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Politik

US-Wahlkampf: “Geschichte des amerikanischen Immigranten-Traumes”

Montag, den 7. Januar 2008 um 19:09 Uhr von Felix Kubach
Auch in New Hampshire Favorit: Barack Obama.
Photo: basile12

Der wichtige Auftakt der US-Präsidentschaftvorwahlen in der letzten Woche in Iowa war für Hillary Clinton ein Schock. Ein Mitbewerber aus dem eigenen Lager stahl ihr die Show. Dessen Auftritte glichen riesigen Partys, seine Reden waren lässiger und mit 38 Prozent heimste er schließlich die meisten Stimmen ein. Nun sieht es so aus, als käme es für sie noch dicker, denn nach aktuellen Umfragen für die am morgigen Dienstag stattfindenden Vorwahlen in New Hampshire liegt Obama wieder weit vor Clinton. Sie, die sich lange Zeit bereits auf dem höchsten Posten im Land gewähnt hatte - vielleicht zu lange, wie Prof. Dr. Brigitte Georgi-Findlay von der TU Dresden im Interview erklärt - muss nun um ihre Kandidatur zittern.

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RE: Sollte Obama auch die am Dienstag in New Hampshire stattfindenden Vorwahlen gewinnen, wäre dies eine Vorentscheidung zugunsten seiner Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten? Wenn ja, wie schätzen Sie dessen Qualitäten ein, den versprochenen “Wandel” in Amerika tatsächlich herbeizuführen?

Georgi-Findlay: Das ist schwer zu sagen. Sein Abschneiden in Iowa hat sicher viele überrascht und hat ihn damit aber auch als ernsthaften Kandidaten etabliert. Seine Strategie war von vorne herein, dass er sich nicht als Afro-Amerikaner, sondern als Amerikaner darstellt und seine Geschichte als die des amerikanischen Immigranten-Traumes beschreibt. Durch den Bezug auf einigende Elemente setzt er sich über die Polarisierungen der letzten Jahre hinweg- für die übrigens nicht nur die Bush-Adminsitration steht, sondern auch die Clinton-Administration (und damit auch Hillary Clinton). Das könnte seine Stärke sein. Wenn er sich keine Fehler leistet, kann man ihm zutrauen, die Nominierung der Demokraten zu bekommen. Ob er allerdings als Präsident einen Wandel herbeiführen kann, kann zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden. Zwischen Kandidatenrhetorik und präsidialer Realität stehen bekanntermassen Welten.

RE: Hillary Clinton lag lange Zeit in den Umfragen vorn und galt als uneinholbar. Weshalb hat sie in den letzten Wochen so sehr an Boden verloren?

Georgi-Findlay: Sie galt zu lange als “inevitable winner” (dt.: unvermeidliche Gewinnerin, d. Red.); womöglich ist ihre Strategie, sich als erfahrende Politikerin darzustellen, nach hinten losgegangen. Sie wird zu sehr als Teil des establishment gesehen und damit nicht geeignet, einen Wandel einzuführen. All das kann sich aber in den nächsten Wochen wieder ändern.

RE: Zwar hat Mike Huckabee die Vorwahlen in Iowa auf Seiten der Republikaner für sich entscheiden können, dennoch werden ihm allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Überhaupt ragt keiner der Bewerber im Lager der Republikaner übermäßig heraus. Wem dort trauen Sie noch am ehesten zu, als ebenbürtiger Kandidat gegen Clinton oder Obama um den Präsidentschaftsposten ins Rennen zu gehen?

Georgi-Findlay: Bei den Republikanern ist in Iowa - wahrscheinlich auch nicht in New Hampshire - noch nichts entschieden. Auch Huckabee ist ein Überraschungskandidat; ich weiss aber nicht, ob er die nächsten caucuses in ähnlich positiver Weise erfahren wird. McCain sollte noch nicht aufgegeben werden; der kann noch “zurückkommen.” Ich tippe auf McCain oder Mitt Romney, würde aber Huckabee noch nicht abschreiben.

RE: Welche Themen dominieren derzeit den Wahlkampf?

Georgi-Findlay: Eindeutig “change”; mehr innenpolitische Themen als der Irak-Krieg (Problematik der Mittelklasse, Immigration, Werte)

RE: Die Mehrheit der Amerikaner will vor allem einen klaren Bruch mit der Bush-Politik und einen Wandel hin zu einem wieder besseren Außenbild in der Welt, so scheint es. Welche Maßnahmen wären nötig, um genau dies wieder herzustellen?

Georgi-Findlay: Es liegt vor allem am Ton (nicht unbedingt immer an der Politik selbst). Massnahmen - wie z.B. sensiblere Kommunikation mit den Verbündeten - sind bereits eingeleitet worden. Auch die personellen Veränderungen (z.B. im Verteidigungsministerium) haben bereits zur Veränderung der Qualität der Kommunikation geführt. Ob eine neue Regierung mit ihrer Aussenpolitik wirklich ein besseres Aussenbild darbieten kann, wage ich zu bezweifeln (die Zwänge auch auf eine neue Regierung sind enorm; innenpolitische Einflüsse auf die Aussenpolitik müssen beachtet werden). Solange die USA die einzige Superpower bleibt, wird sich ihr Bild nicht verbessern (they’re damned if they do, they’re damned if they don’t). Das Bild, das sich andere Länder von den USA machen, hängt nicht alleine von den USA und ihren Aktivitäten ab, sondern auch von den Befindlichkeiten in den einzelnen Ländern.

Interview: Felix Kubach

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Georgi-Findlay.
(c) TU Dresden

Prof. Dr. Brigitte Georgi-Findlay

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Photo Obama/ Lizenz: basile12, cc creative commons, via flickr

Umfrage 1:

Glauben Sie, dass es Hillary Clinton gelingt, Barack Obama bei den Demokraten noch abfzufangen?
zum Ergebnis

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Umfrage 2:

Wen sehen Sie bei den Republikanern als den aussichtsreichsten Kandidaten?
zum Ergebnis

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Daß Hillary richtig sauer werden kann, bewies sie am Samstag in der letzten großen Fernsehdebatte vor New Hampshire und reagierte damit auf einen Vortrag John Edwards, der sich geschickt als einen Verbündeten Obamas inszenierte und medienwirksam verkündete, dass jedes Mal, wenn er oder Obama sich lautstark für Wandel einsetzten, die Kräfte des Status quo (hier mit einem vielsagenden Blick auf Hillary Clinton) zurückschlagen würden.” Daraufhin platzte die gesamte aufgestaute Wut aus Hillary heraus: “Einen Wandel herbeizuführen hat nichts damit zu tun, was man glaubt oder was für eine Rede man hält, sondern es handelt sich um harte Arbeit. (…) Ich will für Wandel sorgen, aber ich habe den ja auch schon bewirkt. Seit 35 Jahren bewirke ich Wandel.”


… und am Montagabend dann zeigte sie eine ganz andere, weiche Seite. Sichtlich erschöpft und den Tränen nahe, haucht sie mit brüchiger Stimme ins Mikrofon: “Das ist sehr persönlich für mich. Es ist nicht nur politisch, nicht nur öffentlich. […] Manche Leute meinen, ein Wahlkampf ist nur ein Spiel […] Es ist nicht leicht, es ist nicht leicht, ich könnte es nicht schaffen, wenn ich nicht leidenschaftlich überzeugt wäre, das Richtige zu tun”:


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2 Reaktionen zu “US-Wahlkampf: “Geschichte des amerikanischen Immigranten-Traumes””

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  1. PatJe.de » Interview zur US Präsidentschaftswahl

    am 7. Januar 2008 um 23:20 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Als kleinen Abendlink und Gute-Nacht Lektüre sei noch ein Interview bei Readers Edition empfohlen. In dem Interview mit Prof. Dr. Brigitte Georgi-Findlay von der TU Dresden ging es um die Chancen von Barack Obama, die Aussichten der republikanischen Bewerber und was sich mit der Wahl ändern könne. Interessant aber auch der Absatz zum Grund, wieso Hillary Clinton nun vielleicht doch unterliegen könne: Sie galt zu lange als “inevitable winner” (dt.: unvermeidliche Gewinnerin, d. Red.); womöglich ist ihre Strategie, sich als erfahrende Politikerin darzustellen, nach hinten losgegangen. Sie wird zu sehr als Teil des establishment gesehen und damit nicht geeignet, einen Wandel einzuführen. All das kann sich aber in den nächsten Wochen wieder ändern. […]

  2. Readers Edition » Hillary is back - Sieg in New Hampshire

    am 10. Januar 2008 um 03:03 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Hillary Clinton: 39 Prozent der Stimmen, Barack Obama: 36 Prozent - so das Endergebnis von New Hampshire im US-Vorwahlkrimi. Eigentlich hatten sie viele schon gar nicht mehr auf der Rechnung. Denn nach den letzten Umfragen vor der Wahl hatte Hillary Clinton noch weit abgeschlagen hinter Barack Obama gelegen. Auch in unserer Umfrage trauten ihr nur 18 Prozent zu, Obama noch abzufangen. Doch dann kam alles anders. Clinton came back. […]

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