Es stürmte und krachte, für die Schüler fiel am nächsten Morgen der Unterricht aus: Vor ziemlich genau einem Jahr zog über Südwestfalen mit Kyrill der schlimmste Sturm hinweg, den man hier je gesehen hat.
Nach dieser Nacht sollte nichts mehr so sein, wie es einmal war. Aber anstatt dass nach dieser Nacht jeder zuerst an sich selber gedacht hätte, zeigten die Siegerländer und Wittgensteiner, dass es auch anders geht: „In den vergangenen zwölf Monaten haben wir in Siegen-Wittgenstein bewiesen: Gemeinsam sind wir handlungsfähig!“ Mit diesen Worten zog Landrat Paul Breuer seine Bilanz ein Jahr nach dem verheerenden Sturm.
Schneise der Verwüstung
In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar des vergangenen Jahres war der Sturm über Deutschland hinweg gezogen und hatte in Südwestfalen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Das Siegerland gehörte dabei zu den mit am stärksten betroffenen Gebieten in der Bundesrepublik: Am Morgen nach der Sturmnacht lagen rund 1,7 Millionen Festmeter Holz am Boden – das Fünf bis Sechsfache eines Jahreseinschlags.
Heute, ein Jahr danach, sieht es in den Siegerländer Wäldern wieder besser aus. 99 Prozent (im NRW-Schnitt 85 %) der Aufräumarbeiten sind erledigt: „Im März werden die Arbeiten komplett abgeschlossen sein. Dann wird auch kein Sturmholz sondern nur noch Frischholz verkauft“, erklärt der Leiter des Siegener Forstamtes Diethard Altrogge. Insgesamt werde sich der Schaden, nach Verkauf des gesamten Sturmholzes, aber immer noch auf rund 57 MillionenEURo belaufen: „Diesen Schaden werden die Waldbauern nie ganz auffangen können!“, betonte Altrogge.
Vorrangiges Ziel: Schutz von Menschenleben
Schon im Laufe des 18. Januars hatte sich abgezeichnet, dass Kyrill Südwestfalen ganz besonders hart treffen könnte. Als klar wurde, dass der Orkan direkt über das Kreisgebiet hinweg ziehen würde, traf Landrat Breuer am Abend den Entschluss, eine Großschadenslage auszurufen. Damit wurde Breuer so etwas wie der Oberbefehlshaber für Siegen-Wittgenstein: „Am Morgen nach Kyrill rief ein Verantwortlicher eines Kindergartens aufgebracht im Kreishaus an und beschwerte sich über die Schließung. Schließlich bekomme der Kindergarten ja nur Geld für Tage, an denen er auch offen ist“, so Breuer: „Über solche Reaktionen kann man nur den Kopf schütteln. Für uns war einzig und allein wichtig, die Menschen vor Schaden zu bewahren. Und in so einem Fall muss man Grundsatzentscheidungen treffen, die dann für alle gelten.“ Nur durch das Ausrufen der Großschadenslage habe man die Kompetenz gehabt, solche Entscheidungen treffen zu können und Menschenleben zu schützen, betonte Breuer.
Landrat Breuer dankte noch einmal ausdrücklich allen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten engagiert und eingebracht haben, um die Kyrill-Schäden zu beseitigen. „Kyrill war eine Katastrophe, wie wir sie hier in der Region seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Aber wir in Siegen-Wittgenstein neigen nicht zum Jammern. Wir krempeln die Ärmel hoch und packen gemeinsam an! Das haben wir auch diesmal getan. Und nur deshalb sind wir bei der Aufarbeitung der Orkanschäden auch viel schneller weiter gekommen, als die kühnsten Experten vor einem Jahr erwartet hatten!“
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Photo/ Lizenz: Peter Schneider, „Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland“-Lizenz (abgekürzt „cc-by-sa“) in der Version 2.0 (via wikipedia.org)
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