Künstler unterstützen, nicht bevormunden

Volly Tanner traf sich mit Jan Klepel, nicht nur Chef der Black Metal Herde Grabak, sondern auch Chef der Agentur BizArt und sprach mit ihm übers schwere Schwimmen im Kulturozean… Volly Tanner: Was ist die Ausrichtung von Bizart? Jan Klepel: BizArt ist eine Unternehmensberatung für Künstler und Firmen, die Kunstfelder

klepel.JPGVolly Tanner traf sich mit Jan Klepel, nicht nur Chef der Black Metal Herde Grabak, sondern auch Chef der Agentur BizArt und sprach mit ihm übers schwere Schwimmen im Kulturozean…

Volly Tanner: Was ist die Ausrichtung von Bizart?
Jan Klepel: BizArt ist eine Unternehmensberatung für Künstler und Firmen, die Kunstfelder berühren. Der Fokus liegt dabei auf dem Management und der Unterstützung bei Fragen aus dem Bereich Musikrecht. Künstler – oder Musikmanagement ist ein Begriff, der auf den ersten Blick verwirrend wirken muss. Oft genug ist nämlich die Kluft zwischen der Künstlerseele und dem Geschäftsmann groß genug, um eine gehörige Dissonanz zwischen den beiden Lagern hervorzurufen. Kultur, egal ob bildende oder vertonte Kunst und Management als marktkonforme “Kunstfertigkeit” scheinen doch
zu verschieden. Trotzdem macht genau diese Diskrepanz den Reiz und
Beweggrund für die Gründung von BizArt Leipzig aus. Dabei handelt es sich um ein Einzelunternehmen im Stile klassischer Unternehmensberatung jedoch mit dem Fokus auf dem Künstler.
Inhaltlich steht das Unternehmenskonzept auf drei Säulen.

“Oft genug haben Künstler weniger ein Problem mit ihrem Handwerk, sondern eher mit der geschäftlichen Umsetzung und der strukturellen Arbeit.”

1. Personalmanagement für Künstler – dies beinhaltet Coaching- und
Beratungselemente aus Musik- und Kunstwirtschaft, Hilfe bei Konzeption und Profilierung, rechtliche Inhalte und schließlich verschiedene Skills aus dem Bereich sozialer und kommunikativer Kompetenzen.
2. Businessmanagement – hierbei handelt es sich um die aktive
Partizipation am Kunst- und Musikmarkt für ausgewählte Künstler in Form von Managementtätigkeiten, wie Promotion, Marketing sowie
Elemente vertrieblicher Natur.
3. Bildungsträger und Vertreter im Bereich Musikwirtschaft – diese
weitere Facette der Firma berührt hauptsächlich den praktischen Umgang mit staatlichen Institutionen wie Künstlersozialkasse, GEMA und anderen Verwertungsgesellschaften. Dazu bieten wir turnusmäßig Seminare für Künstler bzw. unterstützen sie in der Praxis. Einen vergleichbaren Service gibt es auch für Firmen und Unternehmen, die bisher keinen oder nur wenig Kontakt zur KSK und GEMA hatten und nach der Gesetzesverschärfung 2007 dringend Bedarf haben. Der Nutzen für die Künstler liegt auf der Hand, da nur wenige sich
dauerhaft einen Businessmanager leisten können, sind die angebotenen Beratungsinhalte essentiell für erste Schritte auf dem Markt. Oft genug haben Künstler weniger ein Problem mit ihrem Handwerk, sondern eher mit der geschäftlichen Umsetzung und der strukturellen Arbeit.

Künstler, die auf den Full-Service zurückgreifen, können sich
vollständig um ihre Kunst kümmern, ohne letztlich Energie und Zeit in
geschäftliche Belange investieren zu müssen. Natürlich sind auch diese
gerne eingeladen, in der einen oder anderen Frage gecoacht zu werden. Das Konzept, Künstler zu coachen und zu managen, ist nicht neu, jedoch ist der Ansatz von BizArt ein wenig anders. Es geht nicht darum den bereits fertigen Künstler zu formen und “marktgerecht” zu gestalten, sondern vielmehr darum, sein eigenes Potential auszunutzen und zu fördern, wenn künstlerische Entwicklung noch am Anfang steht. Im Gegensatz zu anderen Unternehmensberatungen, ist der Impuls nicht erst die Krise. Form und Inhalt des Unternehmens orientieren sich jedoch an klassischer Unternehmensberatung mit entsprechendem Profiling und anschließender Strategieentwicklung. Mein Anspruch ist es jedoch ein spezielles Coachinginstrument anzubieten, dass für die Belange und Bedürfnisse von Musikern und bildenden Künstlern konzipiert ist. Sehr oft kommt es nämlich zu einer offensichtlichen Diskrepanz zwischen dem Anspruch, Künstler – und nur Künstler- zu sein und der Notwendigkeit, diese Kunst marktgerecht zu platzieren. BIZ-ART soll genau diese Lücke zwischen künstlerischer undgeschäftstüchtiger Kreativität zu schließen.”
Unser Service, Unternehmen gegenüber der KSK zu vertreten und sie auf die entsprechenden Verfahren vorzubereiten, spart ihnen Zeit und im bewahrt im Zweifelsfall horrende Bußgelder für Verfahrensfehler zahlen zu müssen.

Volly Tanner: Was war der ausschlaggebende Punkt BizArt zu gründen?
Jan Klepel: Zum einen, weil man gerade im Hinblick auf die kommerzielle Seite von Kunst ziemlich viele Fehler machen kann, die einfach Zeit und Geld kosten. Kein Newcomer kann sich einen Manager leisten, sondern sehr oft steht die Eigeninitiative im Vordergrund. Da gibt es einfach ein paar grundlegende Regeln und Tipps, die weiterhelfen, das eigene Kunstprojekt ein wenig strukturierter nach vorn zu bringen. Zum anderen, schwebte mir vor geraumer Zeit ein ganzheitliches Musikprojekt vor, welches möglichst viele der relevanten Bereiche, z.B. Studio, Graphikabteilung, Bookingagentur und Bandbetreuung unter einem Dach vereinigen würde. Die entsprechend notwendigen Kontakte innerhalb der Branche sind über die Jahre gewachsen und damit ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt ein großes
Netzwerk entstanden. Ich bin seit ca. 12 Jahren im Musikgeschäft tätig.

“Was damals als Hobbymusiker in einer Band begann, hat sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr dahin entwickelt, die organisatorischen und öffentlichen Belange in die eigene Hand zu nehmen.”

Im Einzelnen beinhaltete das schon jene Tätigkeiten, welche die nun geplanten Projektbereiche Marketing, Promotion und Vertrieb abdecken. Die erfolgreichen Resultate spiegeln sich zum Beispiel in den
verschiedensten Konzerten der Band wider, zu denen ich die
entsprechenden Angebote erstellt, unterbreitet und durchgesetzt habe. Des Weiteren hat die angesprochene Band bereits den zweiten
Plattenvertrag in der Tasche und veröffentlicht in diesem Jahr ihr
viertes Studioalbum. Auch anderen Leipziger Künstlern und Kreativköpfen konnte ich bereits beratend zu Seite stehen. Im Grunde habe ich also Hobby zum Beruf gemacht.

Volly Tanner: Und was haste davor gemacht?
Jan Klepel: Im E.P.I. Zentrum Leipzig, einem Projekt der “Seminarhaus für die Wirtschaft Leipzig GmbH” und der ARGE Leipzig, war ich zum einen als Teamkoordinator und zum anderen im Team “Karriereförderung” tätig. Das Projekt selber beinhaltete die Vorbereitung von Arbeitssuchenden, Absolventen und auch Arbeitenden auf den Arbeitsmarkt. Meine spezielle Aufgabe in diesem Team umfasste das Erstellen des Profils aus der jeweiligen Biographie und die anschließende Begleitung der Klienten während der Konzeptions- und Strategiephase mit Perspektive Arbeitsmarkt
und Selbstständigkeit. Der Großteil “meiner” Klienten rekrutierte sich
aus einem künstlerischen Background, was mich letztlich dazu brachte
mein Angebot in diese Richtung zu spezialisieren, da offenbar ein
starker Bedarf besteht.Zuvor habe ich meinen Studienabschluss in Allgemeiner Sprachwissenschaft, Anglistik und Religionswissenschaft gemacht.

Volly Tanner:
Wer ist Klientel?
Jan Klepel: Hier muss man wieder etwas differenzieren. Im Grunde jeder, der kann und will. Jedoch filtern sich durch die gewollte Spezialisierung bestimmte Klienten von vornherein aus. Sprechen wir von der Gruppe der Hobby- und semiprofessionellen Künstler, ist jeder willkommen, der einen, sagen wir mal kommerziellen Anspruch an die eigene Kunst erhebt und zu einem spezifischen Thema Informationen brauch. Unabhängig von der finanziellen Seite, geht es bei dieser Gruppe darum, ein tragfähiges Profil für den Künstler zu erstellen, ihm ein alternatives Marketing- und Promotioninstrument an die Hand zu geben und letztlich ein Künstlernetzwerk zur Verfügung zu stellen. Rechtliche und finanzrechtliche Fragen können “nur” sekundär beachtet werden. Für die zweite Gruppe, Künstler mit professionellen Ambitionen, wird der inhaltliche Aufwand wesentlich höher gewertet werden müssen, denn hier kommen zu Marketing und Promotion, Beratungsinhalte wie Musikrecht, steuerliche Hinweise sowie Unterstützung auf dem Weg zu freiberuflicher bzw. selbstständiger Tätigkeit hinzu. Das sind dann im Einzelnen Fragen,
u. a. nach der entsprechenden Rechtsform, Existenzgründung etc.

Natürlich sind dem Beratungsspektrum an dieser Stelle Grenzen gesetzt, die letztlich nur Anwälte, Notare und Steuerberater erschöpfend und fachlich untermauert Auskunft geben können und sollen. Eine entsprechende Delegation zu einem Spezialisten wird im Bedarfsfall angeregt bzw. erfolgt durch meinen Kollegen Müller im Bereich Musikrecht.

Gruppe 3 sind Personen, die eher mit materiellen (Musikalien, Instrumente etc.) oder immateriellen, jedoch sachlichen, Dingen
(Studiotätigkeit, Verlagswesen und entsprechenden Verlagsrechten)
operieren und operieren wollen. Quasi diametral zu den Künstlern sind verwertende Unternehmen eine Klientel, die unbedingt zum Kundenkreis gezählt werden muss. Seit sich die Gesetzeslage Mitte 2007 geändert hat, wird jedes Unternehmen über kurz oder lang Kontakt zur Künstlersozialkasse bekommen, um sich mit der Frage beschäftigen zu müssen, ob Künstlersozialabgabe zu leisten ist
oder nicht. Hier bieten wir die bereits erwähnte Unterstützung im
Verfahrensprozess und vertreten im Bedarfsfall gegenüber der KSK.

Volly Tanner: Gibt’s schon erste Sachen zu vermelden aus dem Agenturleben?
Jan Klepel: Da gibt es schon mehrere Erfolge zu Berichten. Zum einen konnten wir unseren Partnerstamm vergrößern. Das beinhaltet Kooperationen mit Musikschulen, Studios und anderen kunst- bzw. musikaffinen Unternehmen, die sich hauptsächlich für unsere Kunden auszahlen. Zum anderen haben wir die Betreuung von M. Neumann übernommen. Er ist Solokünstler in des Wortes engster Bedeutung. Bekannt ist er durch seine Mitwirkung bei Projekten mit Tino Standhaft, Ironic und verschiedenen anderen Musikprojekten. Ich gehe davon aus, dass wir von ihm in Zukunft noch einiges erwarten können.
Am 19.01. eröffnen wir unsere Bürogemeinschaft in der Innenstadt.

Volly Tanner: Wo ziehste genau hin – wer arbeitet mit – was geschieht zur release?
Jan Klepel: Das Büro befindet sich in der Chopinstraße 8.
Das BizArt Team besteht aus RA Kai Müller, der sich speziell um die
rechtlichen Belange kümmert und die Seminare zu Rechtsfragen für
Künstler hält. Mein Bruder Alexander Klepel ist im Bereich PR und
Kommunikation beratend tätig. Und letzten Endes meine Person,
Firmengründer und Geschäftsführer. Zur Eröffnung wird es einen ordentlichen Empfang geben. Das heißt, es gibt ausreichend Essen und Trinken. Als kulturelles Rahmenprogramm erleben wir die Eröffnung der Photo-Vernissage von Markus Schmidt und im
Anschluss ein Konzert der Rock’n'Roller Dr. Rost.

BizArt Leipzig
c/o Jan Klepel
Elli – Voigt – Straße 3
04159 Leipzig
Tel : +49 (0) 341 5297655
Fax : +49 (0) 341 5297656
Mobil: +49 (0) 177 4158830
info@biz-art-leipzig.com
www.biz-art-leipzig.com
www.myspace.com/bizart_leipzig

Volly Tanner: Danke, Jan, bis Samstag.

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