2006 ging der Sender France 24 nach Bestrebungen des damaligen Präsidenten Jacques Chirac auf Sendung. Sein Wunsch war es neben den Nachrichtengrößen CNN und BBC auch die französische Sicht der Dinge weltweit ins Fernsehen zu bringen. Um dies zu ermöglichen wurde neben einem französischsprachigen Kanal auch ein Englischer eingerichtet, um auch die ganze Weltöffentlichkeit zu erreichen. Dem pro-amerikanischem Präsidenten Nicolas Sarkozy ist der englischsprachige Kanal nun ein Dorn im Auge.
Es braucht eine Sprache, die die Welt versteht
“Mit Steuergeldern ist es mir nicht erlaubt einen Fernsehsender zu finanzieren, der nicht auf französisch sendet”, sagte der neue Präsident letzte Woche bei einer Pressekonferenz zu dem 24-Stunden-Nachrichtensender France 24, der neben französisch und englisch auch auf arabisch sendet. Inwiefern er seinen Steuerzahlern jedoch einen gefallen tut ist ungewiss. Wenn man die Weltöffentlichkeit erreichen möchte, so muss dies auch in einer Sprache geschehen, welche die Welt versteht. Konkurrenten im Nachrichtensektor wie al-Jazeera haben ebenfalls vor Langem entdeckt, dass Nachrichten, mit denen Menschen aus aller Welt erreicht werden sollen, in englischer Sprache gesendet werden müssen. Auch andere Länder wollen nun an dem Erfolg teilhaben, Russland startete vor kurzem “Russia Today“, und mit dem Sender “Business Channel” möchte die Türkei auf Investorenjagd gehen. Es scheint nicht nachvollziehbar, warum Frankreich auf einmal einen Rückzieher machen sollte.
Um konkurrenzfähig zu bleiben entwickelte sich France 24 in kürzester Zeit weg vom Sprachrohr des Champs Elysee hin zu einem international anerkannten Nachrichtensender, der neben Nachrichten auch politische Debatten – mit zum Teil kontroversen Themen – und Dokumentationen über Themen, welche gar nichts mit Frankreich zutun haben ausstrahlt. Das ist es wahrscheinlich auch, was dem exzentrischen Präsidenten Frankreichs nicht gefällt: Obwohl man jährlich Millionen vonEURos investiert, bekommt man trotzdem nicht die 100%ige Deckung vom eigenen Kanal. Bei dem Konkurrenten Russia Today hingegen wäre es undenkbar, den Kreml auch nur im Geringsten zu kritisieren.
Da Sarkozy, an dessen Demokratieverständnis gezweifelt werden kann, einen solchen Zustand nicht akzeptieren kann, möchte er nun das Licht ausknipsen, trotz des großen Erfolges des noch jungen Senders – sogar eine deutschsprachige Version war bereits in Planung.
Sinnloser Vorschlag Sarkozys
Der Präsident schlug hingegen vor, France 24 mit zwei anderen französischen Sendern zusammenzulegen um einen großen französischsprachigen Sender namens “France Monde” zu gründen. Die englische und arabische Version, und auch die geplanten Versionen auf Spanisch, Deutsch und Chinesisch würden somit wegfallen.
Der Vorstandsvorsitzende von France 24 antwortete wie erwartet erbost über Sarkozys Vorschlag. Alain de Pouzilhac sagte, dass dieser Vorschlag sinnlos wäre, und dass man nach dieser Logik auch der französischen Presseagentur AFP verbieten müsste Nachrichten auf Englisch zu veröffentlichen. Mittlerweile hat sich auch der französische Außenminister Bernard Kouchner von Sarkozy distanziert.
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