Es gibt Tage, die gehen still und ohne Aufsehen zu erwecken von dannen – und dann fragen wir uns: haben wir nicht was verpasst?
Ariel Sharon liegt seit Januar 2006 im künstlichen Koma. Der letzte Riese im Nahen Osten war vom Sockel gefallen, alleine, ohne Fremdeinwirkung.
Auf einen leichten Schlaganfall folgte eine Hirnblutung, ein politischer Hühne wurde ins künstliche Koma versetzt, aus dem er bis heute nicht mehr erwachen sollte. Nun verbietet aber die israelische Gesetzgebung die aktive Sterbehilfe und auch die jüdischen religiösen Regeln sind diesbezüglich strikt: von Gott gegeben, und nur von Gott genommen.
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Freund und Feind waren rasch zur Stelle
Genesungswünsche aus aller Welt wurden ergänzt durch Vertreter der Hamas-Bewegung und den iranischen Präsidenten Ahmadinejad, die ihm öffentlich den Tod wünschten. Extremistische jüdische Siedler gaben zum besten, Sharons Schlaganfall sei Gottes Strafe. Selbst in seinem Todeskampf provozierte Arik noch übelste Reaktionen.
Seit über einem Jahr liegt Sharon nun im Jerusalemer Tel Hashomer Spital – ein Held oder Kriegsverbrecher? Darüber werden die Geschichtsbücher nicht richten, da die Geschichtsbücher sich nicht einig sein werden.
Kriegsverbrecher für die einen, der er verantwortlich gemacht wird für Massaker im Libanon, gegen Palästinenser, den Bau der Mauer, Sicherheitsanlage im besetzten Westjordanland, den Ausbruch der zweiten Intifada.
Held für die andern, seit er im Jom-Kippur eigenmächtig und gegen die Anweisungen seines vorgesetzten Generals mit einer Panzerdivision die ägyptischen Truppen im Sinai zurückgeworfen hat.
Verräter füz viele, da er für Israels Rechte zu kompromissbereit gegenüber den Palästinensern gewesen sei. Und die Siedlerbewegung erachtet Sharon als ihren Erz-Feind seit er, der einstige Ziehvater ebendieser Siedler, den Rückzug aus dem Gaza-Streifen angeordnet hatte.
Alle aber nennen sie ihn den “Bulldozer”. Und davon kann auch der Schweizer Verteidigungsminister ein Liedchen singen: im März 2005 ließ Sharon dem Eidgenoss’ Samuel Schmid in Jerusalem beschränkte Aufmerksamkeit zuteil kommen, ward doch kurz zuvor die quirrlige Schweizer Außenministerin etwas forsch ins heilige Land des Regierenden eingefallen – herrschte gar keine Freude. Und so hatte Schmid auszubaden, was Madame ihm eingebrockt hatte.
Also ließ Sharon den Schweizer gebührend lange auf einem Empfang warten – um dann in gewohnt dominierender Art ins Zimmer zu stampfen. Auf Schmids Hinweis, auch er sei ein Verteidigungsminister, meinte der Ex-General trocken: “Ihren Job hätte ich gerne gehabt” – das Eis war gebrochen, die Schweiz durfte sich wenigstens während der 30minütigen Audienz Ernst genommen fühlen.
Ariel Sharon ist heute vor 80 Jahren geboren. Gefeiert hat keiner.
Dieser Artikel erschien zuerst auf andremarty.com.
Photo via wikipedia.org.
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