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Politik

Wahlforscher: “Parteien sind in den USA sehr schwache Organisationen”

Freitag, den 8. Februar 2008 um 20:48 Uhr von Felix Kubach

Für viele Wähler die Idealvorstellung. Photo: azrainman

Auffällig ist die starke Emotionalisierung des Wahlkampfes in den USA. Man könnte fast den Eindruck bekommen, nicht die Themen stünden mehr im Vordergrund, sondern nur noch die charismatische Ausstrahlung der Kandidaten, ähnlich wie bei Popstars. Dr. Kai Arzheimer, seines Zeichens Wahlforscher an der University of Essex, im Interview.

RE: Würden Sie diesen Eindruck teilen? War das schon immer so oder ist es heute anders als früher?

Arzheimer: Parteien sind in den USA sehr schwache Organisationen, und Kandidaten sind sehr wichtig. Das war aber bereits in früheren Wahlkämpfen so. Von Bedeutung sind jedoch nicht nur das “Charisma”, sondern auch der Charakter der Kandidaten, die politischen Ziele, für die sie persönlich stehen, und die sozialen Gruppen, die sich ansprechen und repräsentieren können.

RE: Nach welchen Kriterien entscheiden Wähler im Allgemeinen? Ist es tatsächlich so, dass Wähler sich viel stärker von Emotionen leiten lassen, als auf die eigentlichen Inhalte einer Partei, also auf das Wahlprogramm zu achten?

Arzheimer: Wähler sind von langfristigen Parteibindungen, inhaltlichen Aussagen und sonstigen Merkmalen der Kandidaten beeinflußt. Die US-Parteien sind programmatisch-ideologisch wenig festgelegt, wichtiger ist, wofür eine Partei grundsätzlich steht und welche Aussagen (beispielsweise zur Legalisierung von Immigranten oder zum Irak-Krieg) ein Kandidat persönlich macht.

RE: Gibt es einen Unterschied im Wahlverhalten der Amerikaner zu bspw. den Deutschen?

Arzheimer: Die bestehenden Unterschiede sind vor allem strukturell zu erklären: das Präsidialsystem stellt die Person, nicht die Partei in den Vordergrund. Koalitionen sind unbekannt; anders als in vielen europäischen Staaten gibt es kein ideologisch strukturiertes Mehr-Parteien-System.

RE: Wie hoch bewerten Sie den Einfluß auf das Wahlverhalten, wenn etwa ein Ted Kennedy dem Demokraten Barack Obama den Rücken stärkt?

Arzheimer: Der Einfluß der Kennedy-Familie innerhalb der Partei ist immer noch erheblich, dürfte sich aber auf die parteiinternen Vorwahlen beschränken.

RE: Ergeben sich für den Wähler Nachteile aus einer allzu starken Personalisierung der Politik?

Arzheimer: Wenn es nur darum ginge, wer schöner für die Kameras lächeln kann, wäre dies ein offensichtlicher Nachteil. Tatsächlich geht es in den Kampagnen aber auch ganz zentral um die Frage, welche Positionen der zukünftige Amtsinhaber vertreten und wer sich von ihr oder ihm repräsentiert fühlen wird. Anders als die Bundeskanzlerin wird der Präsident nicht vom Parlament, sondern vom Volk gewählt. Eine gewisse Personalisierung ist deshalb unerläßlich.

RE: Obama jagt selbst wenig politisch Interessierten einen Gänseschauer über den Rücken und wurde im Laufe des Wahlkampfes immer stärker. Ist er der beste Wahlkämpfer? Welche Qualitäten bringt er mit, die ihn auszeichnen?

Arzheimer: Obama ist jung, unverbraucht, wirkt authentisch. Anders als Clinton repräsentiert er eine neue Generation. Seine Wahl zum Präsidenten würde von vielen als Zeichen dafür verstanden, daß das Trauma der Sklaverei und der Rassenkonflikte endlich überwunden ist. Andererseits fehlt ihm der Reichtum an Erfahrung, die Clinton als aktive Politikerin, aber auch als Wahlkämpferin gesammelt hat.

Interview: Felix Kubach

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Photo Quelle/ Copyright: azrainman, cc creative commons, Namensnennung 2.0, (via flickr)

Kai Arzheimer arbeitet als Wahlforscher am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz und an der University of Essex.

Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Sonderbereich “US-Wahlen” auf der Startseite.

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2 Reaktionen zu “Wahlforscher: “Parteien sind in den USA sehr schwache Organisationen””

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  1. Habib Kriaa

    am 3. März 2008 um 23:40 Uhr | Link | Kommentar melden

    Es ist von großer bedeutung für America und die Welt daß Obama gewinnt
    davon bin ich überzeugt das dieser Mann unsere Politische welt umkrempeln wird…

  2. Online Interview on primaries « Political Science & Politics

    am 15. März 2008 um 00:59 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Online Interview on primaries March 14, 2008 at 11:30 pm | In Uncategorized | Tags: Clinton, Obama, primaries, USA, voting  While I’m not an expert on US politics, I was recently “interviewed” online (in writing) on the US primaries (in German). […]

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