Zeigt der Strafantrag gegen den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und gegen “Bild”-Redakteur Nikolaus Blome bereits Wirkung – oder warum geht es im sonntäglichen Ableger des Boulevardblattes nicht ganz so wüst zu wie am Freitag und Samstag in der “Bild”-Zeitung?
Auch “Bild am Sonntag” (BamS) steigt zwar marktschreierisch auf Seite 1 in das Thema ein “Nach der Prügelattacke von München fordern Politiker und Experten: Schock-Haft für jugendliche Gewalttäter” und verfolgt auf den Seiten 8 und 9 die Linie von Roland Koch, DVU und NPD, zitiert CDU-Fraktionschef Volker Kauder mit den Worten “Kriminelle Jugendliche brauchen kein Multikulti-Gesäusel, sondern einen Warnschuss vor dem Bug“, doch auf Seite 10 tönt es anders als noch am Samstag in der “Bild”-Zeitung.
Aus Ausländern, die im Gefängnis sitzen, werden “Tatverdächtige, die ins Visier der Polizei geraten” und der Hinweis, dass in der Statistik auch Touristen auftauchen und dass es Delikte gibt, “derer sich Deutsche gar nicht schuldig machen können (Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht etc.)”, fehlt auch nicht.
Koch bestraft das kriminelle Leben
Dann bestraft Roland Koch auch noch das kriminelle Leben, weil er seine Kampagne zu spät gestartet hat, erfährt die BamS-Leserschaft auf Seite 11: “Doch auch eine ganz andere Wahrheit lässt sich aus der aktuellen Polizeistatistik lesen: Der Tatverdächtigenanteil von Personen ohne deutschen Pass ist im Vorjahr auf den niedrigsten Stand seit 1993 gerutscht, von 33,6 auf 22 Prozent. Im Jahr 2007 (endgültige Statistik liegt noch nicht vor) könnte die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen erstmals seit vielen Jahren auf unter eine halbe Million sinken. Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen – dazu zählen auch eingebürgerte Deutsche ´mit Migrationshintergrund´ – ging in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls zurück.“
Keine Verständnispädagogik für Koch
Ist das von Roland Koch am Freitag in einem “Bild”-Interview mit Nikolaus Blome angeprangerte “seltsame soziologische Verständnis” doch nicht seltsam und die vom hessischen Ministerpräsidenten beklagte “multi-kulturelle Verblendung” etwa doch keine Verblendung?
Wie dem auch sei: Mit “Verständnispädagogik” darf Koch nicht rechnen. Die mag er ja laut “Bild”-Gespräch auch nicht…
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