SPD in Rhein gefallen: Wir sind Dilletanti

Und es begab sich zu einer Zeit, als es weder Handys noch Internet gegeben hat, weder SMS noch Emails, da entschieden sich 46,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler für CDU und CSU, 42,7 Prozent für die SPD und für die FDP 5,8 Prozent. Also holte Onkel Herbert Wehner noch am

rhein.jpgUnd es begab sich zu einer Zeit, als es weder Handys noch Internet gegeben hat, weder SMS noch Emails, da entschieden sich 46,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler für CDU und CSU, 42,7 Prozent für die SPD und für die FDP 5,8 Prozent.

Also holte Onkel Herbert Wehner noch am Abend des 28. September 1969 den Taschenrechner heraus und stellte fest: “Mit der FDP reicht’s für den ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler.” Ohne schuldhaften Verzug rief er die Liberalen an und handelte mit Walter Scheel und Dietrich Genscher so schnell, dass CDU und CSU den Verlust des Kanzleramtes erst bemerkten, als es in der Zeitung stand. Zu den Wahlverlierern gehörten die Springer-Blätter, die jahrelang gegen Willy Brandt gehetzt hatten.

Kostenlose “Bild”-Werbung für CDU

Auch in diesen Tagen gehörten die Springer-Blätter zu den Wahlverlierern. Obwohl die “Bild”-Zeitung einen Monat lang kostenlose Werbeseiten für Roland Koch veröffentlichte, verlor die CDU zwölf Prozent, Andrea Ypsilantis SPD zog gleich – und sie sofort die technischen Möglichkeiten heutiger Zeit zu Rate? Tat sie nicht.

Jetzt können sie Rhein überspannend ein Transparent mit dem Spruch “Wir sind Dilletanti” aufhängen, damit man in Mainz und in Wiesbaden lesen kann, dass sich Kurt Beck in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt und Andrea Ypsilanti in der hessischen Landeshauptstadt dermaßen blamiert haben, dass kein SPD-Mitglied mehr singen mag “Warum ist es am Rhein so schön?”.

Emails oder SMS an alle SPD-Fraktionsmitglieder hätten gereicht, um zu erfahren, dass eine gewisse Dagmar Metzger aus Darmstadt keinesfalls mitmachen würde, wenn es bei der Ministerpräsidenten-Wahl auf die Stimmen der Linken ankäme. Dann hätte Kurt Beck als SPD-Chef nicht das bis dahin Undenkbare denkbar machen müssen, dann hätte Andrea Ypsilanti von “Bild” nicht den Spottnamen “Lügilanti” bekommen.

In den Rhein gefallen

Doch nun ist die SPD in den Rhein gefallen, Andrea Dilletanti treibt im Strom der Schnellvergessenen, Kurt Dilletanti springt hinterher, sobald er wieder gesund ist und eine gewisse Dagmar Metzger wird ihres SPD-Fraktionslebens nicht mehr froh – so dass im “Darmstädter Echo” für die 49-jährige Wirtschaftsjuristin ein Kummerkasten eingerichtet werden muss.

Es wird sich begeben, wenn Roland Koch ein Jahr geschäftsführend im Amt ist, dass Wiesbadener Eltern über die Theodor-Heuss-Brücke fahren, um ihren Kindern in Mainz zu zeigen: “Die hier haben eine gewählte Landesregierung”…

Kommentare

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  1. Wie sie selbst anführten hatte 1969 die CDU fast 4% mehr als die SPD. Laut demokratischem Verständnis also die Mehrheit und hätte sich zur politischen Arbeit einen Koalitionspartner suchen sollen. Das sich die SPD Hals über Kopf die FDP unter den Nagel riss um die Macht an sich zu reißen – hier wörtlich zu nehmen – war schon damals gegen den Wählerwillen und ist vom System her zutiefst unlogisch.

    Da muss sich niemand wundern, wenn die Wahlbeteiligung immer mehr in Richtung 0 geht. Bei solch dummen Spielchen würde ich mir doch lieber eine direkte Demokratie mit einem Präsidenten wünschen.