Wochenrückblick I/I: Herr Konjunkturbedingt, der Nürnberger Trichter und flügellahmer Airbus

Diese Woche ist wegen der Feiertage zwar etwas kurz geraten, dennoch ist Einiges nicht zu kurz gekommen. Ob nun Sieben-, Sechs- oder Fünf-Tage-Woche – darauf muss man nie lange warten: Immer im Januar taucht ein gewisser Herr Witterungsbedingt auf und vermasselt der Bundesagentur für Arbeit die Statistik. Seine Vorliebe für

sgddfs.jpgDiese Woche ist wegen der Feiertage zwar etwas kurz geraten, dennoch ist Einiges nicht zu kurz gekommen. Ob nun Sieben-, Sechs- oder Fünf-Tage-Woche – darauf muss man nie lange warten: Immer im Januar taucht ein gewisser Herr Witterungsbedingt auf und vermasselt der Bundesagentur für Arbeit die Statistik. Seine Vorliebe für Arbeitslose ist hinlänglich bekannt, doch dieses Jahr konnte er noch nicht so viele um sich scharen wie noch vor zwölf Monaten.

Deswegen: Der Anstieg der Arbeitslosenzahl ist so gering gewesen wie lange nicht. 15 Jahre mussten die in Nürnberg zurück blättern, bis sie auf einen ähnlichen Wert stießen. Hätten sie allerdings noch ein wenig weiter zurück geblättert, wären sie auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um mehr als 600 Prozent gestoßen.

Was schafft Frau Frühjahrsbelebung?

Aber wer will sich schon an Statistiken aus den 60er- oder 70er-Jahren erinnern, zumal man noch gar nicht weiß, was Frau Frühjahrsbelebung 2008 zustande bringt, wenn sie erst wieder ihr Röckchen anziehen darf, mit dem sie von vielem ablenken soll: Beispielsweise von der immer weiter steigenden Zahl der Jobs, die weder zum Sterben noch zum Leben reichen.

Schließlich muss jede Branche wettbewerbsfähig sein und das klappt eben nur mit Leuten, die sich reinhängen wie nie, obwohl dabei finanziell so wenig herauskommt wie ebenfalls selten zuvor. Schuld daran ist Frau Globalisierung, die sich überall breit macht und schon mehr statistischen Schaden anrichtet als Herr Witterungsbedingt und ein Herr Professor Sinn (sich) erklären kann.

Nürnberger Trichter wieder gefunden

Auch nicht lange warten muss man in noch so kurzen Wochen auf kurze Sätze von Politikern, die damit lange bestehende Probleme lösen wollen und immer noch an ein Märchen glauben, das eigentlich schon seit Jahrhunderten ausgeträumt ist.

In diesem Märchen geht es um den “Nürnberger Trichter”, über den Michael Stifels 1545 in seinem Buch “Deutsche Arithmetica” geschrieben hat: “Unangesehen, dass ein ungelehrter Mensch nicht danach fragt, dass er ungelehrt ist – und wohl sagen darf – er sollte das Maul nicht auftun, so ihm einer die Kunst könnte mit einem Trichter eingießen.“

Doch diesen Trichter gab es schon bald nicht mehr, stellte Zinkgref Weidner aus trauriger Nürnberger Sicht 1653 fest: „Der Trichter Almansoris, mit welchem man den Leuten eingegossen, ist lange verloren.“
Doch die CDU, allen voran Roland Koch, will ihn nun wieder gefunden haben. Der Jugend müsse man nur eintrichtern, lautet dieses Märchen, dass sie härter denn je bestraft wird, wenn sie sich etwas Kriminelles zuschulden kommen lässt, und schon gehen alle friedlich und gesetzestreu ihres Weges.

Wenn das auch noch jemand sagt, der sich sogar nach eigenem Bekunden nicht immer an die Wahrheit hält, bekommt dieses Märchen noch märchenhaftere Züge.

Flügellahmer Airbus

Auch das soll hier nicht zu kurz kommen: Die Züge der Bahn sollen in diesem Jahr keine Stunde streikbedingt irgendwo sinnlos herumstehen. Bei den Verhandlungen mit der Gewerkschaft, die gefühlt vor einigen Jahren begonnen haben, gebe es keine unüberwindbaren Hindernisse, sagen die Arbeitgeber. Reden wir doch nicht lange drumrum: Hindernisse gibt es aber.

In einem Airbus könnte man sie überfliegen. Doch die bekommen nichts mehr hin, da helfen auch Milliardenaufträge nicht weiter. Das jüngste Projekt lässt ebenfalls die Flügel hängen und die Unternehmensleitung zählt die Probleme auf, die den Jungfernflug verzögern. Warum beschränken sie sich nicht auf eine Mitteilung, in der steht, was geklappt hat? Die wäre dieser kurzen Woche entsprechend kurz: „Den Auftrag haben wir ordentlich abgeheftet.“

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