Nachhall – Verelendung der Kultur?

Nicht nur von einer nachhaltigen Entwicklung der menschlichen Kultur, sondern auch von der physischen und psychischen Einheit der Menschheit überzeugt, war der englische Anthropologe Edward Burnett Tylor. Sein Anliegen war nicht nur die künstlerische und spirituelle Entwicklung einer Zivilisation zu erforschen, sondern auch deren moralische und technische Fähigkeiten. Nach dem

scre4.jpgNicht nur von einer nachhaltigen Entwicklung der menschlichen Kultur, sondern auch von der physischen und psychischen Einheit der Menschheit überzeugt, war der englische Anthropologe Edward Burnett Tylor. Sein Anliegen war nicht nur die künstlerische und spirituelle Entwicklung einer Zivilisation zu erforschen, sondern auch deren moralische und technische Fähigkeiten. Nach dem Begründer der Kulturanthropologie (Wikipedia) entstanden im 19. Jahrhundert, kann sich eine Kultur zu jedem Zeitpunkt in Richtung Fortschritt, seitliches Abirren oder gar Rückschritt fortentwickeln.

Rücksichtslose Gewalt

Wahlen in Kenia – der bisherige Präsident Kibaki akzeptiert offensichtlich nicht das Wahlergebnis. Er erklärt sich zum Sieger – 300 Tote.

Wahlkampf in Pakistan – mögliche Wahlsiegerin zumindest nach Umfragen Benazir Bhutto – drei Wochen vor der Wahl. Tod. Ermordet. Es fielen Schüsse und ein Selbstmordattentäter bombte sich ins Paradies. Ziel: Jungfrauen. Fragt sich – wie kommen die so früh da hin.

Angesichts des Mordes an der Oppositionsführerin und demokratischen Hoffnung des Landes, der Rücksichtslosigkeit und Kaltschnäuzigkeit, weitere unschuldige Tote in Kauf zunehmen, ist man geneigt laut auszusprechen, dass sich in diesem Teil der Welt die Kultur langsam verabschiedet und der Barbarei hinwendet. Das Spiel mit dem Tod wird immer mehr zum Ausdruck archaischer Willensbildung und Mittel zum Zweck. Die Nachrichtenbilder zeigen tagtäglich Ausschreitungen bishin zu eskalierender Gewalt, marodierende Banden, die auf alles draufhauen was sich bewegt. Das hat mit Trauer nichts zu tun, sondern ist schlicht ein Mangel an zivilisierter Ausdrucksfähigkeit.

Hoffnung eines Volkes

War Benazir Bhutto nicht trotz aller Korruptionsvorwürfe eine Hoffnungsträgerin, die am Ende für mehr zivilisierte Demokratie stand und der archaisch verkrusteten und rückwärts gewandten, männlichen Scheinwelt die Stirn bot? Oder war sie doch nur ein Teil derer, einer undurchsichtigen Politikerklasse, die wechselseitig Pakistan beherrscht. Angekommen bei ihrem Volk, und das nicht erst seit ihrer Rückkehr aus dem Exil in Dubai, ist sie allemal. Hat die ehemalige Premierministerin doch großen Rückhalt mit ihrer Volkspartei (PPP) in der pakistanischen Bevölkerung. Aber die Angst, der im Dunkeln operierenden Taktgeber der Fanatiker, die an einem instabilen Pakistan großes Interesse haben, oder aber auch die Angst jener, die ihre Pfründe zu verlieren schienen, haben das Schicksal der Oppositionsführerin besiegelt.

Kultur als Voraussetzung für Zivilisation

Freilich überall auf der Welt, in jedem Kulturkreis gibt es Gewalt, Mord und Totschlag. Aber als profanes Mittel in dieser überdimensionierten, für die Anwender regulären Form, mit politischen Gegnern Argumente einseitig mit Gewehr und Bombe auszutauschen, gibt es sie nur in bestimmten Regionen des Planeten und muss als barbarisch gebrandmarkt werden. Und es sind die Eliten, die für die Gewalt sorgen und die Emotionen der Bevölkerung schamlos ausnutzen.

Gewiss,EURopa hat Jahrhunderte von allermöglichen Gewalt hinter sich, daraus gelernt zu haben, darf es aber für sich in Anspruch nehmen. Die Aufklärung und Säkularisation hat gewirkt und tut es noch. In den betroffenen Ländern ist dringend eine Änderung der Moral, der Ethik geboten. Ob es Afghanistan, Pakistan, Irak, der nahe Osten oder Teile Afrikas sind, wo bleiben die Menschen dieser Gesellschaften, die einerseits die bittere Armut, und andererseits eben jedwede Gewalt erleiden müssen.

Die Globalplayer der Weltpolitik von China, über Russland bishin zu den Vereinigten Staaten hätten es in der Hand. Wenn sie sich denn einig wären. Doch solange sie es nicht sind und überall da, wo der eine, eine Lücke hinterlässt, der andere sie sofort schließt, zum Ausbau der Macht, zur überall beliebten Sicherung von Ressourcen, bleibt die Kultur auf der Strecke. Sie mutiert zu einer wenig brauchbaren Variante der Evolution.

Die Kultur als soziale Ordnung beginnt da, wo Chaos und Unsicherheit enden, beschreibt William James Durant (amerikanischer Philosoph) in seiner “Kulturgeschichte der Menschheit”, also nie.

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