Im Interview: Kommunikationstrainerin Carmen Hentschel

Auf die Kommunikation kommt es heute im Business an. Ob als Berufseinsteiger oder als Führungskraft – wer die Kunst beherrscht, zu anderen Menschen eine gute Verbindung aufzubauen hat schon gewonnen. Deshalb sprach ich mit der Kommunikationstrainerin Carmen Hentschel aus Köln. Gleichzeitig spielt sie als ausgebildete Schauspielerin im TV und auf

hentsch.jpgAuf die Kommunikation kommt es heute im Business an. Ob als Berufseinsteiger oder als Führungskraft – wer die Kunst beherrscht, zu anderen Menschen eine gute Verbindung aufzubauen hat schon gewonnen.

Deshalb sprach ich mit der Kommunikationstrainerin Carmen Hentschel aus Köln. Gleichzeitig spielt sie als ausgebildete Schauspielerin im TV und auf der Bühne, moderiert Galas, interviewt Prominente, tritt mit Comedy und Improtheater auf, ist eine ausgezeichnete Köchin, geht mindestens einmal im Jahr alleine auf Expeditionstour ins Ausland und und und oder einfach: ein Überraschungsei besonderer Dimension!

Brackmann: Du bist im Umgang mit neuen Menschen geschult: wie können Menschen ihre beruflichen Beziehungen verbessern?
Hentschel: Zuerst einmal versuche ich die Schnittstellen herauszufinden zwischen dem Gegenüber und mir, das heißt ich schaue, wo unsere Gemeinsamkeiten liegen. In der Vergangenheit, in unserer Jetzt-Situation, in unserer Zielsetzung. Das beinhaltet viele Faktoren, wobei ich versuche, so persönlich wie möglich ins Gespräch zu gehen. Damit meine ich keinesfalls privat, da ist ein großer Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Aber jeder Mensch ist doch ein Individuum und möchte auch so wahrgenommen und gewertschätzt werden.

Wen habe ich vor mir, was ist sind seine Motivationen?

Meine Maxime ist, dass beide Seiten am Ende die Begegnung als einen Gewinn ansehen. Damit ist eine wichtige Voraussetzung geschaffen für eine dauerhafte Zusammenarbeit.

Brackmann: Was rätst Du speziell Berufsanfängern?
Hentschel: Viele Berufsanfänger wissen noch nicht genau wohin sie wollen und wer sie sind. Im Marketing nennt man das Wissen darum “USP – unique selling proposition”. Die Frage, die sich Jeder stellen sollte, der ein berufliches Ziel verfolgt lautet deswegen “was macht mich unverwechselbar, was ist mein Alleinstellungsmerkmal?” Manche fangen aus Unsicherheit an zu schauspielern – das ist ein Fehler. Sie interpretieren in das Gegenüber hinein, was es wollen könnte stattdessen sie konkret auf das Gegenüber eingehen und auf seine Reaktionen achten. Welche Eigenschaften, Kenntnisse, Produkte, Informationen, die ich besitze, sind für mein jeweiliges Gegenüber interessant? Es gibt eine Fülle von Signalen die uns das Gegenüber sendet, und wer sie richtig lesen kann ist in der Lage eine individuelle, persönlich passende Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Man sollte sich darüber hinaus jedoch vor Augen halten: Es ist nicht wichtig, bei Jedem gut anzukommen und immer gefallen zu wollen. Der Umgang mit Menschen funktioniert nur, wenn ich authentisch bin. Und manchmal kann man ganz in Frieden feststellen, dass man eben einfach nicht zusammen passt, das ist auch völlig OK.

Für Berufsanfänger heißt das: suche eine Firma, die zu Dir passt.

Statt Zeit und Geld nur in eine Masse an Bewerbungen zu stecken, einen Teil der Zeit besser investieren sich genau mit potentiellen Firmen zu beschäftigen. Wie wirkt die Homepage auf mich? Gefällt mir persönlich die Selbstdarstellung der Firma? Wenn ja, warum? Mag ich es eher kreativ und verspielt, oder eher straight und sachlich? Wenn es Fotos von der Geschäftsführung, Mitarbeitern auf der Homepage gibt: sind das Menschen, mit denen ich gerne den ganzen Tag verbringen würde, sind sie mir sympathisch?

Seit einiger Zeit ist “Jemanden googeln” ein Begriff geworden, auch Personalentscheider googeln manchmal die Bewerber. Natürlich kann der Bewerber das Gleiche tun, und zwar nicht nur Informationen über die Firma allgemein (in welchen Verbänden und Businessnetzwerken ist sie aktiv, was stand über sie in letzter Zeit in der Presse etc.) sondern auch potentielle Gesprächspartner und die Geschäftsführung. Vielleicht findet man heraus, dass der Chef gebürtiger Oldenburger ist, wie man selber auch, und es beide inzwischen beruflich nach München gezogen hat. Damit hat man eine persönliche Gemeinsamkeit über das Berufliche hinaus. Wir mögen schließlich alle Menschen, die etwas Vertrautes haben. Oder das Gegenüber taucht in der Liste der Läufer des letzten Stadtmarathons auf. Wenn man selber auch läuft, oder man hat auch nur den Bruder beim letzten Lauf begleitet, hat man ein gemeinsames Interessengebiet über das man sprechen kann. Man muss das nicht im Gespräch einbringen, aber man kann wenn es sich ergibt. Vielleicht öffnen sich dadurch Türen, da sich auf einmal zwei Menschen miteinander unterhalten fernab vom Beruf. Im Film könnte der Off-Sprecher an dieser Stelle sagen: “…und das war der Beginn von etwas Wunderbarem”.

Brackmann: Warum ist Kommunikation in der Schauspielerei so wichtig?
Hentschel: Begabung und eine gute Ausbildung sind ein Standbein. Davon ausgegangen, dass die Arbeitsleistung selbstverständlich gut ist, gibt es aber auch noch den Sympathiefaktor, auch “Gönnfaktor” genannt. Ich mag Jemanden und würde ihm deswegen den Job gerne geben und auch gönnen. Das kann ich durch eine gute Kommunikation mit meinem Gegenüber beeinflussen. Natürlich bekommt Keiner einen Job, nur weil er so sympathisch ist. Aber es kann das Zünglein an der Waage sein, wenn die Entscheidung knapp wird. Jeder arbeitet gerne mit einem Menschen zusammen, der nicht nur sein Handwerk beherrscht, sondern den er auch gerne um sich hat. Weil er sich gut mit ihm versteht und eine Verbindung zueinander gefunden hat.

Brackmann: Was können Nachwuchskünstler selber für ihren Erfolg tun?
Hentschel: Sich selbst als Ein-Mann-Unternehmen sehen. Mit den Abteilungen Buchhaltung, PR und Marketing. Wenn man nicht zu einer sehr guten Agentur kommt, die richtig aktiv wird für einen und interessante Jobs für das ganze Jahr vermittelt, muss man selber aktiv werden. Wie soll mich Jemand als Musiker, Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Tänzer kennen? Stell Dich den Menschen der Branche vor, sprich mit so Vielen wie möglich und finde heraus: was haben die Menschen gemeinsam, mit denen Du einen guten Draht hast und die Dich voranbringen? Was erwarten sie von Dir? Dann suche gezielt nach solchen Menschen, die Dir gut tun, mit denen Du “gut kannst” und die Dich fördern. Bilde Dich fort, werde immer besser. Sorge dafür, dass Dein Name bekannt wird. Bill Gates hat es mal so formuliert: “ohne Werbung wäre ich Millionär”.

Brackmann: Welchen Tipp hast Du für Young Professionals?
Hentschel: Warte nicht ab bis ein Seminar zufällig in Deinen Fokus fällt: Suche Dir selber Jemanden, der Dir ein Vorbild ist, von dem Du lernen kannst für Deinen Beruf. Welche Fähigkeiten und Kenntnisse möchtest Du noch weiter ausbauen? Wer kann Dir helfen, richtig gut zu werden in Deinem Job? Frage die Person, ob Du sie buchen kannst, organisiere einen Raum. Tue dich mit anderen zusammen und teilt Euch die Kosten.

Brackmann: Du berätst auch Manager in Kommunikationsfragen. Was passiert bei diesen Trainings?
Hentschel: Ich trainiere die Führungskräfte hinsichtlich ihrer Softskills.
Sie haben meist ein großes Fachwissen und bereits etliche Rhetorikschulungen hinter sich. Es geht jedoch nicht darum, das Gegenüber in einer Verhandlung nur rhetorisch schattmatt zu legen, oder dass ein Mitarbeiter tut was ich ihm sage, weil ich ihm in der Firmenhierarchie übergeordnet bin. Optimal ist, wenn er für sich selber den Nutzen erkennt und eine persönliche Motivation hat für sein Handeln. Das gilt für Führungsgespräche genauso wie für jedes Verkaufsgespräch. Nicht überreden, sondern überzeugen ist die Devise.

Ich schaue mit den Menschen gemeinsam, wie können Sie Zeit und Energie sparen und sich das Berufsleben einfacher machen.

Und zwar indem sie zum Beispiel im Kontakt mit Anderen die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen erkennen und darauf individuell reagieren. Möchte mein Gegenüber gerne konkrete Zahlen und Fakten hören? Oder möchte er sich nicht an Details aufhalten und lieber die grobe Marschrichtung wissen und dann eigenständig losarbeiten?
Erst letzte Woche sagte mir ein Manager, er hätte nie vermutet, was er noch alles aus diesem aktiven Training für sich herausholen kann. Er sei bisher eben immer Weg A gegangen, was auch oft gut funktionierte, aber er hat jetzt noch Weg B, C und D als Handlungsmöglichkeit für sich entdeckt.

Es gibt eine große Sicherheit, wenn man sich vorstellt, man hat seinen Handwerkskoffer mit Werkzeugen aufgefüllt. Man muss nicht alle benutzen, aber ist jederzeit in der Lage die Wahl zu treffen, das bestmögliche Werkzeug einzusetzen. Dieser Spielraum gibt Souveränität.

Brackmann: Du bist auf mehreren Arbeitsfeldern aktiv und erfolgreich: Wie lässt sich das miteinander verbinden?
Hentschel: Ich bin mir bewusst, dass ich verschiedene Sachen mache. Das Spannende ist jedoch, das sich die einzelnen Aufgabenfelder hervorragend ergänzen. Als Schauspielerin schlüpfe ich in unterschiedlichste Rollen, das habe ich jahrelang gelernt. Das heißt für mich als Trainerin, dass wir nicht nur über die Dinge sprechen, sondern ich auch gleich als Sparringpartner an den Start gehen kann. Je interaktiver ich als Teilnehmer eine Erfahrung mache, desto besser werde ich sie behalten.

Die Arbeit im Kommunikationsbereich ist auf der anderen Seite ein gutes Schauspieltraining durch die stete Aufgabe: welchen Typ habe ich vor mir? Welche Impulse und Signale sendet mir mein Gegenüber und welches Repertoire zu reagieren habe ich? Im Mittelpunkt steht in beiden Fällen die genaue Beobachtung menschlichen Verhaltens.

Mir hat neulich ein Caster gesagt, ihm wäre es lieb, wenn die Schauspieler auch ausschließlich als Schauspieler arbeiten würden.

Jemand der “nur Schauspiel” mache, könne sich unter Umständen besser auf den Job konzentrieren. Ich verstehe seinen Gedanken und lasse mir auch gerne die Frage gefallen, wie ich alles unter einen Hut bringen kann. Doch Fakt ist, dass viele Schauspieler um Geld zu verdienen selber in Agenturen hinter den Kulissen arbeiten, im Call Center telefonieren oder kellnern gehen. Das sind dann Jobs, mit denen sie einen Großteil ihrer Wochenarbeitszeit verbringen, die aber meist nicht in der Vita auftauchen. Ich arbeite in Bereichen, die nicht nur ein gutes Training sind für meine Arbeit als Schauspielerin, sondern mir auch die finanziellen Möglichkeiten bieten, in permanente Fortbildung und hochklassiges Material investieren zu können. Seit diesem Jahr nehme ich zum Beispiel an einem wöchentlichen Trainingstreff für professionelle Schauspieler teil, einige Teilnehmer davon bekannte Gesichter. Die Kosten dafür teilen wir uns. Diese Investitionen sind dann auch wieder von Vorteil für die Agenturen, die schließlich gut ausgebildete Leute mit gutem Material auch besser einsetzen und vermitteln können. Das ist eine hervorragende Sache: unter dem Strich ist alles für mich ein rundes, gut funktionierendes System. Das ist die Eingangsfrage vom sachlichen Standpunkt aus betrachtet.

Von einem persönlichen aus würde ich antworten: die Sachen, die ich mache, tue ich mit Leidenschaft. Ich liebe meine Arbeit – ein oft zitierter Satz in so manchem Interview, ich weiß – aber die Wahrheit ist, dass einem genau das die Energie und Motivation gibt, sich so überdurchschnittlich zu engagieren. Wir haben eben vom “USP” gesprochen: in einem Satz, wer bist Du, was macht Dich aus? Eine gute Freundin von mir, die mich jetzt seit 18 Jahren kennt und derzeit in London lebt, hat meinen USP denke ich gut auf den Punkt gebracht als sie sagte: “you are very, very attached to life!”.

Mehr Informationen zu Carmen Hentschel gibt es auf ihrer Homepage unter www.carmen-hentschel.de. Für Buchungsanfragen erreicht man sie direkt per Mail unter post@carmen-hentschel.de. Durch ein Netzwerk mit anderen Professionals können vielfältigste, speziell zugeschnittene Kommunikationstrainings angeboten werden.

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