Radaropfer packt aus: “Keiner informierte uns”

Artikel von Rolf Froböse vom 12.02.2008, 15:23 Uhr im Ressort Kultur | No Comments

vaterla.jpgDas Luftabwehrsystem HAWK wurde Anfang der sechziger Jahre in Betrieb genommen und war lange Zeit ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Luftverteidigung. Die Radargeräte des HAWK-Systems senden elektromagnetische Felder in Form eines scharf gebündelten Strahls aus. Unumstritten ist, dass Bundeswehr-Radaranlagen bei Bundeswehr-Personal [1] Krebs ausgelöst haben. In der Öffentlichkeit hat das Thema der Erkrankungen von Radartechnikern der Bundeswehr in der jüngeren Zeit viel Beachtung gefunden. Bei der Bundeswehr haben seit ihrer Gründung mehrere Tausend Radartechniker an Radargeräten gearbeitet, von denen eine größere Zahl schwer erkrankt ist.

Zu den Radaropfern gehört auch der heute in Umbrien (Italien) als Psychologe tätige Buchautor Uli Borsch, der jetzt ein Kapitel seines Lebens öffnet und Tacheles redet. Sein neuestes Buch “[2] Dank des Vaterlandes” ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Verantwortungslosigkeit und vorauseilenden Gehorsam.

Gefahren wurden außer Acht gelassen

Hierzu der Autor: “Als zwanzigjähriger junger Mann ging ich freiwillig zur Bundeswehr. Ein Entschluss, der geprägt war durch finanzielle Anreize und der Aussicht, zur Ausbildung in die USA reisen zu können. Das Flugabwehrraketensystem erschien mir als Herausforderung gerade richtig, denn ich ging davon aus, dass es sich um hochtechnisierte Waffensysteme handelte. Dass dies nicht zutraf erfuhr ich erst später, am eigenen Leibe, im wahrsten Sinne des Wortes.”

Sein Vorwurf: Das Hawk-System sei veraltet und hinke den technischen Möglichkeiten weit hinterher. Hinzu sei dann eine Geräteausbildung, in Deutschland wie in den USA, gekommen, die die Gefahren im Umgang mit alten Röhrengeräten völlig außer Acht ließ. Oberflächliche Sicherheitsbestimmungen und mangelnde Information über die Folgen einer ständigen Bestrahlung taten hierzu ihr Übriges.

Gesundheitliche Schäden als Folge

Nach vielen Jahren wurde ihm bekannt gegeben, dass er an Blutkrebs (Leukämie) erkrankt sei. Die Aussichten auf Heilung standen nicht sehr positiv. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich der Krankheit zu stellen und auf die behandelnden Ärzte im Hospitale Monte Luce in Perugia, Italien lzu vertrauen, die in seinen Augen “wahre Wunder” leisteten.

“Dieses Buch ist eine Aufzeichnung meines Weges und meiner Gedanken. Das erste Mal, dass ich mich mit dem Tod und dem Sterben beschäftigte, das erste Mal, dass ich mich mit einer Krankheit beschäftigte, die in erheblichem Maße im Kopf ausgekämpft wird, ein Disput mit dem Krebs, der in mir sein Unwesen treibt”, schreibt er in seinem Resümee, das im Anhang durch Berichte anderer Geschädigte und ihrem ganz eigenen Weg ergänzt wird. “Ich verstehe es auch als Mahnung und Warnung für jüngere Generationen, sich nicht in die Hände solcher Menschen zu begeben, deren Verantwortungslosigkeit eine Manifestation für die Sinnlosigkeit des Militärs und der Dekadenz unserer Politiker ist”, mahnt er abschließend.

Das Buch “Dank des Vaterlandes. Bleibt unser Leiden nur eine Aktennotiz der Bundeswehr?” ist jetzt im [3] Verlag Reinhold Liebig, CH -8500 Frauenfeld, erschienen. ISBN: 978-3-9523363-6-6.


Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de

Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2008/02/12/radaropfer-packt-aus-keiner-informierte-uns/

Links im Artikel:
[1] Krebs ausgelöst haben: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2001/t_cid-2923118_.html
[2] Dank des Vaterlandes: http://www.uliborsch.de/literatur/eigene.html
[3] Verlag Reinhold Liebig: http://www.liebig-buchshop.de/index.php?cat=c5_Neuerscheinungen.html

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