Im Mai 2008 feiert Israel sein 60 jähriges Bestehen. Pünktlich zur Berlinale – einem der größten Filmfestivals der Welt – wird diesem besonderem Jubiläum größte Ehre erwiesen durch einen an den jungen Staat gewidmeten Themenschwerpunkt. In diesem werden vier Filme gezeigt, die wie ein Spiegelbild die verschiedensten Facetten des oft als Kriegsschauplatz stilisierten Landes zeigen und somit einen besonderen Einblick in Israels Gesellschaft jenseits des Konfliktes gewähren.
Der israelische Film “Flipping out” ist so ein Film: Er beschreibt das Leben einer Gruppe junger Israelis, die nach dem abgeleisteten drei jährigen Armeedienst ihr Erlebtes und ihre Frust in Indien im Rausch der Drogen vergessen lassen wollen. Von jährlich 50000 entlassenen israelischen Soldaten machen das etwa 30000.
Schonungslos zeigt diese Dokumentation des israelischen Regisseurs Yoav Shamir (1970) die Verzweiflung und Verdrängung des Erlebten in der Heimat Israel, der persönliche Zusammenbruch der ehemaligen israelischen Elite, die seelischen und körperlichen Auswirkungen der Drogen und der Versuch orthodoxer Organisationen diese abgedriffteten Schafe wieder nach Hause zu bringen.
“Restless” – ein Beitrag des israelischen Regisseurs Amos Kollek – thematisiert das Phänomen der anhaltenden Emigration von Israelis u.a. in die USA. Moshe, ein Israeli in den besten Jahren, hat sein Land nicht ausgehalten, er ist vor dem Krieg davongelaufen und vor der Enge der Gesellschaft, vor seiner Frau und dem drohenden Schicksal als Vater und Brotverdiener. Er hat einen Sohn gezeugt, aber dann ist er nach New York gezogen. Dort versucht er sich ein neues Leben aufzubauen, als Dichter und Gigolo.
20 Jahre später stirbt seine Frau und urplötzlich meldet sich Zach, Moshes “vergessener” Sohn wieder. Das Treffen beider wird zum Kampf des Vaters mit sich selbst: einerseits als Israeli und andererseits als Jude in der von Israel verpönten Diaspora.

Ausschnitt aus “Lemon Tree”
© Internationale Filmfestspiele Berlin
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Die physische, wie psychische Trennung zwischen Israelis und Palästinensern wird in der Tragikomödie Lemon Tree von Eran Riklis ist deutlich. Der israelische Innenminister hat sich ein Haus im Westjordanland gekauft, direkt am Grenzzaun zu Palästina. Hinter dem Zaun wächst ein schöner Zitronenhain, und dieser Hain bereitet den Sicherheitsbehörden Kummer: Arabische Terroristen könnten sich darin verstecken und auf den Innenminister feuern. Also wird der Hain abgeholzt. Salma, die palästinensische Besitzerin des Zitronenhains, wiedersetzt sich und versucht diesen noch in letzter Minute zu retten.
Der Dokumentarfilm Shahira beschäftigt sich mit dem sensiblen Thema “Terrorismus” und mit Israels Umgang mit ihm. Symbolisch zeigt dieser Film das Leben ehemaliger weiblicher Terrorhelfer im Hasharon-Gefängnis, in dem Terrorhelfer wie Kahira oder Samar, sowie die Terroristin Waffa sitzen.

Szene aus “Shahida Brides of Allah”
© Internationale Filmfestspiele Berlin
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Shahida, zu sehen in der Sektion Forum, stammt von der jungen Israelin Natalie Assouline (geboren 1972). Der englische Titel lautet Brides of Allah. Unter diesen Bräuten hat sich Assouline zwei Jahre lang bewegt, und ihr Film ist ein verblüffendes Dokument der widersprüchlichen Affekte, Symbiosen, Solidaritäten, die sich in Israel überlagern und bekämpfen. Denn fast verschworen erscheinen die israelische Filmemacherin und die palästinensischen Terroristinnen. Als seien sie in ihrem Interesse völlig einig: Zeugnis abzulegen, den Geschehnissen gerecht zu werden.
Wie sich Israels Gesellschaft in den nächsten 40 Jahren entwickeln wird, ob sich die Emigration weiter verstärken wird, ob der Terror gegen Israel Einhalt halten wird, ob es zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern kommen wird, ist heute ungewiss. Was aber sicher ist, ist dass Israel zum Zeitpunkt seines 60. Geburtstags nicht nur seinen geschichtlichen Erfolg als Staat feiern kann, sondern auch seine Filme, die nicht nur zur Berlinale für Aufmerksamkeit sorgen werden, sondern hoffentlich auch zur anstehenden Oskarpreisverleihung.
Flipping Out Trailer:
Lemon Tree:
“als Kriegsschauplatz sterilisierten” ?????
Wird Israel da abgekocht?
Also mich kann man mit solchen Fremdworten nicht imprägnieren. Ich finde auch, die sind gut in die deutsche Sprache intrigiert. Suggestive über die letzten Jahrzehnte….
Aber trotz der Fremdwortpanne ein guter Artikel.