Wir haben es geschafft! Fürs Erste. Weihnachten mit all der Schlemmerei, unzähligen Verwandtenbesuchen und noch mehr Geschenken liegt hinter uns. Silvester steht schon vor der Tür und das letzte BEST OF in diesem Jahr schickt sich an geschrieben zu werden, um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch zum guten Schluss noch einmal einen Einblick in die vergangene Woche zu beschehren.
Erfundene Geschichten und solche, die wahr werden könnten
“Es ist ein Offenbarungseid, eine Konkursmeldung mit Ansage.” Tönt uns Holger Finn am vergangenen Sonntag nicht gerade hocherfreut entgegen. Was war passiert? Anfang November löste die Geschichte eines 17-jährigen Mädchens aus dem sächsischen Mittweida in weiten Teilen der Bevölkerung blankes Ensetzen aus. Überfallen worden soll sie sein und obendrein noch ein Hakenkreuz von ihren Peinigern eingeritzt bekommen haben. Anscheinend nicht nur für Holger Finn zu viel der Klischees. Die Pressemaschinerie arbeitete langsam. Die immergleichen dpa-Meldungen wurden abgedruckt. Wieso fuhr keiner hin? Wieso gab es keine kritischen Fragen? Nachdem nun auch öffentlich Zweifel an der Story des Mädchens gehegt werden, stellt der Autor sachlich fest: “Wer zuviel fragt, erfährt zu viel, wer zuviel weiß, malt nicht mehr schwarz und weiß, sondern in Grautönen, die das an die klare Rollenzuschreibung von Rambo-Filmen gewöhnte Publikum überfordern könnten.” Quote vor Wahrheit, also?
Ob es bei der jüngsten Schäubleschen Studie allerdings um Quote ging, nun ja, darüber ließe sich sicherlich ganz vortrefflich streiten. Insbesondere, wenn sich der geneigte Leser das doch etwas einseitig formulierte Vorwort unseres Innenministers betrachtet. Claus-Dieter Stille jedoch nahm diese lieber zu Anlass, um sich einmal anzusehen, was nun etwa die jeweiligen Innenminister zu den vorliegenden Ergebnissen zu sagen haben. In “Demnächst Gessler-Hüte?” schildert der Autor etwa solch knackige Aussagen, wie etwa die des frischgebackenen Innenminister Bayerns, der meint: “Wir dürfen Leute, die gewaltbereit sind, auf keinen Fall dulden.” Und sofort Unterstützung durch seinen Kollegen aus Hannover erhält. Sollen jungen Muslime nun etwa schon von Geburt an gekennzeichnet werden? So seine beißend ironische Eingangsfrage. Stigmatisierung liegt in der Luft. Vorurteile werden geschürt. Genaues Hinsehen ist gefordert. Denn gerade die höhere Gewaltbereitschaft unter jungen Muslimen ist mehr als fraglich. Stilles Fazit fällt daher deutlich aus: “Wenn derartige ‘Sicherheits’-Ideen von hohen Verantwortungsträgern unseres Land, welche möglicherweise politisch nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, nicht so bitter ernst gemeint wären, könnte man schallend über sie lachen. Versuche jedoch bestimmte Gruppen von Mitbürgern unseres Landes – egal welchen Glaubens oder welcher Orientierung auch immer – unter Generalverdacht zu stellen und auf diese Weise abzustempeln, sind aber alles andere als zum Lachen, sondern erfüllen in gewisser Weise den Tatbestand Politische Brandstiftung.”
Putin als Mann des Jahres und Abschied von Benazir Bhutto
Bleiben wir beim Thema Politik und wenden uns gen Osten. Wladimir Putin hat es in diesem Jahr erwischt. Nein, erkrankt ist der erste Mann Russlands nicht, dafür aber vom Nachrichtenmagazin TIME zum Mann des Jahres gekührt worden. Für Mark Krylow Grund genug, einmal nachdenklich auf selbigen zurückzublicken. Unter ihm sei Russland also stabiler geworden, so die These des Chefredakteurs der TIME. Aber ist das wirklich so? Bedarf es nicht eines kritischeren Blickes? Selbsterständlich boome die Wirtschaft, meint da Krylow. Doch darf man auch diejenigen Landstriche nicht vergessen, in denen noch ärmlichste Naturalwirtschaft vorherrscht. Schlecht bestellt sei es zudem um die Infrastruktur. Internetzugang sei zum Beispiel echte Mangelware. Steigende Preise, verbunden mit einer Liquiditätskrise der Banken tun hier ihr Übriges, um das noch eben so rosige Bild ins Wanken zu bringen. Krylow fährt in selben Stile fort und zieht am Ende eine von Unsicherheit geprägte Bilanz. Auf welche Seite solle man sich schlagen? Putin oder Medwedjew und was wird letztlich dabei herauskommen?
Dass das Ringen um Macht auch fatale Konsequenzen nach sich ziehen kann, das erlebten wir just gestern, als uns die Meldung ereilte, Benazir Bhutto sei bei einem Selbstmordattentat während einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi getötet worden. Das weltweite Ensetzen war groß, in Pakistan herrschte der Ausnahmezustand. Neha Viswanathan gibt in “Pakistan: Reaktionen auf Bhuttos Tod” heute die Stimmen aus der Blogosphäre wieder. “Der Tod von Benazir Bhutto war ein Schock für viele Blogger aus Pakistan. Wenn ihre Politik auch umstritten war kommt der Mord zu einem Zeitpunkt, an dem es Hoffnung gab, die Fehltritte der Demokratie in Pakistan zu korrigieren”, schildert sie anfangs. Die Hoffnung ist da auch für einige Blogger gestorben. Einige begraben den Gedanken der Demokratie erneut, andere betonen vor allem den menschlichen Aspekt dieser Tragödie. Doch auch Kritik wird geübt. Eine der korruptesten Politikerinnen soll sie gewesen sein. Aber was auch immer nun über Benazir Bhutto geschrieben werden wird, zurück bringt das die charismatische 54-Jährige, die am heutigen Freitag zu Grabe getragen wurde, nicht…
Mit diesen Eindrücken verabschiedet sich die Redaktion von Ihnen, wünscht Ihnen ein geruhsames Wochenende und natürlich einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
Ihre Redaktion Readers Edition
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