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“Design zieht Aufmerksamkeit” – Gedankensaat im Web

Dienstag, den 12. Februar 2008 um 19:10 Uhr von nicole oppelt
“Design transportiert Informationen kinderleicht”.
Illustration: Martin Armbruster

In den meisten Fällen macht sich “Otto-Normal-Verbraucher” nicht allzu viele Gedanken über das Thema Gestaltung. Funktional und schnell durchschaubar soll sie sein, ansprechend das Äußere anmuten. Denken wir weiter, dann hat das Design sogar manchmal einen verbindenden oder symbolischen Charakter. Doch auf alle Fälle soll es unsere Aufmerksamkeit erregen. Ganz gleich, wo wir uns befinden, es begegnet uns immer – zwangsläufig.

Konfrontation mit dem Gewohnten

Eigene Reflexionen sind allerdings eher die Ausnahme. Nun jedoch scheint es an der Zeit für eine Kehrtwende. Denn womit sich sonst nur Fachleute beschäftigen, taucht jetzt in den Weiten des World Wide Webs auf. Junge Designer und Illustratoren konfrontieren uns mit ihren Ansichten über Gestaltung.

Ihr Weg ist einfach, aber effektiv. Formiert im Projekt “1000 Pixel Design” starten die Initiatoren Meike Eckstein und Robert Schwermer zusammen mit fünf Illustratoren derzeit eine Großoffensive und platzieren auf verschiedenen Seiten im Internet einschlägige Banner mit ihren Statements zum Thema “Design”.

Spontan wollen sie die User mit ihren Aussagen konfrontieren.

In kleinen Szenen oder anhand von Geschichten fordern sie zur kritischen Auseinandersetzung auf. Dabei dringen sie nicht nur in unsere alltägliche Lebenswelt ein, sondern suchen auch, etwa mit den Mitteln der Ironie, ein differenziertes Bild von Design zu schaffen.

“Design dient dem menschlichen Körper” heißt es da oder “Design wirkt emotional”, aber auch “Design zieht Aufmerksamkeit” ist auf Seiten wie zum Beispiel arphenotype.org oder volckswirtschaft-berlin.de mittlerweile zu sehen und natürlich auch zu lesen. Dabei geht es darum, sich einmal bewusst zu machen, worum es bei Design überhaupt geht. Es muss unseren körperlichen Ansprüchen gerecht werden, etwa bei Möbeln oder Kleidung. Es muss auf unsere Psyche wirken – gerade wenn es um Werbung geht. Es schafft einheitliche Erscheinungsbilder, zum Beispiel durch ein Vereinslogo. Es vermittelt uns Vorstellungen, wenn wir etwa an den Adler auf einer Harley denken. Es transportiert Informationen und hilft uns oftmals auch ohne Worte das Richtige zu tun.

Und, das ist vielleicht das Entscheidenste: Es wird sehr gerne und gezielt eingesetzt, um die Menschen aus ihrem “dösigen” Zustand zu holen. Die Initiatoren erklären das wie folgt: “Besonders in Ballungsräumen und dort, wo viele verschiedene Gegenstände gleichzeitig auftauchen, geht das Wettrennen um die höchste Beachtung los. Werbeplakate konkurrieren miteinander, die Schilder von Geschäften tun dies oder auch einzelne Menschen, die auf sich aufmerksam machen wollen. Und dann gibt es da ja auch die Verkehrszeichen, die auch nicht übersehen werden dürfen! Besonders im Internet übertreffen sich die auffälligen Werbebanner gegenseitig und machen aus manchen Seiten kleine ‘Discos’…” Discospielen scheint zwar nicht ihre Intention, ihre Hoffnung allerdings: Durch ihre kleinen, teils animierten, teils farbenfrohen Banner das Thema wieder in unser Bewusstsein rücken.

Als kleineres Folgeprojekt von “60 Sekunden Design“, das 2007 als Ausstellung konzipiert und im Rahmen der Plan 07 sowie in Kooperation mit dem Museum für Angewandte Kunst Köln (MfAK) umgesetzt wurde, sind sie nun also wieder ganz im Zeichen der Kunst unterwegs. Auch damals schon ging es den Machern darum, einem breiten Publikum Design im öffentlichen Raum zu vermitteln. Vom 28. Februar bis zum 9. März ist es dann erneut soweit: Das aktuelle Projekt ist auf dem “Designparcour” München zu sehen. Für zehn Tage und Nächte öffnen sich dort die Kreativstätten, Designschmieden und Institutionen für einen regen Austausch zwischen Szene, Öffentlichkeit und Fachpublikum.

Übrigens, Teil des Projekts kann jeder werden. Ganz gleich, ob es sich um die Webpräsenz des Kiosks um die Ecke, das eigene Blog oder ein anderes Internetprojekt handelt. Je mehr Verbreitung, desto mehr Reflexion…

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