Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken (IV)

“Ich frage mich immer wieder”, sagt Frank Müller am Telefon, “was wir falsch gemacht haben. Vielleicht haben wir Jessica zu sehr verwöhnt?” Zwei Telefongespräche führen wir an diesem Sonntag, sie dauern insgesamt über drei Stunden. Jessica ist das einzige Kind der Familie Müller. “Sie ist nach mehreren Fehlgeburten meiner Frau

nachd3.jpg“Ich frage mich immer wieder”, sagt Frank Müller am Telefon, “was wir falsch gemacht haben. Vielleicht haben wir Jessica zu sehr verwöhnt?” Zwei Telefongespräche führen wir an diesem Sonntag, sie dauern insgesamt über drei Stunden. Jessica ist das einzige Kind der Familie Müller. “Sie ist nach mehreren Fehlgeburten meiner Frau wie ein Geschenk gewesen”, sagt der Vater.
22. Juli 2004: Sabine und Frank Müller haben einen Termin bei dem Gutachter, der auch für die Begutachtung von Jessica zuständig ist. Der Vater der Sechsjährigen erzählt Dr. Z. über seine Kindheit und von seinem Vater, über den er bei unserem Telefongespräch am 13. Januar 2007 mit großer Begeisterung spricht.

Doch der Gutachter liest am 22. Juli 2004 aus den Erzählungen von Frank Müller andere Geschichten heraus und bringt sie in seinem Gutachten zu Papier. Der Vater von Jessica habe angedeutet, dass er als Kind von seinem Vater missbraucht worden sei, außerdem habe er eine Freundin, die Britta heiße, teilt er schriftlich dem Gericht mit. “Alles nicht wahr”, sagt Frank Müller.

Wo stoßen Züge zusammen?

Auch einen Intelligenztest müssen die Eltern von Jessica machen, und der Lkw-Fahrer zerbricht sich den Kopf bei der Aufgabe, wann zwei Züge zusammenstoßen, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten von zwei entgegen gesetzten Punkten aus gestartet sind.

Solche Tests sind zwar höchst umstritten und ob der Gutachter auf die Frage “Manche Monate haben 31 Tage, manche Monate haben 30 Tage, wie viele Monate haben 28 Tage?” schon beim ersten Mal richtig antworten würde, sei dahingestellt, aber die Ergebnisse haben für den Gutachter großes Gewicht. Die Mutter von Jessica, schreibt er, könne wegen eines niedrigen Intelligenzquotienten nur schwer therapiert werden. Außerdem neige sie zu Lügen.

Wenn das so wäre, warum misst dieser Gutachter am 11. Juli 2005 in einem Schreiben an den zuständigen Familienrichter den Worten von Renate Müller noch großes Gewicht bei? Weiß er immer genau, wann jemand lügt und wann nicht? Und wie steht es eigentlich um die Glaubwürdigkeit dieses Gutachters?

Gutachter kennt Heim angeblich nicht

Ich habe von ihm am 13. Januar 2008 ein Fax bekommen. In diesem Schreiben beantwortet der Gutachter von Jessica, Renate und Frank Müller auch Fragen, die ich gar nicht gestellt habe. So schreibt er: “Derzeit wird aus diesen Gründen (angeblich hat Frank Müller den Gutachter bedroht, der Verf.) eine Anklage bei der Staatsanwaltschaft gegen Herrn Müller geprüft.” Mit einer solchen Anzeige hat dieser Gutachter dem Vater von Jessica auch schon mit Brief vom 3. Juni 2006 gedroht.

Gefragt habe ich den vereidigten gerichtspsychologischen Sachverständigen, der an allen Gerichten des Landes Nordrhein-Westfalen zugelassen ist, nach dem Heim, in dem Jessica seit vier Jahren lebt. Seine Antwort am 13. Januar 2008: “Das angesprochene Heim kenne ich nicht.”

Dazu liegen mir zwei Schreiben dieses Gutachters vor. Der erste Brief trägt den Eingangsstempel 29. März 2005 des Amtsgerichtes Mönchengladbach-Rheydt. Der Gutachter teilt mit: “Für das Kind Jessica Müller wurde ein Termin zur klinisch-psychologischen Untersuchung bereits festgelegt. Ich werde nach meinem Urlaub vom 1. April bis 27. April 2005 die Untersuchungen mit einem Hausbesuch bei den Kindeseltern und einem weiteren Hausbesuch im Kinderheim S. D. abschließen.”

Schreiben an das Amtsgericht

Weiterer Hausbesuch? Der Gutachter ist also mindestens schon einmal in diesem Kinderheim gewesen, das er laut Fax vom 13. Januar 2008 gar nicht kennt?

Das zweite Schreiben, es stammt vom 11. Juli 2005, an das Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt endet mit der Ankündigung: “Mit meinem Hausbesuch im Kinderheim… am 21. Juli 2005 werden die Untersuchungen abgeschlossen.”

Fortsetzung folgt…

Mehr zum Thema:

- Böse Kinder kommen in böse Kliniken (I)
- Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken (II)
- Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken (III)

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Pingback: Readers Edition » Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken (VII)