Sollte Taiwan unabhängig sein?

Taipei am 31.Januar – Taiwan, ein Name mit drei Bedeutungen. Eine Insel, eine Provinz, die größten Teils die Insel beinhaltet und seit 1949 ein Staat, der eigentlich Republik China heißt und seit dem nur die Provinz Taiwan und Teile der Provinz Fujian umfasst. Gemeint ist dieser Staat, sollte er unabhängig

cekora.jpgTaipei am 31.Januar – Taiwan, ein Name mit drei Bedeutungen. Eine Insel, eine Provinz, die größten Teils die Insel beinhaltet und seit 1949 ein Staat, der eigentlich Republik China heißt und seit dem nur die Provinz Taiwan und Teile der Provinz Fujian umfasst.

Gemeint ist dieser Staat, sollte er unabhängig sein? Warum? Ist er das nicht schon? Aber warum China, wenn er doch fast nur die Provinz China umfasst?

Geschichtlicher Abriss

Im Jahr 1911 löste die Partei Kuomintang die letzte Dynastie Chinas ab, welche zuvor knapp 300 Jahre China regierte und als Qing-Dynastie bekannt ist. Diese Partei musste sich im Chinesischen Bürgerkrieg gegen die rote Armee Mao Zedongs verteidigen und erlag dieser im Jahr 1949. Die Kuomintang unter Chiang Kai-shek flohen auf die Insel Taiwan, um sich dort neu zu formatieren und später wieder die Herrschaft Chinas zu übernehmen.
Die Insel Taiwan selber wurde kurz vor dem Ende der Qing-Dynastie an das Kaiserreich Japans abgetreten, nachdem die Qing-Dynastie den ersten sino-japanischen Krieg verlor. Es folgten 50 Jahre Japanisierung der Bewohner Taiwans. Sie zwangen die eroberten Völker zu einer ordnungsgemäßen Lebensweise. Straßen und Eisenbahnen wurden gebaut, um das Land besser zu erschließen. Trotz all dieser Anstrengungen kam es bis in die 1930er Jahre immer wieder zu blutigen Aufständen der Stämme und als Antwort darauf Massaker durch Japaner oder Chinesen an der einheimischen Bevölkerung. Die Wirtschaft Taiwans florierte seit dieser Zeit, bis 1945 Japan den 2. Weltkrieg verlor und Taiwan an die China regierende Kuomintang abtreten musste…
Nachdem Taiwan vier Jahre lang Teil der “großen” Republik China war, floh deren Regierung 1949 nach Taiwan. Seit diesem Zeitpunkt herrschte bis 1987 das Kriegsrecht in der Republik China auf Taiwan. Die vom Festland gekommen han-chinesische Ethnie stand nun der dem Feind allzu ähnlich gemachten – sprich japanisierten Taiwanern – gegenüber. Diese wurden als minderwertig unterdrückt, was sich schon 1947 im Zwischenfall vom 28. Februar zeigte, als die Taiwaner gegen die neue Regierung rebellierten und zu 10.000en den Tod fanden.
Die Demokratie dieser Zeit war durch den Wunsch der Kuomintang geprägt, wieder Besitz von ganz China zu ergreifen, da nur sie die rechtmäßige Regierung Chinas auf Grund von Wahlen seien. Die vor dem verlorenen Bürgerkrieg gewählte Regierung blieb bis zur Aufhebung des Kriegsrechtes 1987 im Amt und ließ keine Neuwahlen auf Taiwan zu, da dies nicht das ganze Hoheitsgebiet und somit illegitim sei.
Seit 1996 gab es mit dem Präsidenten Lee Teng-hui das erste Aufkommen des taiwanesischen Identitätsgedankens, da dieser nicht wie seine Vorgänger Verwandter Chiang Kai-sheks ist und als “Japaner” aufgewachsen war. Im Jahr 2000 wurde der erste Präsident, der nicht der Kuomintang angehörte gewählt, obwohl seitdem die Majorität an Sitzen immer die Kuomintang im Legislativ-Yuan (Parlament) hatte. Chen Shui-bian stand stark für die Unabhängigkeit Taiwans, welche zuerst durch die Resolution 2758 der UN-Generalversammlung strittig gemacht wird, bei der die Republik China nicht mehr als Staat anerkennt wird und durch die kommunistische Volksrepublik China ersetzt wurde. Dies wurde weiter durch das Anti-Sezessionsgesetz der Volksrepublik am am 14. März 2005 erschwert, welches besagt, das bei einer Unabhängigkeitserklärung Taiwans die Volksrepublik mit militärischen Maßnahmen reagieren wird. In Folge der aggressiven Unabhängigkeitspolitik Chens, stimmte die im Parlament stärker vertretene Kuomintang gegen Gesetzesentwürfe der Regierung, was eine Entwicklung Taiwans stoppte.

Kontroverse über die eine Unabhängigkeit

Über die Unabhängigkeit Taiwans wird auf zwei Ebenen diskutiert. Zum einen werden wirtschaftliche Aspekte, wie eine kapitalistische Demokratie gegenüber einer kommunistisch geprägten Sozialdemokratie gestellt. Zum Anderen wird behauptet, dass am Ende alle Chinesen seien. Gerne wird dies am Beispiel BRD und DDR verglichen.
Die DDR konnte sich doch auch friedlich wieder an Deutschland angliedern!” sagen oft Freunde zu mir, der ich aus Deutschland komme. “Und das ganz ohne Krieg. Wir wollen keinen Krieg.” Aber ist die Situation wirklich mit der das Taiwan-China-Konfliktes vergleichbar?
Die DDR war kommunistisch, kleiner als die BRD und verlangte wirtschaftliche Hilfe, um auf das Niveau des Westens zu kommen. Die Republik China ist kapitalistisch-demokratisch, kleiner als Deutschland und müsste wirtschaftliche Hilfe an die Volksrepublik China im Zuge der auseinandergehenden Einkommensschere zahlen. Viele Westler würden diese Wiedervereinigung auch gerne wieder rückgängig machen.

Auf der wirtschaftlichen Ebene gibt es hier weniger Vergleiche, wie schaut es ethnisch aus?

Wenn man die Geschichte Chinas seit 1894 mit der Taiwans vergleicht, so haben sich in diesen 100 Jahren die Völker anders entwickelt. Es bleiben die gleichen Rituale und beide Ethnien sprechen Dialekte des Chinesischen, aber wie viel bleibt an Kultur erhalten? Wie viel wurde durch die Japaner ausgemerzt und ersetzt? Wie viel wird gerade durch die Amerikanisierung auf Taiwan verändert?
Hier könnte man Deutschland mit Österreich und der Schweiz vergleichen. Sprechen Schweizer und Österreicher nicht auch Deutsch, feiern sie nicht Weihnachten wie wir, haben sie nicht die gleichen Traditionen und Mentalität? Dennoch sind es zwei eigenständige Staaten, mit Dialekten, die man diesseits der Alpen selten versteht und deren Unterschiede in den Gebräuchen mit gleichen Ursprung teils doch wieder unterschiedlich sind. Doch gehören wir alle der germanischen Ethnie an. Verhält es sich so mit Taiwan?
Die Demographie Taiwans betrachtend, gibt es eine Majorität an Han-Chinesen sowie eine verdränge Minorität an Ureinwohnern, welche seit 200 v. Chr auf Taiwan leben und erst 608 n. Chr. entdeckt worden sind. Diese Han-Chinesen leben meist seit 1945 auf Taiwan, somit bis zu 63 Jahre und in der zweiten Generation. Das besonders um und unterhalb Taichungs gesprochene Taiwanesisch gehört dem Südchinesischen Min-Dialekt an und ist mit Kenntnissen des Sinitischen Hochchinesisch nicht verstehbar. Schlimmer als wenn ein Tiroler versucht mit einem Schleswiger sich zu verständigen.
Wonach soll man sich nun richten, an die mit der Kuomintang vom Festland gekommenden Han-Chinesen in der zweiten Generation, oder die taiwanesischen Einwohnern der x. Generation? Und wer wird der neue Präsident sein, nachdem die Kuomintang 72 Prozent der Sitze im Parlament hat? Wird Ma Yingjeou sich für eine Wiedervereinigung einsetzen, oder wie deklariert den Statuts Quo für weitere 50 Jahre erhalten?

Kommentare

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  1. Selten so ein schlecht recherchiertes Kommentar gelesen.

    Die Einwohner Taiwans gehoeren zum Grossteil der Han-Chinesche Ethnie an, und sie sind nicht wie in dem Artikel dargestellt erst nach dem 2. WK nach Taiwan gekommen, sondern schon waehrend der Ming Dynastie 500 Jahre vorher.

    Die Bevoelkerung Taiwans setzt sich wie folgt zusammen:
    98 % Han Chinesen (69% Min Nan, 15% Hakka, 14% Festlandchinesen)
    2 % indigenen polynesische Urbevoelkerung.

    Wenn der Autor bei diesen so grundlegende Sachverhalt solche Nachlaessigkeit walten laesst, was kann da vom Rest des Artikels erwarten?