Der Tschad – Rebellen ohne Ende

Die Nachrichten aus dem Tschad sind seit Jahren getragen von drei Hauptthemen: dem Erdölexport, den Flüchtlingslagern an der Grenze zum Sudan und nichtendenwollenden Gruppen von Rebellen, die – wie jetzt entweder aus dem Osten oder Südosten, aus dem Sudan oder der Zentralafrikanischen Republik kommend wieder einmal einen Versuch unternehmen, Präsident

tschad.jpgDie Nachrichten aus dem Tschad sind seit Jahren getragen von drei Hauptthemen: dem Erdölexport, den Flüchtlingslagern an der Grenze zum Sudan und nichtendenwollenden Gruppen von Rebellen, die – wie jetzt entweder aus dem Osten oder Südosten, aus dem Sudan oder der Zentralafrikanischen Republik kommend wieder einmal einen Versuch unternehmen, Präsident Idriss Déby aus dem Amt zu entfernen. Diese Rebellionen aus dem Osten des Landes haben ihre eigene tragikomische historische Verbindung mit Präsident Déby, war dieser doch 1990 selbst durch einen solchen Putsch an die Macht gekommen, nachdem er seine Rebellenarmee im Sudan zusammengestellt hatte.

Nun sind es seine Konkurrenten, die versuchen, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Macht an sich zu reißen.

Gerade rechtzeitig bevor die neue EUFOR Streitmacht in den Tschad ausrückt, um dort das kleine, aber feine französische Kontingent von etwa 1400 Soldaten zu verstärken.

Déby hat allerdings schon des Öfteren mit solchen Angriffen zu tun gehabt und war auch nicht zuletzt während seiner Arbeit für seinen Vorgänger im Amt, Diktator Habré als Spezialist für Rebellenvertreibungen berühmt geworden. Auch hat er es geschafft, die schwarze Opposition im Süden des Landes kurz vor dem Beginn der Erdölförderung mit veruntreuten Geldern der Weltbank auszuschalten. Er ist von seinen Verbündeten, den Franzosen, die ihn als Kampfpilot ausbildeten auch die ganzen Jahre gestützt und gefördert worden. Er gewann sogar dreimal die Parlamentswahlen, wenngleich dabei wohl nicht immer alles mit rechten Dingen zuging.

Auch darf in seiner Regierungsbilanz nicht fehlen, dass er den Sturz des Präsidenten Patassé mit Hilfe einer Rebellion – und seinen Soldaten unterstützte und der neue Präsident Bozizé in der Zentralafrikanischen Republik, dem südlichen Nachbarn somit an die Macht kam. Im übrigen auch ein Land, das die Franzosen jetzt nach dem Wechsel verstärkt mit einem Kontingent von Soldaten unterstützen.

Da mutet es grotesk an, wenn die Afrikanische Union (AU) in einem Kommentar zu den laufenden Kämpfen erklärt, sie würde keine durch Rebellion an die Macht gekommene Regierung im Tschad anerkennen, obwohl sie damit in der Zentralafrikanischen Republik augenscheinlich keinerlei Probleme hatte.

Es ist nur gut, dass die europäische Öffentlichkeit – und voran auch die französische – nicht allzu genau über alle diese Hintergründe informiert ist. Sollte es doch dieser Öffentlichkeit nicht ganz egal sein, dass im Tschad die Menschenrechte nicht viel gelten, die Erdöleinnahmen nur in die Taschen einiger weniger Freunde Débys fließen und sowohl der Tschad als auch die Zentralafrikanische Republik trotz der Ölförderung, der Diamanten und des Goldes zu den ärmsten Ländern des Kontinents gehören.

Es ist allerdings auch sicher, dass sich mit oder ohne Déby im Tschad nicht allzu viel ändern wird.

Dafür wird die französische Regierung und natürlich auch Amerika, das zu den Hauptabnehmern des tschadischen Öls gehört schon sorgen.

Also keine Krokodilstränen über Débys Probleme. Wir haben als Deutsche gut daran getan, uns aus dem EUFOR Abenteuer der Franzosen herauszuhalten. Zahlen tun wir allerdings, wie alle anderen auch. Für das überteuerte Erdöl, dass die Amerikaner im Tschad billigst fördern und durch die Entwicklungshilfe, die wir diesen “armen Ländern ” zukommen lassen, die – ginge es mit rechten Dingen zu – sehr wohl die Mittel hätten für sich selbst zu sorgen. Dies wird aber wohl nichts werden, solange Potentaten wie Bozizé oder Déby an der Regierung sind und Länder, wie Frankreich und Amerika diesen Status Quo aufrechterhalten.

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