Jessica aus Mönchengladbach, seit vier Jahren in einem Heim und inzwischen in der vierten Klasse einer Grundschule, versucht immer seltener, ihre Umgebung zu manipulieren, bescheinigt ihr die Klassenlehrerin im Halbjahreszeugnis vom 19. Januar 2007.
Was aber läuft in dem Heim ab? Zehn Tage vor dem Anhörungstermin, bei dem das Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt über das Sorgerecht entscheidet, erzählt die Zehnjährige ihrem Vater am Telefon: “Ich komme in eine Mädchenschule. Darauf freue ich mich schon.â€
Gegeneinander ausgespielt worden ist die Familie Müller von Anfang an, berichtet mir Jessicas Mutter bei einem anderen Telefongespräch. So habe ihr das Heim im März 2004 den Rat gegeben, in ein Frauenhaus zu ziehen. Tue sie das nicht, werde sie ihr Kind “so schnell nicht wieder sehenâ€.
Heimleiter kann sprechen
Inzwischen kann auch der Heimleiter sprechen. “Tatsächlich ist es im Durchschnitt eine Eins-zu-Eins-Betreuung, die wir bietenâ€, hat er vor wenigen Tagen berichtet.
Diese Aussage trifft er nicht etwa nach mehrmaligen Anfragen mir gegenüber, sondern in einem Gespräch mit den “Grenzlandnachrichtenâ€, die unter der Überschrift “Immer die Würde der Kinder achten†über das Kinderheim berichten, in dem Jessica seit vier Jahren lebt. Zwichen Aachen und dem Ruhrgebiet sei diese Einrichtung die “erste Adresseâ€, schreibt das Wochenblatt am 17. Januar 2008, “wenn es darum geht, ´schwierige´ Kinder oder Jugendliche, die vielleicht schon mehrere Hilfsangebote abgebrochen haben, intensiv zu betreuen.â€
Und zwischendurch sind immer wieder einmal ein paar Kinder und junge Leute auf der Flucht? Ohne erkennbaren Widerspruch von Heimseite kann man das im Internet nachlesen.
So steht seit dem 13. Oktober 2007 im Netz, dass sich “Julia nichts sehnlicher wünscht als bei ihrer Mutter leben zu können, Dennis möchte am liebsten gleich zu seinem Vaterâ€. Doch: “Das Jugendamt hat aber andere Pläne Schnell kommen Handschellen, eine hauseigene Security und Würgegriff zum Einsatz.”
Er sei häufig geschlagen worden, erzählt Dennis, zu viert sei ihnen die Flucht nach Belgien geglückt. Die Security des Heimes habe sie zurückgeholt, dann sei dies geschehen: “Herr H. hat mich gegen Tische und Stühle geschleudert.†Auch Julia berichtet von Schlägen und Schlimmerem.
Bundestagsabgeordneter schaltet sich ein
Jessicas Eltern haben derweil neue Hoffnung geschöpft. Ihre 31-seitige Petition an dasEURopäische Parlament und diese Artikelserie haben den CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Günter Krings auf den Plan gerufen. Sein Büro rief gestern Sabine und Frank Müller an. Der 38-jährige Anwalt mit Kanzlei in Mönchengladbach bat für Montag zu einem Gespräch.
Wird fortgesetzt
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