Ehemalige Heimkinder: Warum antwortet Lammert nicht?

- Warten auf Norbert Lammert… Photo: screenshot (via welt.de)
Entscheidend ist zwischen den Wahlen: Doch in diesen Jahren lassen Politiker schon einmal an sie gerichtete Briefe liegen, beantworten Fragen nicht und packen heiße Eisen einfach nicht an. Das gilt auch für den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, der das zweithöchste Amt in der Bundesrepublik Deutschland innehat.
“Man wollte ihr Bestes, dafür mussten sie arbeiten, gehorchen und oft wurden sie geschlagen. Etwa eine halbe Millionen Heimkinder kamen in den 50er- und 60er-Jahren in solche Einrichtungen. Viele von ihnen leiden noch heute unter den Spätfolgen. Daher wollen sie Entschädigung - finanzieller, vor allem aber moralischer Art. Der Petitionsausschuss des Bundestages befasst sich zurzeit mit dem Thema”, hat der Norddeutsche Rundfunk im September 2007 berichtet.
Seelischen Mülleimer geleert
Den Link zu diesem Beitrag findet man auf von Sieglinde Alexander ins Netz gestellten Seiten, auf denen es um das Schicksal ehemaliger Heimkinder geht. Als 43-Jährige hat sie sich ihre schlimmen Kindheitserlebnisse von der Seele geschrieben. 1993 verließ sie so das Tal der Depression, aus Scham hatte sie bis dahin geschwiegen. Sie leerte ihren “seelischen Mülleimer”, merkte dazu die inzwischen 57-Jährige an, die seit 1991 in den USA lebt.
Vor über einem Dreivierteljahr schrieb die Gründerin von Adults Abused as Children Worldwide an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, wies ihn auf das seelische Elend vieler ehemaliger Heimkinder hin und beklagte sich bei ihm über die bisherige Ausschussarbeit: “Das anliegende Verfahren beim Petitionsausschuss hat bis heute, nach über einem Jahr, keine sichtbaren Erfolge zu verzeichnen. Es wurden nur wenige Kindheitsmisshandelte vom Petitionsausschuss gehört.”
Firmen beschäftigen “Kindersklaven”
Sieglinde Alexander machte Lammert in diesem Schreiben auch darauf aufmerksam, dass viele Heimkinder zwischen 1950 und 1970 nicht nur “unmenschlichen körperlichen und psychischen Misshandlungen” ausgesetzt gewesen seien, sie seien auch “Kindersklaven” gewesen: “Namhafte deutsche Firmen und Dachorganisationen der Heime profitierten in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders von den billigen Kinder-Arbeitskräften. Diese Arbeitgeber haben nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, indem sie Kinder und Jugendliche zur Arbeit ohne Bezahlung zwangen, sie bezahlten auch keine Rentenanteile.”
Inzwischen seien Akten verschwunden, verschanzten sich Kinderheime und deren Dachorganisationen hinter Verjährungsfristen, besonders einfach mache es sich das Land Bayern, das sich schlicht in Schweigen hülle, wenn es um massive Vorwürfe gehe. Abschließend bittet die 57-Jährige den Bundestagspräsidenten um Unterstützung.
Brief hätte Platz
Die Tageszeitung “Junge Welt” berichtete am 4. Januar 2007 über die Anhörung des Petitionsausschusses, in einem Forum des Diakonischen Werkes wurden am 30. November 2006 die Forderungen ehemaliger Heimkinder veröffentlicht, die von der “Anerkennung betroffener ehemaliger Heimkinder als Opfer von Menschenrechtsverletzungen” über Rentenausgleich bis hin zu wissenschaftlicher Aufarbeitung und Ausstellungen zum Schicksal dieser Kinder reichen.
In einer solchen Ausstellung wäre sicherlich auch Platz für eine Antwort von Bundestagspräsident Norbert Lammert…










Heinz-Peter Tjaden
Nach weiteren mails habe ich den Eindruck, dass Herr Lammert doch antworten wird. Ich gestehe: Vor wenigen Wochen habe ich noch nicht geahnt, was in Kinderheimen geschehen ist und geschieht. Es muss schnell viel geschehen.
Johann L. Beckers
Auch wenn Herr Lammert sagt, dass schnell viel geschehen muss, bringt mir dies meine Freunde, die ich alle zu Grabe getragen habe, nicht wieder.
Der Orden der hier gewütet hat, ist bei Mona Lisa in der Sendung am 20.01.2008 hoch gelobt worden. Für ihre Vergangenheit wollen sie nicht gerade stehen und versuchen nun im Osten Fuß zu fassen. http://monalisa.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,7149003,00.html
Sie wollen die Finger nicht von den Kindern lassen! Meine Forderungen sind ganz klar, Nonnen dürfen keinen Kontakt zu Kindern haben. Sie haben großes Unrecht begangen und durch ihr Tun großes Leid hervorgerufen. 100.000 Heimkinder leiden noch heute.
Ein Opfer der Kirche
Johann L. Beckers
www.exheim.de
Dr. Sören Roos
DER PRÄSIDENT
DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES
LEITER DES PRÄSIDIALBÜROS 11011 Berlin, 25. Januar 2008
Sehr geehrter Herr Tjaden,
das Internet-Forum „Readers Edition“ scheint ein besonders stark frequentiertes zu sein, denn gleich von mehreren Seiten erhielt der Bundestagspräsident einen Hinweis auf Ihren Beitrag „Ehemalige Heimkinder: Warum antwortet Lammert nicht?“.
Ihre Frage in der Überschrift, die Sie im ersten Absatz Ihres Beitrages noch um den Hinweis ergänzen, der Präsident lasse Briefe liegen und packe heiße Eisen nicht an, ist ebenso ungerechtfertigt wie falsch. Der hiesige Posteingang wird akribisch genau dokumentiert. Hier im Büro des Bundestagspräsidenten ist der Eingang des von Ihnen zitierten Schreibens von Frau Alexander von „vor über einem Dreivierteljahr“ allerdings nicht verzeichnet. Die E-Mail, die Frau Alexander Anfang Januar geschrieben hat, wurde an den Petitionsausschuss, das zuständige Gremium des Deutschen Bundestages, weitergeleitet, das sich – wie Sie wissen – diesem Thema und seiner Aufarbeitung bereits seit längerem widmet und noch Anfang dieses Jahres eine weitere Anhörung hierzu durchzuführen plant.
Im übrigen hat Herr Dr. Lammert zum Thema „Heimkinder“ bereits auf zahlreiche weitere Zuschriften geantwortet und auch in anderen Internet-Foren Stellung bezogen. Abschließend erlaube ich mir noch einen Hinweis zur Arbeit des Petitionsausschusses. Dieses Gremium ist aufgrund gesetzlicher Regelungen in seiner Arbeit und seiner Entscheidungsfindung völlig autark. Nur so ist es in der Lage, unabhängig zu arbeiten und sich als kraftvolles Instrument der Sorgen, Nöte und Anregungen der Menschen in unserem Land anzunehmen. Dass eine sachgerechte Entscheidung mitunter einen Zeitraum beansprucht, der für den jeweils Betroffenen als zu lang empfunden wird, ist leider nicht immer vermeidbar.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Sören Roos
Sieglinde W. Alexander
Kommentar zum Brief an Herrn Tjaden:
Die Antwort von Dr. Sören Roos ist voller ärgerlicher Abwehr, indem der Beitrag vor allem darauf hinweist, dass der Bundestagspräsident zum Thema ehemalige Heimkinder bereits in anderen Foren geantwortet hat. Es ist richtig, dass der Brief erst im Januar geschrieben wurde und von Heinz-Peter Tjaden die amerikanischer Datumsangabe Angabe, - Monat – Tag - Jahr- missverstanden wurde. Abgesehen davon hat der Bundestagspräsident den wichtigsten Teil des Briefes nicht wahrgenommen, der sich darauf bezieht, dass „Traumata nicht heilbar sind“. Des Weiteren verweist der Brief auf andere Nöte im Land hin, die Zeit in Anspruch nehmen. Diese Aussage sagt deutlich, dass die Anliegen ehemaliger Heimkindern wieder einmal unter ferner liefen bearbeitet werden. Diese Menschenrechtsverletzungen aber stehen seit über vierzig Jahren an; und die „Nöte“ der Betroffenen sind, neben finanziellen Sorgen, kindheitsimpliziertes Trauma, das mit den vom Petitionsausschuss angesprochenen Kognitiv-Therapien nicht zu heilen sind.
Der Brief an den Bundestagspräsident kann bei EMaK gelesen werden: http://www.emak.org/Briefe/Bundestagspr.htm
Sieglinde W. Alexander
“Erwachsene Misshandelt als Kinder”
www.emak.org
Heinz-Jürgen Overfeld
Zwangsarbeit, Prügel, Isolierhaft, Essensentzug all dieses war Bestandteil meiner
Erziehung. Die kath. Kirche lässt mich heute wissen, das all diese Maßnahmen
für eine gute Erziehung notwendig waren. Sicherlich gibt es heute andere Methoden
aber früher war das halt so.
Das schlimmste jedoch waren die ständigen sexuellen Mißbräuche in den Kinderheimen. Sechs lange Jahre habe ich das alles erdulden müssen. O-Ton der
kath. Kirche (man muß lernen vergessen zu können). Jetzt, nach meiner Amnesie
holen mich die Erinnerungen ein ,so als wäre es erst gestern geschehen.Zur Zeit
plane ich mit verschiedenen Medien eine öffentliche Auseinandersetzung zu diesem
Thema. Sie werden esw nicht glauben was passiert. Ich werde von Schlägern aufgelauert und bedroht wenn ich nicht schweige. Soviel zur Aufbearbeitung dieser
Geschichte.