Elite ohne Essen

An der einzigen Eliteschmiede Ostdeutschlands geht die Angst um, die Angst vor einem verlust von Identität und Tradition. Seit die Landesregierung in Magdeburg plant, die Küche der Landesschule Pforta zu privatisieren, sind die Schüler des Internats auf den Barrikaden. Nach dem Vorbild der Einwohner von Leipzig, die den Verkauf von

abwa.jpgAn der einzigen Eliteschmiede Ostdeutschlands geht die Angst um, die Angst vor einem verlust von Identität und Tradition. Seit die Landesregierung in Magdeburg plant, die Küche der Landesschule Pforta zu privatisieren, sind die Schüler des Internats auf den Barrikaden. Nach dem Vorbild der Einwohner von Leipzig, die den Verkauf von Anteilen am kommunalen Energieversorger an eine französische Staatsfirma ablehnten, weil sie fürchteten, ein privater Vermieter würde sie zur Profitmaximierung umgehend alle auf die Straße setzen, kämpft die Schülerschaft gegen die “katastrophalen Folgen einer Veräußerung dieser Versorgungseinrichtung an eine private Catering-Firma”, wie es in einem offenen Brief an die Landesregierung heißt.

Privatisierung sei keine Lösung des Problems

Die Elite fürchtet, bald ohne Essen dazustehen, wenn sie wie ganz normale Schüler, Kindergartenkinder oder die Mitarbeiter von zahllosen Firmen im Lande auf privat gekochte Nahrung zurückgreifen muss. “Uns ist durchaus bewusst, dass die momentane Situation nicht mehr tragbar ist, denn tagtäglich erleben wir die Überlastung und Überforderung des Küchenpersonals, da dieses stark unterbesetzt ist”, schreiben die Vertreter der Internatsschüler. Eine Privatisierung sei jedoch “keine Lösung des Problems. Wir befürchten nicht nur einen erheblichen Qualitätsverlust des Essens, sondern auch des kulturellen Lebens und somit der Außenwirkung der Landesschule.”

Die Küche als Weltkulturerbe? Aber ja doch.

“So trägt unsere Küche maßgeblich zum Gelingen des alljährlich stattfindenden Schulfestes oder des Tags der offenen Tür bei”, klagen Schülerinnen und Schüler gegen den Verlust von “wichtigen Traditionen wie das Martini-Gänse-Essen”, die “nur wegen der im öffentlichen Dienst stehenden Küche Bestand” hätten.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa zum Thema Privatisierung sind die Angehörigen der künftigen Elite Ostdeutschlands mit ihrer Ansicht nicht allein. Nach Angaben von Forsa bewertet die Hälfte der Bevölkerung ihre Erfahrungen mit Privatisierungen negativ. Vor allem an der Bahn und den Energiekonzernen entzündet sich die Kritik – früher, so erinnern sich viele, kam die Bahn immer pünktlich, es war sauber in den Waggons und der Service stimmte. Nur der Staat, so meinen deshalb 58 Prozent der Befragten, könne flächendeckende Versorgung und angemessene Preise garantieren.

Eine Privatisierung etwa der Trinkwasserversorgung, die im sozialistischen Frankreich durchweg und zu niedrigenden Preisen von privaten Firmen betrieben wird, lehnen die Deutschen ebenso ab wie den Verkauf von städtischen Wohnungen. Vielen vor allem bei privaten Vermietern in sanierten Wohnungen lebenden Deutschen ist bisher entgangen, dass es die kommunalen Wohnungsunternehmen in Ostdeutschland selbst in 18 Jahren seit dem Mauerfall nicht geschafft haben, ihre Bestände durchweg zu modernisieren.

Quelle: politplatschquatsch.com

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Im Großen und Ganzen ist es richtig, dass der Staat nicht wirtschaften kann. Daher macht es keinen Sinn, ihm wichtige Teile des Wirtschaftslebens zu überlassen. Aber es gibt auch Auswüchse wie privat geführte Gefängnisse. Das Essen in der Schule wird sehr bald eine größere Bedeutung bekommen, weil die Armut im Lande wächst und die Schule der Ort ist, an dem die Kinder wenigstens 1 x am Tag eine warme Mahlzeit bekommen können.

    Wenn das Schulessen privatisiert wird, beraubt sich die Schule einer ganz großartigen Möglichkeit, nämlich die Schüler an das Wissen über richtige Ernährung und deren kluge Zubereitung heran zu führen. Die Schule soll das wahre Leben vorbereiten. Dazu gehört ohne Frage, Nahrung beschaffen und zubereiten zu können.

    Wir wissen erst heute genau, wie sehr die richtige Ernährung unser Leben bereichert und wie sicher Krankheit und früher Tod sind, wenn die üblichen Fehler gemacht
    werden. In England hat Jamie Oliver, der die katastrophale Versorgung der Jugend
    sah, eine Wende versucht und wurde leider veralbert. Wir können da Zeichen setzen, wenn wir uns erst einmal schlüssig werden, was am Besten getan werden muss. Aber die Schule, die Eltern, die Verwaltung und die Politik müssen das Problem erst einmal erkennen. Es sind Lösungen denkbar, die in wichtigen Bereichen eine bessere Welt schaffen!