Local Heroes (Vol. 27): Nattyflo

Wer von den Klängen unserer letzten Folge noch ordentlich in Schwung ist und das zurückliegende Wochenende ebenfalls mit nicht minder exzessivem Hüftkreisen verbracht hat, der wird am heutigen Rosenmontag geradezu meisterhaft auf seine Kosten kommen. Der Protagonist unserer heutigen kleinen Schau mutet zwar auf den ersten Blick, dank seines obligatorischen

natt1.jpgWer von den Klängen unserer letzten Folge noch ordentlich in Schwung ist und das zurückliegende Wochenende ebenfalls mit nicht minder exzessivem Hüftkreisen verbracht hat, der wird am heutigen Rosenmontag geradezu meisterhaft auf seine Kosten kommen. Der Protagonist unserer heutigen kleinen Schau mutet zwar auf den ersten Blick, dank seines obligatorischen roten Kopftuches, durchaus an, als hätte er dieser Tage den Piraten gemimt. Doch verkleiden oder gar verstellen muss sich Nattyflo bei weitem nicht.

Florians Borns, der Jung aus Frankfurt, ist eher der geradlinige unter den deutschen Reggae-Vertretern. Konsequent auf Deutsch und in bester Dancehall-Manier donnert er seinem Publikum stets gut gelaunt und vor allem energiegeladen seine teils kritischen, teils einfach nur fröhlichen Messages entgegen. Mit bekannten Namen wie Nosliw ist er innig verbunden. Und auch die andere Seite des Geschäftes lernte er während seiner Zeit als Mitbegründer und Redakteur für die Reggae-Fachzeitschrift Riddim und des Rootdown Camps, das heute aus Nosliw, Mono & Nikitaman sowie Maxim besteht, kennen.

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Zwar tummelt sich der sympathische junge Mann, der stets mit einem Grinsen im Gesicht anzutreffen scheint, nicht gerade in den hiesigen Mainstream-Charts. Doch ihn deswegen zu den vielen Unbekannten des Untergrunds zu zählen, das würde ihm in keinster Weise gerecht werden. Vielmehr gilt er doch als einer der ersten, der die Dancehall-Reggae-Kultur auf Deutsch etablierte und die Szene dadurch nicht nur mit Nachahmern, sondern auch mit immer neuem Stoff und spannenden Gemeinschaftsproduktionen, zum Beispiel mit Mellow Mark und vielen anderen Größen des Business aus dem In- und Ausland, versorgte.

Gern gesehener Festival-Gast

Sein erstes Album “Immer Vorwärts” brachte der vielseitige Barde bereits im Mai des Jahres 2005 bei Rootdown Records an den Start. Nachdem er bereits drei Jahre zuvor die erste EP “Mittdendrin” auf den Markt wirft. Unter der Mithilfe der Produzenten Ganjaman, Beatschmieda, Sam Gilly von House of Riddim und Marco Baresi gelang ein erster beeindruckender Schritt, der für die Zukunft noch Großes vermuten lässt und ihn darüber hinaus zum gern gesehenen Gast auf den Festivalbühnen der Republik, wie dem Summerjam, dem Splash oder dem Chiemsee Reggae Summer, gemacht hat.

Ganz klassisch ist der “hessische Sohn” dabei einst zum “jamaikanischen Bruder” geworden. Nachdem er bereits Ende der 80er von Bob Marley und Burning Spear infiziert wurde und schon selbst in Sachen “Rock” unterwegs war, brauchte es dann Anfang der 90er Jahre nur noch einen einschlägigen Besuch, im Zuge eines Austauschjahres, auf der “Mutter aller Inseln” – Jamaika. Der Vibe und die dazugehörige Atmosphäre steckten den damals 17-Jährigen, der eigentlich nach Neuseeland wollte, an und so wurde die Klampfe, mit der er ehemals im Stile Eric Claptons klimperte, kurz darauf gegen das Mikrofon eingetauscht. Das erste Studiotape enstand dann auch schon 1995. Ganz klein, mit nur 150 Stück Auflage und einem selbstgemalten Cover – aber immerhin. Der Anfang war gemacht. Auch wenn die uneingeschränkte Hinwendung zum jetzigen Stil noch etwas Zeit in Anspruch nehmen sollte…

“Papa Natty” bastelt wieder…

Seit fast drei Jahren heißt es aber nun “Immer Vorwärts…!” eine Lebenseinstellung, die durchaus ansteckend wirkt. Emotionen teilen, das Leben genießen, die Gesellschaft und das Hier und Jetzt beschreiben, dabei aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Welt gehen. Das ist seine Passion. Und das macht er ziemlich beeindruckend… Denn danach gefragt, was für ihn guten deutschsprachigen Reggae ausmacht, hat er einmal geantwortet: “Gute Energie. Guter Vibe. Und Texte natürlich. Die Texte kann man verstehen und sich dann dementsprechend inspirieren lassen. Vor allem ist es ehrlich. Ehrliche Texte machen guten deutschsprachigen Reggae aus. Wenn ich jemand abnehmen kann was der da sagt wirkt das einfach überzeugender.” Kurzum, abnehmen kann man ihm seine Songs garantiert! Derzeit scheint “Papa Natty” auch schon wieder eifrig am Basteln, wie auf seiner Homepage zu lesen ist. Nach der überaus erfolgreichen Rootdown Allstars Tour 2007 erfährt man, dass er sich nun wieder verstärkt dem Songwriting widmen wird. Wir sind also gespannt und überbrücken die Zeit bis zum nächsten Album mit ein bisschen “cool stuff” des rotbetuchten Herren…

Hier also eine kleine Doku über ihn und die Rootdown Allstars. Enstanden im letzten Spätsommer in Wuppertal. Viel Spaß!

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