genannte Kameradschaft “Sturm 34″, die am 26. April 2007 vom sächsischen Innenministerium verboten wurde.

Da passte diese Meldung prächtig ins Bild, dachte sich wohl stern.de am 23. November 2007: “Sie wollte helfen und wurde selbst zum Opfer: Eine Siebzehnjährige hat in Sachsen ein Spätaussiedlerkind gegen den Angriff von Rechtsextremen geschützt. Darauf drücken sie die Männer zu Boden und schnitten ihr ein Hakenkreuz in die Hüfte.” Passiert sein soll das am 3. November 2007.

Drei Tage später meldete ein Kommentator Zweifel an: “Ich halte die ganze Meldung für Fake. Erstunken und erlogen.” Zur Antwort bekam er nach sechs Stunden bei Stern.de: “Fein, immer schön alles leugnen, so wie damals. Die Konzentrationslager gab es nicht, die Stasi auch nicht.”

Keine hohe Qualität

Zu jener Zeit hatte ein Dritter im Stern.de-Kommentatorenbunde ein ganz anderes – und zwar finanzielles Problem. “Milliarden über Milliarden” für die “neuen Länder” fand er “einfach zum…”.

Da die Meldung nicht von hoher journalistischer Qualität war, da in diesem Artikel eine Mutmaßung an die andere gereiht wurde, die sich zu einer gespenstischen Szene verdichteten – auf der Straße eine 17-Jährige, die von brutalen Typen überfallen wird, auf den Balkonen gaffende Zeugen – stellte stern.de auch keine hohen Anforderungen an die Kommentare, die von seriösen Internet-Seiten bestimmt schon lange wieder verschwunden wären?

Offenbar darf dort jeder seine eigene Mauer im Kopf behalten und sich jeder einen Graben mitten durch Deutschland buddeln, das eigentlich endlich zusammenwachsen soll. Die Denkgrenzen, die auch anderswo in Kommentaren gezogen werden, sind auch den Stadtvätern von Mittweida übel aufgestoßen: “Hier äußern sich zum Teil Westdeutsche über Ostdeutsche in einer Art, die Ihnen zurecht als Fremdenfeindlichkeit ausgelegt werden würde, wenn sie sich so über Ausländer äußerten.”

Ausländer sind die Sachsen aber nicht mehr und wünschen kann man sich nur, dass die Dresdner Staatsanwaltschaft den Fall so schnell wie möglich und so gründlich wie nötig aufklärt.

Bedenken muss man allerdings haben, denn vor dem Chemnitzer Amtsgericht hat es eine Prozessunterbrechung gegeben, weil dem Angeklagten, der als Rädelsführer von “Sturm 34″ gilt, die Ladung nicht ordnungsgemäß zugestellt worden war. Dabei sitzt der 19-Jährige schon seit Monaten im Untersuchungsgefängnis.

Immer nur Wertarbeit “made in Germany” ist nicht nur in Sachsen stets nur ein Ammenmärchen gewesen…

Mehr zum Thema:

- Offenbarungseid mit Ansage

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Pingback: Readers Edition » Mittweida: 18-Jährige bekommt trotz Ermittlungsverfahren eine Auszeichnung