Jessica Müller lebt in einem Kinderheim, die Schweigespirale dreht sich immer weiter, obwohl die Beteiligten jede Zeile dieser Artikelserie kennen. Gelingt mit diesem offenen Brief der Sprung über die Mauer des Schweigens?
Herrn
Oberbürgermeister
Norbert Bude
Rathausplatz 1
41061 Mönchengladbach
14. Februar 2008
Sehr geehrter Herr Bude,
leider haben Sie bis heute nicht auf meine Anfrage zum Schicksal des Heimkindes Jessica Müller aus Mönchengladbach reagiert. Wie Sie wissen, lebt die Zehnjährige seit vier Jahren in einem Kinderheim. Wenn es nach dem Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt ginge, würde Jessica auf unabsehbare Zeit in dem Heim bleiben, auch das Jugendamt und die Heimleitung verfolgen offenbar dieses Ziel.
Seit einigen Wochen bekommt die Zehnjährige “Risperdal“. Dieses Medikament ist Jessica von einem Kinderarzt aus Geldern verordnet worden. Über “Risperdal” steht bei Wikipedia: “Risperidon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Neuroleptika, die in der Psychiatrie als Antipsychotikum verwendet werden. Unter den umsatzstärksten Arzneimitteln Deutschlands belegte das Risperidon-haltige Präparat Risperdal® im Jahr 2005 den sechsten Platz. Risperidon wird häufig als Atypisches Neuroleptikum bezeichnet, da die Nebenwirkungen auf das extrapyramidalmotorische System geringer sein sollen als bei anderen Neuroleptika. Es gibt Studien, die versuchen dies zu belegen, aber auch Studien, in denen dies zur Diskussion gestellt wird. Zugelassen ist Risperdal in Deutschland ab 16 Jahren. Nur im Indikationsgebiet ,Verhaltensstörungen bei Intelligenzminderung‘ können auch Kinder ab 5 Jahren behandelt werden.”
Zweifelhafte Verordnung
Jessica besucht inzwischen die vierte Grundschulklasse. Die Zeugnisse, die mir vorliegen, enthalten keinen Hinweis, dass die Zehnjährige unter einer “Intelligenzminderung” leidet. Vor diesem Hintergrund ist diese Medikamentenverordnung also mehr als zweifelhaft.
Festzustellen bleibt weiterhin, dass es Jessica in dem Heim immer schlechter geht. Meine entsprechenden Nachfragen sind auch von diesem Heim nicht beantwortet worden. Ich laufe also überall gegen eine Mauer des Schweigens.
Bei Gesprächen mit den Eltern allerdings scheinen Jugendamt und Heimleitung immer bestens informiert zu sein, darauf sind diese beiden Einrichtungen offenbar so stolz, dass sie gestern bei einem Termin mit Sabine und Frank Müller gleich mit sechs Leuten aufgetreten sind, die einmal auf Zuckerbrot und dann wieder auf Peitsche setzen.
Kommen ins Rathaus
Ich stehe in ständigem telefonischem Kontakt mit Jessicas Eltern und als ich erfuhr, was sich gestern zugetragen hat, bot ich eine Vermittlerrolle an. Doch mein Gesprächsangebot, heute übermittelt von Jessicas Vater, wurde von der Jugendamts-Mitarbeiterin Swetlana Karlej abgelehnt. Auf die Ankündigung, dass wir nun erneut Sie einschalten werden, reagiert schon lange niemand mehr.
Deshalb bitten Frank Müller und ich Sie als Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach um einen Gesprächstermin. Wir schlagen Ihnen drei Termine vor: 22. Februar, 12 Uhr, 25. Februar, 12 Uhr, 28. Februar, 12 Uhr.
Sicherlich ist es Ihnen möglich, uns einen dieser drei Termine zu bestätigen. Sollten Sie wieder nicht reagieren, werden Frank Müller und ich am 28. Februar im Rathaus erscheinen und so lange dort warten, bis Sie sich um uns kümmern.
Niemand will die Mauern des Mönchengladbacher Rathauses einreißen – nur die Mauer des Schweigens soll endlich fallen. Damit wäre einem Kind gedient: Jessica aus Mönchengladbach.
- Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken (XII)
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Das Verhalten der besagten Einrichtungen ist ein Armutszeugnis für den Schutz der Kinder in Deutschland.
Offenbar versucht hier das zuständige Jugendamt und die Gerichte mit aller Gewalt das falsche Kind zu schützen, dieser blinde Aktionismus schadet nur dem Kind und den Eltern. Das Jugendamt sollte lieber die richtigen Kinder schützen, nämlich die die von ihren Eltern vernachlässigt werden und womöglich verhungern.
Ich wünsche mir für Jessica und deren Eltern einen glücklichen Ausgang dieses sprichwörtlichen Horrortrips.