In der Provinz gibt es nur tote Hose, an der Nordsee bewegt sich nur etwas bei Sturm, nämlich die Meereswellen und die Bäume? Von wegen! Manchmal spielen sich auch ergreifende Szenen ab, ist der Oberbürgermeister bei einer öffentlichen Veranstaltung aus dem Häuschen, weil sich nach all der Kritik vergangener Jahre, Monate und Tage am Horizont ein Silberstreif zeigt, der sich Freundeskreis nennt. Doch das Erwachen kann schrecklich sein.
So geschehen dieser Tage in Wilhelmshaven, wo immer wieder die Blütenträume reifen, seit langer Zeit ein Containerhafen geplant wird, andere Projekte angeblich so planungssicher sind, dass man sie nur noch verwirklichen muss, in diesem Wilhelmshaven also haben kurz vor Weihnachten zwei Einwohner zusammen gesessen und alle Bescherungen Revue passieren lassen, die sich Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) für die nächste Zeit ausgedacht hat, wie beispielsweise Kohlekraftwerke bis zu vier an der Zahl.
Dazu fiel den Beiden nicht mehr viel ein, dachten sie, bis sich der Wilhelmshavener Hans-Günter Osterkamp an eine Idee erinnerte, die er vor geraumer Zeit hatte: die Gründung eines Freundeskreises für Menzel. Denn Freunde macht sich dieser Oberbürgermeister nur selten, so hat er beim Neujahrsempfang der Ärztekammer für einen Affront gesorgt, als er sich weigerte, eine Stellungnahme von über 100 Ärzten zu den geplanten Kohlekraftwerken in Wilhelmshaven in Empfang zu nehmen.
Seiten sind schnell fertig
Seiten waren von mir schnell ins Netz gestellt, das Motto “Wir dulden Kritik am Oberbürgermeister nicht mehr” las sich griffig, auch eine Satzung und das Protokoll einer Gründungsversammlung mit fast 50 Anwesenden, von denen zwei ausgeschlossen wurden, weil sie sich kritisch über den Oberbürgermeister geäußert hatten, flog von der Tastatur in die internette Welt, dazu eine Briefmarke zur Werbung für den Förderkreis und sogar eine Kandidatur bei der niedersächsischen Landtagswahl.
All dies war so offensichtlich frei erfunden, dass sich so mancher beim Lesen dieser Seiten vor Lachen gebogen haben muss. Nur der Oberbürgermeister von Wilhelmshaven nicht.
OB knöpft sich Kritiker vor
Der knöpfte sich vorige Woche bei einer öffentlichen Veranstaltung wieder einmal seine Kritiker vor und knipste dafür seinen Kopf hochrot an. Das geht nun immer so weiter, befürchtete so mancher der Anwesenden, doch es ging nicht immer so weiter, denn der Oberbürgermeister hatte plötzlich Erfreuliches zu berichten. In der Stadt gebe es jetzt einen Freundeskreis, verkündete er, dieser Freundeskreis unterstütze ihn und habe bereits fast 50 Mitglieder, die nächste Versammlung am 1. Februar 2008 werde er besuchen.
Als der Oberbürgermeister den Saal wieder verlassen hatte, begann das große Rätselraten. Keiner der Anwesenden hatte bis dahin von diesem Freundeskreis gehört. Mit einer Ausnahme: Hans-Günter Osterkamp war anwesend und klärte die Versammlung auf. Das anschließende Gelächter hörte man bis zum Rathaus…
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