Die russischen Präsidentschaftskandidaten – vier Kurzportraits

Am 2. März 2008 werden in Russland Präsidentschaftswahlen stattfinden. So langsam hat sich der Name Medwedjew dahingehend im deutschen Kurzzeitgedächtnis festgesetzt. Doch nach Putin dürfte das so ziemlich alles sein, was sich dort auf Abruf befindet. Ulrich Heyden stellte ganz richtig fest, dass “Russlands Politiker im Westen unbekannter als Fußballlegionäre

praes31.jpgAm 2. März 2008 werden in Russland Präsidentschaftswahlen stattfinden. So langsam hat sich der Name Medwedjew dahingehend im deutschen Kurzzeitgedächtnis festgesetzt. Doch nach Putin dürfte das so ziemlich alles sein, was sich dort auf Abruf befindet. Ulrich Heyden stellte ganz richtig fest, dass “Russlands Politiker im Westen unbekannter als Fußballlegionäre oder Tennisspielerinnen, als Schachspieler oder Eisläufer” sind. Natürlich könnte man ketzerhaft einwenden: Wozu muss ich die Statisten kennen lernen, wenn ich weiß wer der Hauptdarsteller ist. Einerseits ist besagter Hautdarsteller nur über sein Gefolge zu verstehen, andererseits will Readers Edition den, am 2. Februar offiziell ausgerufenen Wahlkampf möglichst lückenlos begleiten. In diesem Zusammenhang ist eine kurze Porträtierung der wichtigsten Bewerber um das Präsidentenamt unerlässlich.

Verschiedene Medien, wie das Eurasische Magazin und siberianlight.net machen sich Gedanken zu den Kandidaten. Darauf fußend sollen im folgenden die vier offiziellen Präsidentschaftsbewerber kurz vorgestellt werden.

Dmitri Medwedjew * Дмитрий Медведев – Der Direktkandidat

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Der Kandidat von Putins Gnaden muss an dieser Stelle wahrscheinlich am wenigsten vorgestellt werden. Der 42-jährige Jurist Dmitri Medwedjew arbeitete schon Anfang der 90er Jahre in der Stadtverwaltung von St. Petersburg mit Putin zusammen. Seit 2002 ist Medwedjew Vorsitzender des Gasprom-Aufsichtsrats, seit 2003 Leiter der Präsidialverwaltung und seit 2005 Vizeministerpräsident. Gutmeinende Charakterisierungen in den westlichen Medien wollen in ihm den Liberalen sehen und atmeten erleichtert auf, dass mit ihm wenigstens kein “Militär” das höchste Amt Russlands erringen würde. Fest steht einzig, dass mit Medwedjew jemand aus dem “Petersburger Politbüro” (Begriff, unter dem jener “Freundeskreis” im Kreml verstanden wird, welcher in Wirklichkeit die Kontrolle über fast alle Bereiche der Gesellschaft ausübt und zu dem neben dem Verteidigungsminister Iwanow, Präsidialamtsvize Setschin, der Banker Kowaltschuk und Putin selbst gehört.) Es ist bei der Wahl des gefolgsamen Technokraten Medwedjew daher weniger wichtig, ob dieser ein eigenes Profil entwickelt oder fürderhin “Putin’s Poodle” bleiben wird. Auch Putin war innerhalb des “Petersburger Politbüros” nur nach außen die Nr. 1. Russland bekommt mit Medwedjew eine weitere Ausgabe dieses Clubs und mit ihm eine vergleichbare Politik.

Einkommen: Dmitri Medwedewew hat eine Wohnung in Moskau (Gesamtfläche 367,8 Quadratmeter), zwei Garagen und einen neunjährigen Volkswagen Golf. Das gesamte Einkommen Medwedjews in den jüngsten vier Jahren habe bei etwa sieben Millionen Rubel gelegen (etwa 194.000 Euro).

Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada, erreichte Medwedjew in der Sonntagsfrage (“Wem würden Sie Ihre Stimme geben, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre?”), 79 Prozent.

Offizielle Webseite: medvedev2008.ru

Gennadi Sjuganow * Геннадий Зюганов – Der ewig gestrige Oppositionelle

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Gennadi Sjuganow gründete 1990 die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, deren Vorsitzender er bis heute ist. Sjuganow hat Physik studiert und ist ausgebildeter Lehrer. Seit 1972 arbeitet er im Parteiapparat. Der 63-Jährige erhielt bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 landesweit 29 Prozent der Stimmen. Sjuganow brachte die Partei auf einen patriotischen Kurs. Man verehrt Stalin und wettert gegen die Nato-Osterweiterung.

Sjuganow zögerte lange, ob er überhaupt zur Wahl antreten solle, da er mit seiner Kandidatur die Legitimität der kommenden Wahl unterstützen würde. So findet sich der Kandidat der Kommunisten fast ein wenig überrascht in der Rolle der einzigen ernstzunehmenden Alternative, wenn man nicht den Kreml wählen will. Neben älteren Menschen, welche das traditionelle Wählerpotenzial der KPRF ist, werden daher dieses Jahr wohl auch Nicht-Kommunisten für Sjuganow stimmen.

Einkommen: Lag in den Jahren 2003 und 2006 bei 3,445 Millionen Rubel. Der Kommunistenführer kann dagegen weder Grundstücke noch Wohnhäuser, noch Garagen, noch Automobile sein eigen nennen.

Bei Umfragen kommt Sjuganow auf neun Prozent.

Offizielle Webseite: kprf.ru/personal/zyuganov/

Wladimir Schirinowski * Владимир Жириновский – Der Nationalistenclown

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Schirinowski mag auch noch ein Name sein, der im Westen recht bekannt ist. Der Chef der Liberal-Demokratische Partei Russlands (LDPR) liebt die Provokation. Ob es die Forderung nach der Wiederherstellung der alten russischen Grenzen von 1917 oder Wiedereinführung der Monarchie in Russland (selbstredend mit ihm als Wladimir I. auf dem Thron) sei – diese Art von Polemik hat ihm einen festen Wählerstamm im rechtsextremen Spektrum, das heißt am immer größer werdenden nationalistisch-antisemitischen Rand verschafft. Obwohl er sich als Oppositioneller gebärdet, ist dieses Aushängeschild der Nationalisten auffallend zahnlos, wenn es um Konflikte mit der Macht geht. Die Gründung seiner Liberaldemokratischen Partei wurde 1989 vom Geheimdienst KGB eingefädelt.

Einkommen: Der Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei Russlands, Wladimir Schirinowski hatte in den zurückliegenden vier Jahren wesentlich kleineres Einkommen als seine Gattin Galina Lebedewa. Laut seinen Angaben belief sich das Gesamteinkommen Schirinowskis in den Jahren 2003-2006 auf 3,641 Millionen Rubel (etwa 101.000 Euro).

In den Umfragen kommt die Partei Schirinowskis auf neun Prozent

Offizielle Webseite: ldpr.ru

Andrej Bogdanow * Андрей Богданов – Der Dabei-sein-ist-alles-Kandidat

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Bei diesem Kandidaten kann man es eigentlich kurz machen. Andrej Bogdanow ist seit 1990 Mitglied der fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit agierenden Demokratischen Partei (DP) und inzwischen ihr Vorsitzender. Nebenbei ist Bogdanow Tanzlehrer. Die DP tritt für einen Beitritt Russlands zur EU ein. Von 2002 bis 2003 leitete Bogdanow die Presse-Abteilung der Kreml-Partei “Einiges Russland”. Auch seine Demokratische Partei wurde mit dem Wohlwollen des KGB gegründet. Die Partei ist solides Rädchen in der gut geschmierten Maschine “gelenkte Demokratie”. Eigentlich also nicht der Rede wert. Einzig interessant erscheint hier der Umstand, dass er zur Wahl zugelassen wurde. Für die Zulassung zur Wahl für Kandidaten ohne Unterstützung einer Dumapartei sind immerhin 2.000.000 Unterschriften notwendig (siehe RE – Die russischen Präsidentschaftskandidaten: Mäßige Herausforderungen) Dass Bogdanow, dessen Partei bei der vergangenen Dumawahl im vergangenen Dezember stolze 0,13 Prozent errang (entspricht etwa 90.000 Stimmen) und die geforderten Unterschriften realisieren konnte, ist in etwa genauso unwahrscheinlich, wie dass es Kasjanow schaffen könnte. Kasjanow, der vorhatte, die zerstrittene Opposition zu vertreten, wurde im Vorfeld der Wahlen die Kandidatur wegen zu vieler ungültiger Unterschriften verweigert. Einem kreml-loyalen Kandidaten kann so etwas natürlich nicht passieren und daher darf Bogdanow unverbindlich mittanzen auf Russlands geschlossener Wahlveranstaltung.

In Wahlumfragen kommt Bogdanow auf weniger als ein Prozent.

Offizielle Webseite: democrats.ru
- Die angegebenen Einkommen der Präsidentschaftskandidaten nachzulesen auf russland.ru
- Die Sonntagsumfrage auf levada.ru

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Photo Quelle/Copyright: siberianlight.net (screenshot); medvedev2008.ru; kprf.ru; yandex.cc (screenshot); izvestiya.ru (screenshot)

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