Da war er, der so sehnlich erwartete Moment für Hillary Clinton: Der Bundesstaat Rhodes Island entschied sich in den gestrigen Vorwahlen für sie. Damit ging eine lange Siegesserie für ihren Konkurrenten Barack Obama verloren. Zwölf Vorwahlen in Serie konnte der smarte Herausforderer für sich entscheiden, die zwölfte und letzte, im Bundesstaat Vermont, erst wenige Minuten zuvor. Und der Abend wurde noch besser für Hillary, auch die extrem wichtigen Vorwahlen in Ohio und Texas konnte sie gewinnen. Ob das allerdings irgendetwas bringt, ist die große Frage.
Das große Rechnen
Anders als bei der republikanischen Partei, die nach dem Prinzip “The Winner Takes It All” verfährt, werden bei den meisten Vorwahlen der Demokraten die Delegierten nämlich proportional aufgeteilt. Dadurch bringt ein knapper Sieg nicht viele Vorteile – rein rechnerisch jedenfalls. Und der Sieg in Texas war mehr als knapp, bis in die tiefe Nacht blieb unklar, welcher der beiden Kandidaten sich am Ende würde durchsetzen können. Das nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen vorliegende Ergebnis von 51 Prozent (Clinton) zu 48 Prozent (Obama) jedenfalls ist keines, dass Hillary rechnerisch weiterhilft. Die Delegierten werden am Ende wohl so aufgeteilt, dass ihr texanischer Vorsprung kaum ins Gewicht fällt – wenn sie überhaupt einen hat.
Der Bundesstaat Texas nämlich hat ein sehr merkwürdiges Wahlrecht, es gibt nicht nur eine Vorwahl, bei der 126 Delegierte verteilt werden, sondern zusätzlich noch Caucus (67 Delegierte). Das Ergebnis des Letzteren wird noch ausgezählt – und Obama führt nach Auszählung von 36 Prozent aller Abstimmungen. Da er sämtliche im Caucus-Verfahren abgehaltenen Vorwahlen gewinnen konnte, ist nicht zu erwarten, dass Clinton hier die Waage noch kippen kann.
Nackte Zahlen, Stimmungen und Hillarys Nehmerqualität
Und doch, obwohl ihr Gewinn der letzten Nacht so marginal ist, dass er ihr nicht weiterhilft, steht sie als große Gewinnerin der Nacht da. Hier kommen die Eigenheiten der US-amerikanischen Wahlmentalität und wohl auch der US-amerikanischen Medien zum tragen. Während die Experten in den Studios der großen Fernsehsender immer wieder darauf hinwiesen, dass die nackten Zahlen ganz klar für Obama sprächen, wurden sie im gleichen Atemzug nicht müde, von Hillarys Comeback und ihrem neu errungenen Momentum zu reden.
Unabhängig von allen Zahlen und Stimmungen lässt sich in der Tat wieder einmal die schon berüchtigte Hillary’sche Nehmerqualität bewundern. Das dritte Mal stand sie während der Vorwahlen mit dem Rücken an der Wand. Das erste mal in New Hampshire, als sie nach der verlorenen ersten Wahl in Iowa unbedingt gewinnen musste – und es auch tat. Das zweite Mal am SuperTuesday, als ihr plötzlich die schon sicher geglaubten Bundesstaaten New York und Kalifornien verloren zu gehen drohten – und sie dann doch beide gewann. Das dritte Mal nun in der letzten Nacht, als vorher klar war, dass sie mindestens Ohio und Texas gewinnen muss, um nicht endgültig als Verliererin zu gelten. Und so unbeliebt Hillary in Teilen der Bevölkerung ist, diese Zähigkeit schätzen sie an ihr, seitdem sie einst den monatelangen und schmutzigen Skandal um ihren Mann, seine Zigarren und eine Praktikantin mit hoch erhobenen Kopf überstand.
Obama bleibt ungerührt und verhält sich als wäre er schon Kandidat
So ist er also, der Stand der Dinge. Clinton ist die Gewinnerin des Augenblicks, Obama setzt auf seinen Vorsprung bei den Delegierten und versucht die Siege seiner Konkurrentin lässig auszusitzen. Deutlich spürbar war dies bei seiner Rede gestern. Die Wahl in Texas war noch nicht entschieden, doch seine Botschaft war klar: Egal wie es ausgeht, mein Vorsprung bleibt nahezu derselbe und ich bin auf dem Weg zur Nominierung. In Folge dessen wandte er sich immer wieder an das ganze Land (und nicht nur an die demokratischen Wähler) und sprach ausnahmslos immer von McCain und Clinton – fast so als wäre er der einzige demokratische Kandidat und die anderen beiden die Kandidaten der republikanischen Partei. Doch wie geht es jenseits des gestrigen Abends weiter?
Entscheiden die Superdelegierten?
Findige Experten wollen ausgerechnet haben, dass Clinton – bei erwartungsgemäßen Ergebnissen in den noch ausstehenden Vorwahlen – keine Chance mehr hat, die Mehrheit der einfachen Delegierten zu gewinnen. Das aber macht Obama noch nicht zum Präsidentschaftskandidaten. Denn da wären zum einen noch die Superdelegierten – jene Parteihonoratioren, deren Stimme bei der Parteikonvention an kein Wählervotum gebunden ist. Und diese stimmen aller Voraussicht nach mehrheitlich für Clinton. Allerdings schmilzt auch bei diesen ihr Vorsprung und reicht zur Zeit auch nicht aus, um Obamas Vorsprung bei den normalen Delegierten auszugleichen. Es sieht so aus, als bliebe das Rennen bis zur letzten Wählerstimme offen, bei Vorteil Obama.
Oder entscheiden Florida und Michigan?
Dann allerdings, wenn alle Stimmen ausgezählt sind, sind da noch Michigan und Florida. Die beiden Bundesstaaten wurden von der Parteiführung bestraft, da sie ihre Vorwahlen eigenmächtig vorgelegt hatten. Alle Kandidaten erklärten ihre Zustimmung zu der Strafe, die besagte, dass beide Staaten zwar wählen, aber keine Delegierten stellen dürfen, und einigten sich zudem darauf nicht anzutreten und keinen Wahlkampf in den beiden Staaten zu betreiben. Doch was folgte und immer noch andauert, waren Musterbeispiele des Clinton’schen Politikstils: Zunächst stand sie als einzige der Kandidaten doch auf dem Wahlzettel und kam so zu ungefährdeten Siegen in den eigentlich bedeutungslosen Wahlen – in der Tat hätte sie vermutlich bei regulären Abstimmungen beide Staaten ebenfalls für sich entscheiden können. Dann folgten erste zarte Andeutungen aus ihrem Lager, dass das Gesamtergebnis ja ganz anders aussähe, wenn… Dann immer wieder mal Bemerkungen darüber, dass die Bevölkerung Floridas und Michigans auf diese Weise ja um ihr demokratisches Recht gebracht würde. Und inzwischen wird, zwar nicht von Clinton selbst, so aber doch von ihrem Stab und von Journalisten, die auf ihrer Seite stehen, ganz unverhohlen darüber gesprochen, dass die Abstimmungen doch zählen sollten, mindestens aber neu gewählt werden sollte.
Dass Obama eine solche Vorgehensweise nicht unwidersprochen hinnehmen würde, läge auf der Hand. Sollte dieser Streit tatsächlich von Clinton in der Hoffnung, die Vorwahlen doch noch durch die Hintertür zu gewinnen, vom Zaun gebrochen werden, so steht zu befürchten, dass dies nicht nur zu einer höchst schmutzigen Angelegenheit wird, sondern auch die demokratische Kandidatur – egal wessen Namen sie trägt – nachhaltig beschädigen würde. Die Frage dürfte dann sein, ob Hillary lieber aufgibt oder bis zum bitteren Ende kämpfen will – koste es, was es wolle.
Barack Obamas Rede gestern in San Antonio, Tx:
Photo Quelle/ Copyright: Eli the Bearded, cc creative commons
Namensnennung – NichtKommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen (via flickr)
Clinton ist eine alte Dreckschleuder. Außerdem wird sie ALLE schmutzigen Register ziehen, um sich die Nominierung doch noch unter den Nagel zu reißen, auch wenn das den klaren Sieg McCains bnedeutet.
Obama muss sich vorsehen. Billary kämpfen nicht mit offenem Visier. Das sind Ratten!