Der Ypsilanti-Effekt und die Medien

So hatten sich die Medien den Ausgang der Wahl um Andrea Ypsilanti nicht vorgestellt. Etliche Berichte mussten am Wochenende um- oder neugeschrieben werden. Hektik in den Online-Redaktionen. War Ypsilanti nicht am Boden und die Tolerierung durch die Linkspartei dank Dagmar Metzger vom Tisch? Nicht so wenn man Medienwirklichkeit ohne die

stesc2.jpgSo hatten sich die Medien den Ausgang der Wahl um Andrea Ypsilanti nicht vorgestellt. Etliche Berichte mussten am Wochenende um- oder neugeschrieben werden. Hektik in den Online-Redaktionen. War Ypsilanti nicht am Boden und die Tolerierung durch die Linkspartei dank Dagmar Metzger vom Tisch? Nicht so wenn man Medienwirklichkeit ohne die demokratischen Spielregeln macht. Verwirrt reagierten die Medien nun auf den Rückzug von Metzger. Sie war neben dem gebrochenen Wahlversprechen der Aufhänger für die Erklärung und Vernichtung von Ypsilantis Machtanspruch.

Gibt Metzger nach?” titelt das Handelsblatt am Sonntag. Während WELT und Springerpresse Ypsilanti zu “Dilletanti” umgetauft hatten schien Dagmar Metzger, “Deutschlands ehrlichste Politikerin” (BILD), als Rettung gegen den Linksruck gefunden. Doch diese Proklamation war zu früh, fällen auf Landesebene doch die Parteiräte Entscheidungen oder schaffen Netzwerker Kontakte – und eben nicht die Medienkonzerne. So sehr die Medien sich als Schützenhelfer im Wahlkampf erweisen, so sehr kann wie im Fall Ypsilanti-Beck dieser Effekt nach hinten los gehen.

Wer hat eigentlich behauptet, Wahlversprechen müssten gehalten werden?

Die Grünen haben im Hamburger Wahlkampf angekündigt, nicht mit der CDU zu koalieren. Nun sehen die Verhältnisse in Hamburg Schwarz-Grün kommen. Niemand spricht dort von gebrochenen “Wahlversprechen”. In Hessen witterten die Medien dagegen seit Wochen den Untergang der Demokratie durch die Wahl einer Ministerpräsidentin mit Tolierierung durch die Linkspartei.

Die aktuelle “Glaubwürdigkeitskrise” hat sich die SPD in erster Linie sich selbst zuzuschreiben. Derweil triumphieren die Rechtskonservativen und Schäuble erklärt in einem WELT-Interview vom Sonntag die SPD für “unseriös”. Abseits all diesem Debakels wird eines offensichtlich: nicht die Linkspartei bringt die Demokratie in Gefahr, sondern das Parteiensystem diskreditiert sich selbst.

Unterdessen fordern die hessischen Grünen ein “Koalitions-Garantie” von der SPD.

In der Schlacht um den Machterhalt kann sich eben keiner sicher sein. Gehen die Grünen auf Distanz zu Ypsilanti, dann stünde Koch der Kurs in eine Jamaika-Koalition offen. Hier könnten abermals Wählerversprechen gebrochen werden. Doch diese Tatsache ist nicht so interessant wie die Linkspartei-Eskapade einer Frau Ypsilanti.

Einen ganz anderen Feind hat laut Welt-Interview Wolfgang Schäuble ausgemacht: es ist der volatile unbestimmte Wähler mit seinem “schwierigen” Wahlverhalten. In der Demokratie könne eben nicht immer eine adäquate politische Konstellation dem Wählerwillen dienen, daher müsse sich das konservative Lager besser anstrengen.

In Hessen sieht man es derzeit pragmatischer. Der Ersatzkandidat der SPD im Wahldebakel um Ypsilanti zur Ministerpräsidentin heißt Aron Krist und meldet bereits Sonntag Zweifel gegen die Wahl von Frau Ypsilanti an. Scheinbar tobt ein Krieg zwischen Landes- und Bundesverband unter dem Grundsatz: tausche die Abgeordneten einfach so lange durch “Abweichler” aus, bis sie auf den Kurs der Bundes-SPD (zurück)gebracht worden sind. Und diese Steilvorlage nehmen die Medien dankbar auf. Ein Verwirrspiel mit hohem Unterhaltungswert.

Photo Quelle/Copyright: Sven Teschke, via wikipedia.org

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  1. Bitte belegen Sie, dass die Hamburger GAL genauso definitiv eine Zusammenarbeit
    mit der CDU ausgeschlossen hat wie Frau Ypsilanti eine Zusammenarbeit
    mit der Linken.

    Aber so genau wollen Sie wohl gar nicht sein. Denn was Sie als den “Rueckzug von
    Metzger” bemaenteln, ist ein massives Mobbing gegen eine frisch gewaehlte
    Abgeordnete, das an Schamlosigkeit alles uebertrifft, was es in der Hinsicht bisher
    bei uns gegeben hat.

    Man kann nur allen “Abweichlern” fuer die Zukunft raten, sich als stille
    Heckenschuetzen zu betaetigen. Denn auf demokratischen Anstand der Majoritaet
    bei offenem Visier koennen sie nicht zaehlen, jedenfalls nicht in der Hessen-SPD
    von heute.