Eine Firewall namens Ohio und Texas

Der Mann am Mikrophon sagt: “Wir bringen Demokraten und Unabhängige zusammen, und ja, auch einige Republikaner. [..] Dort drüben ist einer, ein Obamacan, wie wir sie nennen. Und sie flüstern mir zu. Sie sagen: (der Mann am Mikrophon beugt sich kurz zum Mikrophon und spricht leise) ‘Barack, ich bin ein

obamafaireyDer Mann am Mikrophon sagt: “Wir bringen Demokraten und Unabhängige zusammen, und ja, auch einige Republikaner. [..] Dort drüben ist einer, ein Obamacan, wie wir sie nennen. Und sie flüstern mir zu. Sie sagen: (der Mann am Mikrophon beugt sich kurz zum Mikrophon und spricht leise) ‘Barack, ich bin ein Republikaner, aber ich unterstütze dich’ (Applaus und Gelächter ertönt, der Mann richtet sich wieder auf) Und ich sage (der Mann beugt sich wieder vor, grinst und sagt leise): ‘Danke schön’.”

Der Mann am Mikrophon ist Barack Obama und das Beschriebene ist Teil seiner Rede nach den gestrigen so genannten Potomac Primaries. Die Vorwahlen in Virginia, Maryland und Washington D.C. heißen so, da der Fluss durch alle drei Staaten fließt. Und nach den Ergebnissen hat Obama gut lachen. Ein klarer Clean Sweep (Übersetzbar ungefähr mit “Reinem Tisch”) ist ihm da gelungen, alle drei Staaten gingen an ihn. Und dank dieser Siege ist es ihm seit der ersten Vorwahl in Iowa das erste Mal gelungen, Hillary Clinton in der Zahl der gesammelten Delegierten inklusive der Superdelegierten zu überholen.

Obama der Mann des Moments – auch der Mann des Momentums?

Eine Vorentscheidung oder gar der Sieg in der Präsidentschaftskandidatenkür der demokratischen Partei ist das aber noch lange nicht. Doch wenn man zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der Zeichen und Ereignisse eine Prognose erstellen müsste, würde es leichter fallen, Obama als Sieger zu sehen.

Da ist zum einen sein momentanes Momentum. “The Big Mo” nennen es die US-Amerikaner, wenn ein Kandidat, beflügelt durch eine Ansammlung früher Erfolge so viel Rückenwind erlangt, dass ihm weitere Staaten, Stimmen und damit auch Delegierte zufallen und ihm so die Kandidatur gesichert wird. Dieses Momentum ist bislang ausgeblieben, auch deshalb bleibt es so spannend. Doch zur Zeit hat es zumindest den Anschein, als könne ein “Little Mo” die Stimmung zugunsten Obamas beflügeln. Seit dem 5. Februar, dem SuperDuperTuesday, haben sieben Vorwahlen stattgefunden und alle hat Obama gewinnen können. Gewiss – keiner dieser Staaten ist ein Staat mit ausnehmend vielen Delegierten, aber entscheidender für die Frage des Momentums ist, dass Obama seit nahezu zehn Tagen als Sieger auftreten kann – jedesmal wenn gewählt wurde. Und die nächsten beiden Vorwahlen am 19. Februar finden in Hawaii (Obama wurde hier geboren) und Wisconsin statt – und in beiden scheint der Sieger ebenfalls Obama zu lauten, jedenfalls nach den bisherigen Umfragen und Prognosen.

Und die gestrigen Wahlen brachten noch ein weiteres Detail mit sich, das Obama Schwung geben dürfte: Erstmals gewann er auch in Hillary Clintons treusten Wählergruppen. Laut der Exit Polls waren seine Stimmzuwachse bei den Frauen, den Weißen, den Alten, den Armen und auch den Hispanics deutlich – teilweise konnte er sogar in diesen Wählergruppen, die bei den anderen Vorwahlen alle deutlich Clinton unterstützen, die Mehrheit der Stimmen gewinnen. Ein Anlass zur Sorge für das Clinton Lager.

Und Hillary? Scheint angeschlagen

Zum anderen gibt Clinton zur Zeit kein besonders gutes Bild ab. Erst wurde ihre Wahlkampfmanagerin vor zwei Tagen ersetzt, gestern trat dann noch der Vizewahlkampfmanager zurück. Die bislang prall gefüllte Wahlkampfkasse wird immmer schmaler, offenbar sah sich Hillary gezwungen fünf Millionen US-Dollar aus dem eigenen Portemonnaie zu nehmen, um nicht völlig pleite da zustehen. Doch ihre weiterhin nicht unberechtigte Hoffnung, das Rennen doch noch zu gewinnen, hat einen Namen, besser gesagt zwei: Ohio und Texas. In diesen beiden Staaten wird am 4. März gewählt und in beiden hat sie gute Chancen zu gewinnen. Umfragen sehen sie mit teilweise deutlichem Abstand vorne. Und im Gegensatz zu den Staaten, in denen Obama in den letzten Tagen gewinnen konnte, gibt es in Ohio und Texas viele Delegierte zu gewinnen. Ähnlich ist das in Pennsylvania, hier wird zwar erst am 22. April gewählt, aber es gibt viele Delegierte und Clinton lag bei den letzten Umfragen vorne. Und wenn man eins von den Clintons weiß, dann das: Die erprobten Kämpfer geben nicht so schnell auf.
Doch die Hoffnung hat einen bitteren Beigeschmack: Clinton muss in diesen Staaten gewinnen. Deswegen werden sie innerhalb ihres Lagers auch Firewall genannt – wenn alles schief läuft, so die Rechnung, hat sie hier noch einmal die Möglichkeit den Konkurrenten aufzuhalten, ihn zu stoppen. Eine Niederlage oder auch ein sehr knapper Sieg am 4. März und ihre Chancen wären wohl dahin.

Obama richtet derweil sein Augenmerk auf McCain

Und während Clinton um den Sieg fürchtet, beginnt Obama mit dem, was in der anfangs zitierten Passage aus seiner Rede deutlich wird: Er richtet seine Aufmerksamkeit auf John McCain, den designierten Kandidaten der Republikaner. Dieser sei unbestritten ein amerikanischer Held, so Obama gestern, und er empfinde tiefsten Respekt vor McCain und dem, was der in Kriegsgefangenschaft gefolterte Republikaner für sein Land getan habe, doch das ändere nichts daran, dass dessen politische Rezepte die von gestern seien. Und auch wenn es am 4. November zum Glück nicht um George W. Bush ginge (lang anhaltender Jubel seitens der Zuhörer an dieser Stelle), so ginge es doch um die gleiche Politik. Bush selbst stünde nicht auf dem Wahlzettel, doch sein Krieg und seine Steuersenkungen für Reiche ständen auf dem Wahlzettel. Und McCains Ankündigung, noch weitere 100 Jahre im Irak bleiben zu wollen, so Obama, sei Grund genug, ihn nicht mal für vier Jahre ins Weiße Haus zu lassen.

Hier die Gesamtrede nach den gestrigen Vorwahlen, die Anfangs zitierte Stelle findet sich nach ca. einer Minute:

Und ein kleines Beispiel der Obamamania: Yes we can – eine von Obamas Reden wurde von diversen Musikern vertont:

Photo Quelle/ Copyright: Steve Rhodes, cc creative commons
Namensnennung – NichtKommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen (via flickr)

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