Bildungslücke Klassenfahrt

Im Web 2.0 hat der überwiegende Teil aller Schulen mindestens eine Internetpräsenz. Klickt man sich jedoch einmal durch die teilweise sehr aufwendig gestalteten Menüs, so findet man immer seltener Erlebnisberichte von Klassenfahrten. Es macht wohl auch nicht nur nach außen den Eindruck; Klassenfahrten oder Exkursionen, Tagesausflüge, Unterricht in freier Natur

shuohe.jpgIm Web 2.0 hat der überwiegende Teil aller Schulen mindestens eine Internetpräsenz. Klickt man sich jedoch einmal durch die teilweise sehr aufwendig gestalteten Menüs, so findet man immer seltener Erlebnisberichte von Klassenfahrten. Es macht wohl auch nicht nur nach außen den Eindruck; Klassenfahrten oder Exkursionen, Tagesausflüge, Unterricht in freier Natur werden Opfer von Einsparungen und Kostenumlagerung. Nicht nur, dass ein ganzer Wirtschaftszweig unter den Einsparungen von Bund, Land und Kommunen zu leiden hat, sondern es geht auch ein wichtiger Teil der Sozialbildung verloren. Das sollten genug Warnsignale sein, um einen völligen Verlust dieser wertvollen Kindheitserfahrung zu verhindern.

In der kürzeren vergangenen Zeit mussten viele kleine Trägervereine mit maximal vier oder fünf Einrichtungen, teilweise verteilt auf das ganze Bundesgebiet, aus wirtschaftlichen Gründen ihre Pforten schließen. Andere gemeinnützige Vereine müssen mit allen Mitteln um ihr überleben kämpfen, so weit dass auch mit Kommerz ähnlichen Verkaufsmethoden um jede Übernachtung und um jede eingenommene Mahlzeit gestritten wird. Die “backpacker-hostels” sind zu einer eigenen Konkurrenz zu der mittlerweile mächtigen “Deutschen Jugendherberge” herangewachsen. Konkurrenz belebt das Geschäft, und den JH’s der “neuen Generation” muss auch erst einmal das Wasser gereicht werden.

Aber das ist die Oberfläche.

Weit darunter schnappen die kleinen Vereine, gemeinnützige Verbände oder kirchliche Jugendorganisationen nach dringend benötigten Puffern. Ganz Deutschland redet von Pisa, vergisst aber vor der eigenen Tür zu kehren. Das Traurige daran ist nur die Tatsache, dass genau die, die aus einer Not einen wichtigen Bestandteil der jugendlichen Bildung geschaffen haben, aus nun vermeintlich wirtschaftlichen Gründen eine enorme Bildungslücke riskieren.
Schullandheime werden in “Jugendbildungs,- und Begegnungstätten” umgetauft, um auch noch irgendwie eine Förderung vom Land oder Bund zu erhaschen. Begegnung- ja! Bildung? Natürlich!

Bettenmachen, Geschirr trocknen, Schlichtheit, Unsinn machen, Nachtruhe, Liebeskummer, Gemeinschaft – Freundschaft. Alles Erlebnisse und Erfahrungen, an die sich jeder Erwachsene gerne zurück erinnert und zu Hause nie erfahren hätte. Einrichtungen gibt es genug. Scheinbar aber zu viele – oder warum müssen immer mehr Jugendwaldheime, Zeltplätze oder “Schullandheime” schließen?
Abgeplatzte Farbe, Nadelfilzteppiche, Fettflecken an den Wänden, knarzige Etagenbetten und Essen im Gemeinschaftssaal – das ist nicht nur das Flair der Jugendherbergen der siebziger Jahre, das ist bitterschöne Wahrheit in heutiger Zeit. Die meisten kleinen Träger dieser Einrichtungen sind Vereine, die nur um ihre Existenz kämpfen. Sie sind angewiesen auf öffentliche Förderungen und die Übernachtungszahlen. Oft unterhalten die Vereine alte Gebäude, teilweise unter Denkmalschutz, oder betreiben Jugendcamps und Zeltplätze im wirtschaftlichen Minus. Alles Faktoren, die durch eine einfache Bewirtschaftung nicht zu bewältigen sind.

Der Vereinsstatus verbietet jedoch profitgezieltes wirtschaften und den Schulen werden die Mittel gekürzt – so schließt sich der Teufelskreis.

Es gehen wieder “nur” Arbeitsplätze verloren, aber viele kleine Gemeinsamkeiten der Schulzeit bleiben auch nur in unserer Erinnerung. Es ist eine wichtige soziale Erfahrung mindestens einmal in seinem Leben in einer Gemeinschaft eine bewusst begrenzte Zeit verbracht zu haben.

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