BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Die letzten Rauchschwaden sind verklungen, die übrig gebliebenen Sektflaschen im Keller verschwunden und das traditionelle Equipment zum Bleigießen gut und sicher verstaut. Nun hat uns der Alltag wieder. Das alte Jahr wurde gebührend verabschiedet. Alle damit verbundenen “Nachwehen” sind hoffentlich ausgestanden und das neue Jahr 2008 steht in den Startlöchern,

nicks.jpgDie letzten Rauchschwaden sind verklungen, die übrig gebliebenen Sektflaschen im Keller verschwunden und das traditionelle Equipment zum Bleigießen gut und sicher verstaut. Nun hat uns der Alltag wieder. Das alte Jahr wurde gebührend verabschiedet. Alle damit verbundenen “Nachwehen” sind hoffentlich ausgestanden und das neue Jahr 2008 steht in den Startlöchern, um uns willkommen zu heißen. Gespannt sind wir, was uns in den nächsten zwölf Monaten erwarten wird. Der Blick in die Zukunft ist optimistisch. Ebenso jedoch derjenige in die jüngste Vergangenheit. Denn auch rund um Silvester war es auf der Readers Edition alles andere als still.

Die innere Einstellung und ihre Folgen: Vom Beruf bis zur Kindererziehung

Schon zwei Tage vor dem Jahreswechsel berichtete uns Holger Finn, mit gewohnt “spitzer Feder”, von einer Diskussion der besonderen Art. In “Brauner Stern für Nazis” schildert der Autor den Fall eines Schornsteinfegers aus Sachsen-Anhalt, der aufgrund seiner politischen Gesinnung und seines dazugehörigen Engagements seinen Kehrbezirk verlieren soll. Die Erklärung von Landes-Wirtschaftsminister Reiner Haseloff fällt in Finns Augen mehr als fragwürdig aus: Der Schornsteinfeger habe ein ähnliches Treueverhältnis zum Staat wie ein Beamter. Das Engagement als Rechtsextremist widerspreche dem. Ist dem wirklich so? Finn spinnt den Faden weiter und sieht eine “Säuberungswelle” durchs Land rollen. “(…) der (…) Krieg gegen einen Handwerksmeister wird (…) zur größten Werbekampagne, die die NPD in Sachsen-Anhalt je kostenlos geliefert bekam.” Steht also bald der “Gesinnungs-Tüv” in jedwede Richtung für Jedermann an? Eine Vorstellung, bei der sich nicht nur die Haare des Autors aufstellen…

Haarsträubend steigt auch Marius Baumann in seinem Beitrag “Fette, blöde, grausame Kinder – Die Kehrseite der ‘Medienkompetenzförderung’ im Vorschulalter” ein, der uns am vergangenen Mittwoch erreichte. Denn wir sind nicht nur Papst, sondern auch Web 2.0 und vor allem Kommunikationsgesellschaft. Zweifel am Fortschritt – Fehlanzeige. Und so tummeln sich Spielkonsolen und Fernsehgeräte in den Zimmern unserer Kleinen, schließlich sieht es in den Wohnzimmern der Eltern nicht viel anders aus. Medienkompetenz soll da wohl erlernt und zur Gewohnheit werden – und das möglichst früh. Eigentlich sinnvoll, oder? Doch Baumann verweist in diesem Zusammenhang auf die damit verbundenen Nachteile, die sich durch zahlreiche Studien in unserer Gesellschaft belegen lassen. So sorgen Bildschirmmedien also nicht nur für Genickstarre und trockene Augen, sondern bedingen auch Übergewicht in signifikanter Weise. Ebenso steht es mit der Bildung. Übermäßiger Fernsehkonsum und späterer Universitätsabschluss – das scheint sich nicht unbedingt zu vertragen. Die knallharte These: “Fernsehen im Vorschulalter macht schlichtweg dumm” und verweist gleich auf die Erkenntnis, dass selbiger Konsum anscheinend auch zu Aufmerksamkeitsstörungen und höhere Gewaltbereitschaft führen kann. Ergo, Fernsehen in diesem Alter erscheint “so sinnvoll wie Kinder-Schnaps und Kinder-Tabak”. Förderung also in allen Ehren, aber bitte doch etwas später…

Mysterien hier und anderswo – Der pakistanische Geheimdienst und Wege abseits der Schulmedizin

Mit “Förderungen” ganz anderer Natur haben wir es in unserem nächsten Beitrag zu tun. Der heimtückische Anschlag auf die Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 und die damit verbundenen Spekulationen waren für Malte Olschewski Anlass genug, sich am letzten Donnerstag einmal ausführlich mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI, seiner Struktur und seinen Machenschaften auseinanderzusetzen. “Angriff aus dem Schattenreich: Ein Porträt des pakistanischen Geheimdienstes ISI” lautet daher sein sinnschwangerer Titel. Was folgt ist ein tiefgehender Blick auf die jüngsten Ereignisse und in die Geschichte dieser undurchsichtigen Organisation. So gibt der Autor zu Beginn zahlreiche Hinweise, warum die Version des Regimes von Perez Musharraf so nicht richtig sein kann, um dann gleich noch einen Schritt weiterzugehen. Die Verquickung des Militärs mit nicht wenigen Wirtschaftszweigen erscheint da ebenso mysteriös und alarmierend, wie das Vorgehen in einigen Kriegen. Pleiten, Pech und Blamagen – so lesen sich die Ergebnisse ihrer Vorgehensweisen und das mit teils weltpolitischen Folgen. Für Olschewski scheinen die Täter demnach festzustehen. Das Vorhaben Benazir Bhuttos, “die düsteren Winkel” des Geheimdienstes durchleuchten zu wollen, haben die Chefs der ISI-Abteilungen wohl in Panik versetzt. Was folgte, war ihre Eliminierung.

Von düsteren Winkeln wechselt nun unser Blick zu, für viele Menschen, eher unglaublichen Phänomenen. Denn Rolf Ehlers befasst sich ebenfalls am vergangenen Donnerstag in “Tensor, Pendel, Kinesiologie: fehlende Plausibilität” mit Alternativen zur gängigen Schulmedizin. Dass es diese in weiten Teilen der Bevölkerung trotz teils nachgewiesener Wirksamkeit schwer haben, ist ein offenes Geheimnis. Auch wenn sich Akupunktur oder Homoöpathie anscheinend steigender Beliebtheit erfreuen. Allerdings, wie steht es denn mit dem wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirkzusammenhänge? Hier wird weiterhin im Dunkeln getappt. Für den Autor ist deshalb klar: “P l a u s i b i l i t ä t ist das Kriterium, das gegeben sein muss, um sich mit solchen Wegen weiter zu beschäftigen.” Was jedoch für Anwendungen gilt, das gilt noch lange nicht für in seinen Augen fadenscheinige Diagnosemethoden. Geben Tensor, Pendel oder die Kinesiologie wirklich Antworten auf die Fragen, die der Mensch nicht bewusst geben kann? Eher nicht, denn hier fehle eindeutig der “Hauch eines wissenschaftlichen Beweises”.

Digitale Welt – mit Vorsicht zu genießen

Eine Beweissuche völlig anderer Art wiederum betreibt schließlich Simon Herker in seinem Beitrag “Der Fluch des Web 2.0“. Und zugegeben, ein Leben ohne Internet erscheint nahezu unvorstellbar. Doch bei aller Raffinesse, Bequemlich- und Geschwindigkeit fordert der Autor auch dazu auf, den kritischen Blickwinkel auf dieses Medium nicht zu vernachlässigen. Denn “die Vorteile des Web 2.0 sind zugleich seine Problemstellen”. Vielfältige und neuartige Möglichkeiten der Informationsbeschaffung stehen da im scharfen Kontrast zu sich schnell einschleichender Gemütlichkeit und undifferenzierter Betrachtung der einzelnen Quellen. Kein Wunder also, dass Herker fragt: “Auf wen kann man sich im ständig wandelbaren Internet noch verlassen?” und gleich auf das mögliche kriminelle Potential des World Wide Web verweist. Seine Forderung fällt deshalb scharf aus: “Die Politik darf sich aus dieser Angelegenheit (…) nicht gänzlich heraushalten. Wenn man sich Gedanken zur Online-Durchsuchung macht, sollte man auch einmal allgemein über die Entwicklung des Internets sprechen.” Bei allem Aufschreien um die neue Gesetzgebung ein diskutabler Aspekt. Gehen wir’s an.

Mit diesem Appell verabschiedet sich die Redaktion auch schon wieder von Ihnen. Wir bedanken uns für einen tollen Start ins neue Jahr und wünschen Ihnen viel Kreativität, Muse und vor allem gehörige “Schreiblaune”! Bis nächsten Freitag,

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: photonicks, cc creative commons, Namensnennung-Keine Bearbeitung 2.0 US-amerikanisch, via flickr

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