Roland Koch Superstar, der Rächer der Entrechteten und Geprügelten, hat, anders als bislang angenommen, mehr als nur einen aktuellen Fall, in dem er für Gerechtigkeit sorgen muß. Einen Tag nach dem gewalttätigen Vorfall in der Münchener U-Bahn wurde in Halberstadt eine 19-Jährige Frau von zwei jungen Männern und einer jungen Frau brutal geschlagen, zusammengetreten und zudem noch sexuell belästigt. Die 19-Jährige erlitt schwere Verletzungen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Und keine vierundzwanzig Stunden später wurden in Dresden zwei Studenten sowie ein couragierter Helfer von einem Mob junger Männer vor einer Diskothek zusammengeprügelt.
Ein wenig verwundert es ja schon, dass unser aller Retter Koch da noch kein Machtwort gesprochen hat. Gewalt auf unseren schönen deutschen Strassen! Da muss er doch eingreifen, er, der als Einziger und Erster und überhaupt erkannt hat, dass Gewalt böse ist, egal ob sie von In- oder Aus- oder SowohlInalsauchAusländern ausgeübt wird.
Gut, die Schlechtmenschen (also die erklärten Feinde der von Multikulti verblendeten Gutmenschen) würden hier vielleicht geltend machen, dass es sich bei den beiden Studenten, die in Dresden Opfer der Gewalt wurden, nur um Sudanesen handelt. Und Super-Koch ja schließlich gegen Gewalt von Ausländern (bzw. SowohlInalsauchAusländern) und nicht gegen Gewalt gegen Ausländer (bzw. SowohlInalsauchAusländern) zu Felde ziehe. Und zudem die zehn bis fünfzehn Täter zwar polizeibekannte Hooligans zu sein scheinen, aber eben deutsch. Aber nein, da müssen wir den Schlechtmenschen gegenüber eisern sein: Unser Roland ist doch kein Schlechter. Das kommt also gar nicht in Frage. Er hat uns doch gerade erklärt, das Gewalt Gewalt ist. Und gleich behandelt, beurteilt und verurteilt werden muß.
Zugegeben, die junge Frau, die in der Nacht zuvor in Halberstadt in einem Park Opfer von Gewalt wurde, die war deutsch. Aber die Täter ja auch. Das kann die Polizei verbürgen, schließlich sind die Drei ja aus den Polizeiakten bekannt, einsortiert unter rechtsextreme Gewalttäter. Und da muss sich die junge Frau, die von den drei Nazis als „Zecke“ erkannt und deswegen verprügelt wurde, auch nicht wundern, dass der Roland kein Interview in der Bild-Zeitung zu ihrem Fall gibt. Klare Sache das: Deutsche rechte Gewalt gegen deutsche Frau: Kein Fall für Super-Roland. Und wehe da rufe jemand, das sei Heuchelei. Der Roland kann sich doch nicht um alles kümmern.
Er hat ja schließlich demnächst Wahlen in Hessen. Deswegen kann er sich um Dresden und Halberstadt nicht kümmern, diese Städte liegen ja nicht mal in Hessen. München auch nicht, gut, aber das ist ja schließlich etwas ganz anderes, wenigstens im Westen. Ja, ja, ich weiß: Bösartige Menschen (die sind noch schlimmer als die Gutmenschen und die Schlechtmenschen) sagen, dem Roland wär das eigentlich alles komplett egal, wichtig wären ihm nur die Wahlen. Und dann sagen die auch, dass er sich zu dem Thema überhaupt nur äußern würde, weil das bei der letzten Wahl so gut geklappt hat. Das könne kein Zufall sein, dass Koch wieder kurz vor dem Wahltermin mit einer xenophoben Aktion noch mal ordentlich Stimmung am rechten Rand macht, um dadurch im braunen Sumpf Stimmen zu gewinnen. Nicht doch! Zum einen würde unser aller Roland sowas doch nie machen, und zum anderen wären die Hessen doch nicht so blöd zweimal auf den selben Trick rein zu fallen. Wären sie doch nicht, oder?
Soweit so gut. Schwierig wird es in Sachen Gleichbehandelung natürlich, wenn es um die Ausweisung geht. Das geht bei einem Türken einfacher als bei einem Sachsen, bzw. einem Sachsen-Anhaltiner. Naja, obwohl, dem Roland fällt da schon was ein. Für den durchschnittlichen Hessen ist Halberstadt ja wahrscheinlich ebenso weit weg wie Ankara.
Und zum Glück gibt es neben dem armen arbeitsgeplagten Super-Koch ja noch Ronald Pofalla. Der hat das gesamte Problem sofort erfasst und zum Besten gegeben: „Wer Menschen brutal zusammenschlägt, muss mit konsequenter Verfolgung und zügiger Bestrafung rechnen. Der Rechtsstaat muss wachsam bleiben und, wenn erforderlich, gesetzlich nachjustieren. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht darauf, ohne Angst um sich selbst, ihre Angehörigen und Freunde leben zu können.“ Danke Ronald, für diese klaren Worte in Sachen Dresden und Halberstadt. Ich bin sicher, Pofalla pendelt just in diesem Moment zwischen den beiden Städten hin und her, um der Sache höchstpersönlich auf den Grund zu gehen. Alles andere wäre dann ja doch Heuchelei und so etwas würden weder Roland noch Ronald jemals tun. Auf gar keinen Fall. Niemals nicht.
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Gleichbehandlung und Integration sind nur dann möglich, wenn man es wirklich will. Aber vielleicht wird ja auch das Schulsystem zugunsten benachteiligter Einwanderer und deren Kinder geändert. Schliesslich haben das ja Deutsche in ihrem eigenen Heimatland erfunden.
http://www.morgenpost.de/content/2004/12/20/berlin/723834.html
Ich weiss auch nicht recht, ob ich ob der Tatsache, dass Deutsche sogenannten rechtsradikalen Gewalttätern wesentlich öfter zum Opfer fallen, als Ausländer nun mit Süffisanz oder Entsetzen reagieren soll. Schwarzweiss-Malerei ist aber einfacher und vor allem einträglicher, als sich mit den wahren Problemen und ihren Ursachen in solchen “heissen” Gegenden auseinanderzusetzen. Hauptsache, man hat wieder mal etwas Wichtiges gegen irgendeinen rasierten Pöbler gesagt, dessen politischer Horizont über den bekannten Gruss und ein paar Parolen kaum hinausgeht. Und dass jemand, der den Hitlergruss anwendet, von Gesetz wegen ein Krimineller mit rechtsradikalem Hintergrund ist, wissen wir ja. Oder etwa nicht?