Lancet und die Rehabilitierung der Homöopathie

Die wissenschaftliche Diskussion rund um das 2005 von der Medizinzeitschrift The Lancet proklamierte »Ende der Homöoapthie« hat ein überraschendes Ende genommen. Homöopathie als Gewinner Das anlässlich einer Publikation des Schweizer Sozial- und Präventivmediziners Matthias Egger von The Lancet 2005 mehr geforderte als argumentativ belegte Ende der Homöopathie hat nicht nur

shtgh.jpgDie wissenschaftliche Diskussion rund um das 2005 von der Medizinzeitschrift The Lancet proklamierte »Ende der Homöoapthie« hat ein überraschendes Ende genommen.

Homöopathie als Gewinner

Das anlässlich einer Publikation des Schweizer Sozial- und Präventivmediziners Matthias Egger von The Lancet 2005 mehr geforderte als argumentativ belegte Ende der Homöopathie hat nicht nur die menschlichen Seiten des wissenschaftlichen Verlagsgeschäfts ans Tageslicht gebracht. Die Kontroverse ging sogar mit Spiel, Satz und Sieg an die Fraktion der Homöopathie-Befürworter.

Klaus Linde reklamiert mangelhafte Dokumentation

Die Ungereimtheiten der Lancet-Publikation von Aijing Shang, Prof. Matthias Egger und Kollegen begannen schon früh mit der Kritik von PD Dr. med. Klaus Linde. Linde ist Ko-Autor der 1997 in The Lancet veröffentlichten Vorläufer-Studie. Es sei – so Linde – »äußerst unbefriedigend, dass die Darstellung der Ergebnisse in der Publikation bzw. das Fehlen von Zusatzinformation es unmöglich macht, die Ergebnisse selbst nachzuvollziehen«. Die Autoren hatten 16 Studien mit dem Argument »insufficient information« aus ihrer Arbeit ausgeschlossen, hätten ihre eigene Arbeit bei gleichem Maßstab jedoch ebenfalls ausschließen müssen.

Falsche Darstellung unter Wikipedia

Die vom Magazin stern zuletzt so hoch gelobte Online-Enzyklopädie Wikipedia erlaubt sich in Hinblick auf Homöopathie & Lancet eine grobe Falschdarstellung. Wikipedia verweist auf die Auswertung von 220 Studien, verschweigt jedoch, dass die Bewertung der Egger-Studie nur auf 8 homöopathischen und 6 konventionellen Studien basiert. Eine sehr schmale Datenbasis, um das Ende einer ganzen Therapierichtung auszurufen. Wikipedia gibt darüber hinaus die methodische Kritik an der Arbeit von Shang et al. unvollständig und grob irreführend wieder. Der Informationsdienst H.Blog weist in diesem Zusamenhang auf das Wirken der Molekularbiologin Nina Gerlach (Ex-Vorstand von Wikimedia Deutschland e. V.) hin, welche den Homöopathie-Artikel noch im August 2007 mit 135 Edits förmlich dominierte.

»Individualisierte Homöopathie« wurde nicht untersucht

Harald Walach, Wayne Jonas und George Lewith machten in einem vom Lancet publizierten Leserbrief schon früh darauf aufmerksam, dass keine der untersuchten Studien individualisierte Homöopathie enthielt, wie sie inEURopa allgemein praktiziert wird. Die individualisierte Homöopathie kennt keine Präparate gegen Krankheitssymptome. Das jeweilige Medikament wird stattdessen nach ausführlicher Anamnese individuell für einen Menschen ermittelt. Walach, Jonas und Lewith wiesen auch darauf hin, dass die Bewertung »nicht besser als Placebo« keinesfalls gleichbedeutend mit wirkungslos ist. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil »Placebo« eine ganze Bandbreite von möglichen, von Mensch zu Mensch stark variierenden Wirkungen umfasst, über die etablierte standardisierte randomisierte Doppelblind-Studien (RCTs) keine Auskunft geben.

Kritik des medizinischen Statistikers Rainer Lüdtke

Die wahrscheinlich schwerwiegendste Kritik zum Thema publizierte der medizinische Statistiker der Karl und Veronica Carstens-Stifung, Rainer Lüdtke. Unter der humorvollen Überschrift »Das Ende des deutschen Fußballs« demontierte er die Argumentation der Lancet-Autoren Shang, Huwiler-Müntener, Nartey, Jüni, Dörig, Sterne, Pewsner und Egger förmlich. Lüdtke deckte die Schwächen der Publikation schonungslos auf: eine dramatische, bis ins Absurde reichende Überinterpretation der Daten.

Das Health Technology Assessment der Schweiz

Ironie des Schicksals: Zum guten Schluss machten Dr. med. Gudrun Bornhöft und Prof. Dr. med. Peter Matthiessen et al. vom Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin der Universität Witten/Herdecke auch noch darauf aufmerksam, dass das methodisch höherwertigere Health Technology Assessment der Schweiz (die Publikation von Shang et al. war hier nur ein kleiner Teil und muss in diesem Kontext bewertet werden) zu einem für die Homöopathie ausgesprochen positiven Abschlussurteil kam: »Die Wirksamkeit der Homöopathie kann unter Berücksichtigung von internen und externen Validitätskriterien als belegt gelten, die professionelle sachgerechte Anwendung als sicher. (Quelle: Forschende Komplementärmedizin 2006;13 (suppl 2):19-29.)

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar.

  1. Gibt es eigentlich sowas wie eine Qualitätskontrolle hier bei der Readers Edition oder darf jeder nach Lust und Laune seinen tendenziösen Quark veröffentlichen?