Es gibt Perlen, die kennt man quasi schon ewig – zumindest fühlt es sich so an. Bands, die immer wieder präsent sind und deren Werdegang fast vor der eigenen Haustüre mitverfolgt werden konnte. Als selbstverständlich wurden sie angenommen. Irgendwie waren sie immer da und haben mit ihrer Musik Jung und Alt gleichermaßen erfreut. Und dann kommt der Abend, an dem sich auch die Autorin wieder an sie erinnert. Ganz unverhofft tritt die Combo wieder ins eigene Gedächtnis…
Massenkompatibilität ist etwas anderes…
“In dieser Musik ist eine tolle Mischung von Rockelementen, Reggae, Bläsersätzen, guter Laune und dem markanten Gesang von unserem Thilo”, erläutert Bassgitarrist Timo Frank der Hammelburger Saale-Zeitung anlässlich des Auftrittes mit den Jungs von Tramper Louis aus Herzogenaurach am vorletzten Freitag im hiesigen Wasserhaus, die Eigenarten ihrer Musik. Immerhin handelt es sich bei Ska – um diesen handelt es sich nämlich – ja nicht gerade um ein massenkompatibles Genre, welches erstens Jedermann bekannt und zweitens so einfach zugänglich sein dürfte.
Wen Timo da so heiß umschwärmt, das sei jedoch sogleich verraten: Skalamanda lautet das Zauberwort. Die seit 1999 bestehende und mittlerweile achtköpfige Bande, die an diesem Abend ihre neue CD “210” (aufgenommen 2007) vorstellte, brachte den kleinen Club am Rande der unterfränkischen Weinstadt ordentlich zum Wackeln. Erst recht, da sich die im “richtigen Leben” als Maschinenschlosser, Sozialtherapeut oder etwa als Ingenieur agierenden Damen und Herren, an diesem Tag nach längerer Gig-Pause zurückmeldeten. Die Freude auf allen Seiten war entsprechend enorm: Punk-Rock, Blasmusik und Independent – die Zuschauer konnten weiß Gott alles auf einmal erleben.
Humor ist Trumpf!
Thilo Vierheilig (Gesang), Sascha Turtschany (Gitarre), Markus Weis (Keyboard), Timo Frank (Bass), Christian Tannheuser (Schlagzeug), Christian Schäfer (Percussion), Daniel Klopf (Trompete) und letztlich Christoph Emmerth (Posaune) sind jedoch in der Szene keine Unbekannten. Nach zwei Alben “be shaky” aus dem Jahr 2002 und nun “210″ sowie Auftritten mit The Selector und Skaos sind sie nicht erst seit gestern im gesamtdeutschen Raum unterwegs, um ihre fröhliche Kunde an den Mann und an die Frau zu bringen. “Wir erlauben uns bei solchen Konzerten, auch uns selbst nicht allzu ernst zu nehmen”, erklären sie im Gespräch mit dem Regionalblatt weiter und stützen damit eine frühere Aussage, die da lautete: “Wir sehen es als unsere Aufgabe an uns auf der Bühne gepflegt zum Affen zu machen und mit den Leuten live zu feiern!”
Legitim ist ihr Gebaren allemal – vor allem in Anbetracht ihres angegebenen Durchschnittsalters von gerade einmal zarten 27,5 Jahren und folgendem knallharten Statement bezüglich der Geburtsstunde ihres Bandnamens: “Auf der damals recht verzweifelten Suche nach einem Bandnamen saßen wir auf einer Sitzbank mit Blickrichtung zu einem Salamander-Schuhgeschäft. Irgendeiner kam auf den Trichter ‘Skalamander’ könnte ganz gut taugen und wir waren alle so bekloppt zu zustimmen.” Im Übrigen scheint es sie da auch nicht weiter zu stören, dass ihre “Namenskollegen” im nicht allzu weit entfernten Hanau unterwegs sind. Doch das nur nebenbei. Denn Humor scheint bei dieser Truppe, deren Aushängeschild ihr Song “Ska up your life” ist, Trumpf zu sein.
Nicht zu unterdrückende Tanzwut
So bunt, wie sie sich geben, so farbenfroh ist auch das Inspirationsfeld der “Offbeat-Rocker”. Namen wie Dr. Ring Ding, Toasters, Operation Ivy und Rancid tauchen da ebenso auf wie Einflüsse aus den 80er Jahren, die völlig anderer Natur sind. Was allerdings dabei herauskommt, wurde im Folgenden mehr als nur treffend beschrieben: “SKALAMANDA (wuchs) zu einem energiegeladenen Kader von wahren Skabotschaftern heran. Ihre lebendige und vielseitige Skamusik, aus überwiegend eigenem Ideengut, lässt weder den Nicht-Ska-Kenner noch den Oberszeneguru kopfnickend in der Ecke stehen, sondern veranlasst vielmehr alle Sorgen hinter sich zu lassen und den Babyspeck einfach wegzutanzen.”
Quintessenz, auch oder gerade wegen der von Völlerei geprägten Feiertage, es ist eine mehr als nur gute Idee, ihre CD in den Player zu schieben oder aber einfach eines ihrer Konzerte zu besuchen. Die Tanzwut ist geradezu ununterdrückbar. Weitere Ergänzungen überflüssig….
Doch um die eben gemachten Eindrücke ordentlich zu manifestieren, sei abschließend auch Euch diese schöne Botschaft der Rasselbande nicht verwehrt: “Das Leben ist zu kurz und zu interessant, um es mit zweckloser Sinnsucherei zu verschwenden. Einfach sein, sich selbst nicht zu ernst nehmen, nicht rumjammern sondern handeln und das Schöne genießen.”
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