Eisbär im hessischen Wahlkampf: Roland Koch will Flocke nicht ausliefern

In Hessen geht bei den Landtagswahlen doch nicht alles mit rechten Dingen zu: Roland Koch verliert als Ministerpräsident bei Umfragen immer mehr an Boden, die der CDU vorhergesagten Verluste gegenüber der Wahl im Jahre 2003 liegen inzwischen im zweistelligen Bereich, die SPD holt auf. Das müsste nachdenklich stimmen – aber

flocke.jpgIn Hessen geht bei den Landtagswahlen doch nicht alles mit rechten Dingen zu: Roland Koch verliert als Ministerpräsident bei Umfragen immer mehr an Boden, die der CDU vorhergesagten Verluste gegenüber der Wahl im Jahre 2003 liegen inzwischen im zweistelligen Bereich, die SPD holt auf.

Das müsste nachdenklich stimmen – aber offenbar Roland Koch nicht. In einem Interview, das am Sonntag erscheinen wird, kündigte er an, dass er weiter polarisieren wolle. Was aber kann er jetzt noch aus seinem Scharfmacher-Hut zaubern? Die Warnung vor einer Koalition der SPD mit den Grünen und der Linken wirkt vergleichsweise müde gegenüber seinen Äußerungen in jenem “Bild”-Interview vom 28. Dezember 2007 über Gewaltkriminalität.

Dieses Boulevardblatt hat es heute schon einmal mit dem Hinweis versucht, dass die SPD im Wahlkampf von einem Politiker aus der Türkei unterstützt wird, was bei dem Vorsitzenden der Jungen Union die erwartete Empörung ausgelöst hat: “Der soll sich lieber um die christlichen Minderheiten in seinem Land kümmern.

Verfängt nicht richtig

Da aber kaum jemand weiß, wie dieser Vorsitzende der Jungen Union eigentlich heißt und wofür er politisch steht, verfängt das auch nicht mehr so richtig.

Also muss schon geradezu Lächerliches dazugeschrieben werden. Das übernimmt im Zweifelsfalle der Kolumnist Wagner, der von nächtlichen U-Bahn-Fahrten mit der Justizministerin in Berlin berichtet. Man sei zwar nicht zusammengeschlagen worden, stellt er in seinem Bericht fest, aber seine Welt sei die U-Bahn-Welt der Hauptstadt nicht.

Aber für “Bild” wagnert er bestimmt weiter seine Briefe an die liebe Sonne, den grauen Winter, die geschundene Erde, die bedauernswerte Schauspielerin Y und den in Vergessenheit geratenen Knut.

Flocke muss nach Wiesbaden

Und schon haben wir die CDU-Wahlkampfidee für die letzte Woche: Roland Koch begibt sich zu nächtlicher Stunde mit ein paar Helfern nach Nürnberg, leiht sich dort ohne weitere Diskussion den Knut-Nachfolger “Flocke” aus, lässt sich mit ihr vor dem Wiesbadener Landtag ablichten und schon kleben überall in Hessen Plakate mit dem Slogan: “Für Hessen tue ich alles!”

“Bild” müsste das Ganze nur noch begleiten mit Schlagzeilen wie “Wir haben zu wenig Eisbären”, “Hat es Flocke in Wiesbaden besser?” und “Friedliche Eisbären liefert Hessen nicht aus! Auch nicht nach Nürnberg!” – und schon würde es mit dem Wahlsieg doch noch klappen

Rechnen muss man inzwischen mit allem!

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