Jammern ist doof!

Volly Tanner sprach mit K.C. McKanzie, die permanent auf Tour, Anfang Februar auch Leipzig schrammt… Volly Tanner: Hallo, K.C. – erstmal ein wunderbares neues Jahr Dir. Für die wenigen Menschen, die Deine Arbeit nicht kennen. Wie würdest Du Dich denn – und vor allem Deine Musik – charakterisieren? K.C.: Als

kc21.JPGVolly Tanner sprach mit K.C. McKanzie, die permanent auf Tour, Anfang Februar auch Leipzig schrammt…

Volly Tanner: Hallo, K.C. – erstmal ein wunderbares neues Jahr Dir. Für die wenigen Menschen, die Deine Arbeit nicht kennen. Wie würdest Du Dich denn – und vor allem Deine Musik – charakterisieren?
K.C.: Als Oberbegriff würde ich immer “Folk” nennen.

Alles was klingt wie ein Nagel, der in sprödes Holz geschlagen wird fällt für mich da rein! “Singer/Songwriter” ist auch noch mit drin, da ich da die Songs selbst schreibe. “Americana” ist auch noch so ein Begriff, wir klingen ja ein bisschen wie Prärie in der Nachmittagssonne. Am schönsten finde ich den Begriff ” Neo Traditional” weil er das für mich darstellt was ich auszudrücken versuche: Neue Schuhe aus altem Leder! Wir erfinden das musikalische Rad nicht neu, aber wir laufen auch nicht auf ausgetretenen Pfaden!

Volly Tanner: Mit Deinem Bühnenpartner hast Du ja eine wunderbare Ergänzung gefunden. Wer ist das denn, wie hast Du ihn kennen gelernt und welche Rolle spielt er in Deiner Arbeit?
K.C.: Mein Duopartner heißt Joe “Budi” Budinsky! Er spielt Kontrabass und Banjo und trägt Fliege. Kennen gelernt habe ich ihn als ich 17 war. Wir haben gemeinsam seine Plattensammlung durchgehört und dann war klar, dass wir zusammen Musik machen müssen. Eigentlich ist er Schlagzeuger, darf er bei mir aber nur in Ausnahmefällen. Budi ist extrem wichtig bei “K.C. McKanzie”. Alle Entscheidungen werden von uns beiden gefällt. Er bringt eine langjährige musikalische Erfahrung mit und hat ein totsicheres Gespür für Songs. Wenn ich mal nicht weiter weiß beim Schreiben kann ich mich auf ihn verlassen. Er würde auch nie versuchen aus uns irgend so einen überproduzierten Kram zu machen. Und das Allerwichtigste: wir haben immer großen Spaß zusammen. Auf der Bühne, im Studio und beim Pizzaessen im Tourauto!

Volly Tanner: Tourauto bedingt ja Tour – und da biste ja oft drauf (hihihi – kommt von auf Tour sein). Wie viele Gigs – und wo – kommen denn bei Euch so zusammen, im Jahr?
K.C.: Wir versuchen so viel wie möglich zu spielen. Natürlich da, wo man uns möchte. Im Jahre kommen wir so auf 60 – 70 Gigs. Ich hoffe es werden bald mehr.

Volly Tanner: Und wo tourt ihr? Mehr Osten oder Westen oder mittlerweile beides – und Österreich, die Schweiz oder Frankreich?
K.C.: Natürlich sind wir meistens in Deutschland unterwegs. Ost wie West wie Nord wie Süd. Letztes Jahr waren wir zweimal in Holland unterwegs. Zweimal in der Schweiz. Tschechien war auch dabei. Ich profitiere sehr von diesen Touren, weil die Leute doch unterschiedlich auf unsere Musik reagieren und wir immer wieder Menschen treffen, von denen wir dazulernen.

Volly Tanner: Im Februar bist du ja in Leipzig bei den kultigen Küchenkonzerten des Liedertourorgamäns Frank Oberhof. Wie bist Du denn zu denen gekommen?
K.C.: Ich habe Frank durch Alex von “The Road Brothers” kennen gelernt. Im letzten Jahr haben wir ein bisschen bei der Liedertour mitgespielt und auch bei der Songoffensive in der Moritzbastei. Ich glaube Frank mag uns und wir lieben Ihn!

“Ich habe mich entschlossen kompromisslos Musik zu machen”

Volly Tanner: Von 50 – 60 Konzerten im Jahr kannst Du ja höchstwahrscheinlich nicht leben. Was machst Du noch so – neben Deiner Musik?
K.C.: Oh doch! Ich lebe von meiner Musik. Es wird auch immer besser. Natürlich habe ich nicht ein geregeltes Einkommen und fahr am Samstag in die Datsche zum Blumengießen, aber ich habe mich entschlossen kompromisslos Musik zu machen. Das bedeutet ich investiere viel zurück in die Musik und bekomme dafür teilweise weniger. Den Luxus, den ich mir leiste ist, mich voll und ganz auf die Musik und alles was damit verbunden ist (Werbung, Booking, etc.) konzentrieren zu können. Ich glaube, wenn ich noch einen Job nebenher hätte dann würde meine Musik darunter leiden.

Volly Tanner: Wow, da bist Du ja ein seltenes Exemplar. Aber verdient hastes auf jeden Fall. Wenn Du Dir unser Land zur Zeit ansiehst, was würdest Du da ganz schnell ändern, wenn Du die Möglichkeit hättest?
K.C.: Diese Frage möchte ich nicht beantworten.

Volly Tanner: Schade. Aber ok. Dann andersherum – wie stellst Du Dir eine lebenswerte Welt vor? Thoreau sagt: Eine Landkarte, auf der Utopia nicht verzeichnet ist, ist keinen Blick wert!
K.C.: Ich finde diese Welt sehr lebenswert!

Ich bin kein Weltverbesserer, eher anpassungsfähig ( K.C. und die Küchenschaben überleben den Atomkrieg). Klar könnte man alle Ungerechtigkeiten auslöschen, aber mal ehrlich: irgendeiner fühlt sich doch immer auf den Schlips getreten. Ich bin mir einfach der Tatsache bewusst, dass es mir als Musikerin in Deutschland unter der gesetzlich festgelegten Armutsgrenze immer noch weit besser geht als 3/4 der restlichen Weltbevölkerung. Und Jammern ist doof!

“Das Album springt einfach mit ins Auto”

Volly Tanner: Du arbeitest gerade an deiner neuen CD. Wann kommt die denn? Und wo kommt sie raus?
K.C.: Ich hoffe, die CD kommt noch in diesem Frühjahr. So genau kann ich das jetzt noch nicht sagen. Auf jeden Fall ist sie etwas progressiver als die bisherigen K.C. McKanzie Alben. Ich habe mich in meinem Songwriting gerade etwas von den luftigen Up-Tempo-Stücken wegentwickelt.

Volly Tanner: Gibt’s dann wieder eine richtige Tour?
K.C.: Wir sind ja sowieso ständig unterwegs, also springt das Album einfach mit ins Auto, aber wir werden natürlich gezielt in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Tschechien und sonstwo touren. Das kommende Jahr gehört ab März/April dem neuen Album und dann schaun wir mal…

Volly Tanner: Möchtest Du dem Volke noch etwas mitgeben? – Eine Weisheit? – Etwas richtig schön Haltbares?
K.C.: Da muss ich bescheiden “nö” sagen!

Volly Tanner: Dann sage ich mal Danke und wir sehen uns zu den Küchenkonzerten.

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