Schildbürger sagt uns was. Da denken wir sogleich an Leute, die sich dumm anstellen, die Sonnenlicht mit Eimern in ein Gebäude ohne Fenster tragen beispielsweise, doch einige wissen auch, dass sich diese Leute nur dumm gestellt haben. Dafür sorgten die Schildbürgerinnen, die ihre Männer nur selten zu Gesicht bekamen, weil diese als hoch angesehene Handwerker immer wieder von auswärtigen Auftraggebern angeheuert wurden. Also ruinierten die Männer auf Geheiß ihrer Gemahlinnen ihren guten Ruf und durften fortan zu Hause bleiben.
Vor einigen Jahren ist Schilda an die Nordsee verlegt worden. Dort wird seit geraumer Zeit zwar kein Rathaus ohne Fenster geplant, dafür aber ein Containerhafen, der inzwischen rund eine Milliarde Euro verschlingen wird. Da kommt es auf ein paar Millionen mehr oder weniger offenbar nicht mehr an.
Noch weiß niemand, ob dieser JadeWeserPort (JWP) jemals gebaut wird, doch in Wilhelmshaven tut man immer wieder einmal so als ob es morgen bestimmt losgehen könne. Dafür müssen öffentlichkeitswirksame Aktionen her.
Alles platt gemacht
Eine startete der Oberbürgermeister im Jahre 2005, als am Sandstrand im Stadtnorden alles verschwand, was Touristinnen und Touristen hätte weiter anlocken können: Platt gemacht wurden der Campingplatz, das Strandlokal, der Kiosk mit Toiletten und der Minigolfplatz. Begründung: In diesem Jahr ist Baubeginn für den JadeWeserPort.
Dabei verließen sich die Schildbürger von der Jade auf entsprechende Ankündigungen von Politikern aus Hannover und Bremen, die für dieses Milliardenprojekt verantwortlich zeichnen. Einen Betreiber hatten sie gefunden, jemanden, der für das erste Baulos zuständig sein sollte, fanden sie auch. Das fanden allerdings Richter aus Celle nicht so gut. Sie kippten die Auftragsvergabe, weil sie diese stümperhaft fanden. Also bekam eine Firma den Zuschlag, die von dem JWP-Projektleiter schon lange für die Bessere gehalten worden war. Aber, ach und wehe, diesen Projektleiter hatte man da schon in die Wüste geschickt.
Schon längst in die Wüste geschickt wurde auch eine Frau, die sich um die Wirtschaftsförderung in Wilhelmshaven kümmern sollte. Die hatte eine geradezu geniale Idee für eine ebenfalls öffentlichkeitswirksame Aktion und schlug für den Stadtnorden eine Info-Box vor, damit sich jedermann über die Fortschritte kundig machen könne, die dieser Containerhafen gar nicht macht.
Vier Männer mit Spaten
Jetzt eilten vier Männer – die Namen tun nichts zur Sache – mit Spaten in den Norden der Stadt und posierten für ein Foto, das von der Lokalzeitung heute mit der Überschrift “Infobox macht den Weg frei” versehen wurde.
Was sie da in den Sand setzen wollen, ist den meisten Bürgerinnen und Bürgern von Wilhelmshaven schon lange klar, hinter vorgehaltener Hand lacht man sich hierzustadt nur noch ins Fäustchen über diese Schildbürger, die sich entweder nur dumm anstellen oder aber…
Zwischendurch hört man, dass es sofort den ersten Rammschlag gebe, wenn Richter aus Lüneburg die letzten Klagehürden aus dem Weg geräumt haben. Das ist aber auch so eine merkwürdige Geschichte: Vor einigen Monaten hat ein Sprecher dieses Gerichtes verkündet, dass im Januar 2008 mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Fragen, warum das nicht geschehen ist, darf man aber wohl nicht. Dazu ist mir jede Auskunft verweigert worden.
Im Jahre 2010 soll der JadeWeserPort fertig sein, hat sich bis November 2008 nichts getan, verfallen 50 Millionen Euro von der EU. Die Baukosten sind bereits um 65 Milllionen Euro gestiegen und werden mit jeder Verzögerung weiter steigen.
Aus Hannover verlautet hin und wieder, dass Pannen dieser Art passieren können, weil man noch nie ein derartiges Projekt habe planen müssen.
Inzwischen haben so viele ihren guten (?) Ruf ruiniert, dass sie alle zu Hause bleiben dürfen. Die einen in Wilhelmshaven, andere in Hannover und Bremen…
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