Was macht eigentlich einer, wenn er vom Töten nach Hause kommt?
Abu Mohammed versucht sich als Möbelverkäufer in Gaza. Seine wirkliche Mission ist aber der heilige Krieg gegen Israel: “Dass wir Israel nicht besiegen können, ist kein Grund sich zu ergeben.” Der 38-Jährige sitzt mit seiner AK-47 und ein paar Munitions-Magazinen da und weiss: Jederzeit kann er von einer Raketen feuernden Drohne, einem Kampfhelikopter entdeckt und eliminiert werden. “Im Himmel werde ich entschädigt werden – und mein Heimatland ist es mir wert.”
Arik hat in Hebron gedient, sagt er. Er sagt auch, dort seien “schlechte Sachen” geschehen. Mehr mag er nicht sagen. Einmal meint er bloß, “der Tot ist Scheisse”. Reden will Arik darüber nicht, schon gar nicht mit seiner Familie. “Die fragen nicht, denn sie wissen, dass das einzig meine Sache ist.”
Terroristen, Freiheitskämpfer, für die einen, Soldaten, Helden für die anderen. Eine Mission haben sie alle; für eine Mission sterben sie. Und alle sind sie Menschen. Menschen drücken den Knopf, ziehen den Abzug – Menschen töten Menschen.
Was aber geschieht danach?
“In the valley of Elah” ist ein gewaltiger Anti-Kriegsfilm, der genau diese Frage aufwirft. Filmkritiker haben den Film in der Luft zerrissen; niemand thematisiert ungestraft die Folgen des Irak-Krieges auf die US-Gesellschaft. Abgründe tun sich auf, für den Vater (Tommy Lee Jones), der seinen Sohn – einen soeben aus dem Irak zurückgekehrten Soldaten – sucht.
Und in den palästinensischen Gebieten, in Israel:
Abu Mohammeds Frau sitzt in Gaza schweigend neben ihrem Jihad-Kämpfer, dem Vater ihrer sechs Kinder. Als der seine AK-47 packt, sein walky talky ansteckt, meint seine Frau: “Ich weiß, dass der heilige Krieg eine religiöse Pflicht ist, aber wir brauchen Dich, ich brauche Dich, die Kinder brauchen Dich.”
In der Fachzeitschrift “American Psychiatric Foundation” begiften sich zur Zeit israelische Psychologen darüber, ob die Selbstmordrate bei israelischen Soldaten stark von deren ethnischer Herkunft beeinflusst sei. Im Klartext: erschiessen oder erhängen sich junge jüdische Soldaten mit Wurzeln in Nord-Afrika und dem Nahen Osten häufiger als andere, etwa aus Zentral- oder Osteuropa stammende Militärs – Psychologen kann man manchmal echt nicht helfen.
In Israel begingen in den letzten sieben Jahren 243 Soldaten während des Militärdienstes Suizid. Die nackten Zahlen sind rückläufig, nicht zuletzt wegen eines spezifischen Programms des psychologischen Dienstes der israelischen Armee.
Das Drama jedes einzelnen Soldaten bleibt bestehen. Nicht nur im Kino.
“In the Valley of Elah” – Der Film-Trailer:
Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com.
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