Dennis hat Zuflucht bei seinem Vater gefunden. Er lebt seit ein paar Tagen in Belgien, die Behörden wollen ihn nicht ausliefern. Ein belgischer Richter erhebt schwere Vorwürfe gegen das Kinderheim, aus dem Dennis geflohen ist und in dem Jessica Müller seit vier Jahren lebt. Auch die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt, erfährt man im Internet. Eine 14-Jährige setzt das Heim ebenso wie Dennis auf die Anklagebank.
Jessica Müller ist zehn Jahre alt, am 30. Januar 2008 geht es vor dem Amtsgericht in Mönchengladbach-Rheydt um das Sorgerecht. Zu dem Antrag der Eltern hat mit Schreiben vom 10. Januar 2008 das Jugendamt Stellung genommen: “Nach fachlicher Einschätzung der Unterzeichnerin ist der Beschluss des Amtsgerichtes Mönchengladbach-Rheydt vom 31.3.2006 aufrecht zu erhalten.” Dabei beruft sich das Amt auf ein drei Jahre altes Gutachten. Weiter heißt es in der Stellungnahme: “Es ist nicht davon auszugehen bzw. es sind keine Anhaltspunkte dafür bekannt, dass sich die Eltern persönlich so weit entwickelt und verändert haben, dass sie in der Lage sind, das Personensorgerecht für Jessica Müller auszuüben.”
Kritik an wem?
Den nächsten Satz kann man nur als scharfe Kritik an dem Heim werten, in dem Jessica seit vier Jahren lebt: “Aufgrund der psychischen Erkrankung des Kindes besteht ein hoher Betreuungsbedarf, der im normalen familiären Rahmen nicht zu leisten ist.”
Auch die Grundschulzeugnisse, die Jessica im vorigen Jahr bekommen hat, sprechen dafür, dass die Probleme im Heim liegen. Im Halbjahreszeugnis vom 19. Januar 2007 heißt es zwar noch: “Jessica begegnet den Unterrichtsinhalten eher mit Gleichgültigkeit”, doch am 20. Juni 2007 wird ihr von der Klassenlehrerin bescheinigt: “Im Unterricht beteiligt sie sich inzwischen aktiver Kritik teilt sie in der Regel angemessen mit und sie ist zunehmend in der Lage, an sie gerichtete Kritik mit konstruktiven Vorschlägen zu verbinden. Eigenes Fehlverhalten sieht sie ein und macht dies inzwischen schneller offen. Zu einer Entschuldigung ist sie zumeist bereit.”
Politikerin ist ergriffen
Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär hat zwischen den Jahren die 31-seitige Petition der Eltern an dasEURopäische Parlament gelesen und schreibt: “Der Fall hat mich sehr ergriffen. Ich habe die Petition an meinen Kollegen Herrn Dr. Günther Krings weitergeleitet, der als Abgeordneter im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis der Familie Müller zuständig ist. Herr Dr. Krings ist Jurist.” Deshalb seien Jessicas Eltern bei ihm “in sehr guten Händen”, versichert die 29-Jährige.
Ansonsten bleibt es, wie es ist: Auf meine Fragen reagieren auch nach mehrmaligem Nachhaken weder das Jugendamt noch das Kinderheim. Vielleicht ändert sich das, wenn diese beiden Einrichtungen erfahren, dass sich nun auch die “Westdeutsche Zeitung” für die Geschichte der Zehnjährigen interessiert
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