Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken (XVI)

Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages beschäftigt sich mit dem Schicksal von Heimkindern in der Nachkriegszeit. Da auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) keine Fliege macht. Deshalb hat sich der Landesjugendhilfeausschuss am 29. November 2007 im Kölner Landeshaus mit diesem Thema beschäftigt. In einer Vorlage heißt es dazu: “Da der Landschaftsverband Rheinland

jesso43.jpgDer Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages beschäftigt sich mit dem Schicksal von Heimkindern in der Nachkriegszeit. Da auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) keine Fliege macht. Deshalb hat sich der Landesjugendhilfeausschuss am 29. November 2007 im Kölner Landeshaus mit diesem Thema beschäftigt. In einer Vorlage heißt es dazu: “Da der Landschaftsverband Rheinland in der gesamten Zeit nicht nur Träger von Einrichtungen war, sondern auch die Fachaufsicht über andere Träger ausgeübt hat, ist eine Positionierung seitens des Landschaftsverbandes Rheinland erforderlich.” In Erwägung gezogen wird inzwischen eine Entschuldigung bei ehemaligen Heimkindern.

Geht es allerdings um aktuelle Ereignisse, stecken immer noch viele den Kopf in den Sand, obwohl merkwürdigerweise immer wieder das Jugendamt der Stadt Mönchengladbach auftaucht, wenn es um unglaubliche Schilderungen geht.

Dieses Amt, das beharrlich zu Jessica Müllers Schicksal schweigt, ist laut einer Gesprächsnotiz, verfasst am 24. November 2006 von einem Pfarrer, für die Kinder Dennis und Jessica zuständig, für die kleineren Geschwister zeichnet das Jugendamt von Düren verantwortlich.

Ärztin stellt Ferndiagnose

Dem Vater der Kinder hat eine Ärztin im Juni des gleichen Jahres eine “paranoide Psychose” bescheinigt. Dieser Diagnose widersprach ein Psychotherapeut aus Berlin am 13. Juni 2006 in einem Attest ganz energisch: “Die Grundlage der Diagnostik der Ärztin beruht auf Angaben einer Sozialarbeiterin. Im Gegensatz zu Frau Dr. P. habe ich Herrn K. untersucht. Zum Zeitpunkt der Untersuchung gab es keinen, auch keinen diskreten Hinweis auf die von Frau Dr. P. vorgetragene Diagnose.”

Brachiale Gewalt

Drei Monate später bekam dieser Vater Besuch, besagter Pfarrer schilderte am 12. September 2006 die Ereignisse: “Das Jugendamt und die Polizei müssen mit einem großen Aufgebot (5 Polizisten und 3 Jugendamtsmitarbeiter) recht brachial in die Wohnung eingebrochen sein.” Die Schreie der Kinder seien im ganzen Haus zu hören gewesen. Weiter schrieb dieser Pfarrer: “Zwei der Kinder (die beiden Kleinen) wurden aus der Wohnung herausgezerrt. Dabei wurden sie angeherrscht, mit dem Schreien aufzuhören. Als dies nicht geschah, wurden ihnen die Münder zugehalten. Im Flur wurden sie dann, als sie sich losreißen konnten und verzweifelt nach ihrem Vater riefen, gegen das Geländer gepresst.”

OB lässt ersten Termin verstreichen

Dem Jugendamt von Mönchengladbach muss man jedoch den Mund nicht zuhalten, um Schweigen zu erreichen. Gleiches scheint für den Oberbürgermeister von Mönchengladbach zu gelten. Dem habe ich per Einschreiben auch im Namen von Jessicas Vater ein Gespräch vorgeschlagen. Dieses Schreiben kam am Freitag im Rathaus an, der erste von uns vorgeschlagene Gesprächstermin wäre der 22. Februar 2008. Den lässt Oberbürgermeister Norbert Bude auf jeden Fall erst einmal verstreichen.

Schwachsinnige Mühle-Spielerin?

Sabine und Frank Müller durften ihre Tochter Jessica inzwischen wieder in dem Heim besuchen, in dem die Zehnjährige seit vier Jahren lebt und seit einigen Wochen mit Risperdal ruhig gehalten wird, obwohl der Kleinen zu 60 Prozent Schwachsinn bescheinigt worden ist.

Diese Diagnose ist offensichtlich so falsch wie jene Ferndiagnose der Ärztin P. Denn dass die Kleine nicht nur Mühle spielen kann, sondern ihren Vater am Sonntag auch noch in Zwickmühlen gebracht hat, gleicht vor diesem Hintergrund einem spielerischen Wunder…

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Kommentare

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  1. Das finde ich toll. Zwei Bundestagsabgeordnete bleiben am Ball. Habe soeben diese mail bekommen:

    Sehr geehrter Herr Tjaden,

    ich danke Ihnen für Ihre Mail vom 30. Januar 2008 und die darin enthaltenen
    neuen Informationen zur Petition zu Jessica Müller.

    Ich stehe in diesem Fall in engem Kontakt mit meinen Kollegen Dr. Günter
    Krings, MdB. Wir werden uns beide weiterhin dafür einsetzen, dass es zu
    einer Lösung im Sinne Jessicas kommen wird.

    Ich danke Ihnen für Ihr Engagemnt für die Familie Müller und wünsche Ihnen
    persönlich weiterhin alles Gute.

    Viele Grüße,

    Ihre Dorothee Bär