Eine Stadt kämpft um ihren Ruf, wehrt sich gegen neofaschistische Gruppen, die nicht von der Bildfläche verschwinden wollen und macht Schlagzeilen mit der öffentlichen Auszeichnung einer 18-Jährigen, die nach ihren Angaben am 3. November 2007 mit einem in die Hüfte geritzten Hakenkreuz dafür bezahlen musste, dass sie einem Aussiedlerkind zu Hilfe geeilt ist. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt worden, die Chemnitzer Staatsanwaltschaft fand keine Zeugen des Überfalls und leitete gegen Rebecca K. ein Ermittlungsverfahren ein. Der Vorwurf: Vortäuschen einer Straftat.
Dennoch strömten 150 in den Ratssaal von Mittweida, das bundesweite Bündnis für Demokratie und Toleranz ließ sich nicht beirren und maß dem Vorwurf der Chemnitzer Staatsanwaltschaft keine große Bedeutung bei. Die Ausgezeichnete sagte – den Tränen nahe – danke und fügte hinzu: “Auch wegen dem Schwachsinn, den der Staatsanwalt da ´rausgehauen hat.”
Verlesen wurde ein Grußwort des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse, der erneut die Sächsische Landjugend lobte: “Ihre Initiative widerlegt die bequeme Auffassung, man könne sowieso nichts gegen Rechts tun.” Die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin Cornelie Sonntag-Wolgast zeigte sich davon überzeugt, dass Rebecca K. zu Unrecht beschuldigt werde und fügte hinzu: “Zivilcourage ist leider keine Selbstverständlichkeit in unserem Land.”
“Sturm 34″ verboten
Mittweida ist für viele eine der Hochburgen der Neonazis. Dort haben im März 2006 40 bis 50 Rechtsradikale die so genannte Kameradschaft “Sturm 34″ gegründet, die am 26. April 2007 vom sächsischen Innenministerium verboten wurde.
Vor der Feierstunde für Rebecca K. räumte Mittweidas Bürgermeister Matthias Damm (CDU) Probleme mit “30 bis 50 fehlgeleiteten Jugendlichen” ein. Seit Monaten tauchen im Veranstaltungskalender der Stadt unter dem Motto “Weltoffenes Mittweida” Termine auf, die beweisen, dass sich diese sächsische Stadt mit diesem Problem auseinandersetzt.
Hinterlistiges Treiben
Nicht alle sind damit einverstanden, dass Rebecca K. den Ehrenpreis des Bündnisses für Demokratie und Toleranz bekommen hat, beweist ein Blick ins Gästebuch der Stadt. “Diese sogenannte Heldin hat sich das Hakenkreuz selbst in den Arm geritzt und wird nun für Zivilcourage ausgezeichnet! Doch diese Zivilcourage ist nicht mehr als ein hinterlistiges Treiben von Linksextrimisten!”, hat dort jemand am 3. Februar 2008 eine Eintragung hinterlassen, die zu beweisen scheint, dass es in dieser Stadt noch viel zu tun gibt – wie für die Chemnitzer Staatsanwaltschaft, die so schnell wie möglich zu Ergebnissen kommen sollte.
- Preis für virtuelle Heldin
- Der Fall von Mittweida: Frechheit siegt
- Offenbarungseid mit Ansage
- Nach Mittweida-Schlagzeilen darf man sich bei stern.de einen Grenzgraben buddeln
- Wenigstens ein Wasserstand
die tatsache, dass die staatsanwaltschaft einem verdacht nachgeht, der jedem denkenden menschen ins gesicht springt, ist nicht gleichbedeutend mit einem “Vorwurf der Chemnitzer Staatsanwaltschaft “. gleichbedeutend mit einem vorwurf wäre eine anklage -zu der wird es hier aber, jede wette, nicht kommen, weder gegen rebecca noch gegen die angeblichen vier skinheads
diese ganze geschichte ist en trauerspiel vom ersten tag an, als die deutsche presseagentur sie unverantwortlicherweise auf diese sensationsheischende art rausgeblasen hat – wie immer ungeprüft und unreflektiert