“Der Fall hat mich sehr ergriffen. Ich habe die Petition an meinen Kollegen Herrn Dr. Günther Krings weitergeleitet, der als Abgeordneter im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis der Familie Müller zuständig ist. Herr Dr. Krings ist Jurist.” Deshalb seien Jessicas Eltern bei ihm “in sehr guten Händen”, hat die 29-jährige CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär vor zwei Monaten in einer Mail versichert.
Inzwischen kennt der 38-jährige Bundestagsabgeordnete aus Mönchengladbach die Aktenlage, informiert ist er nicht nur über die 31-seitige Petition, die Familie Müller Ende vorigen Jahres an das Europäische Parlament gerichtet hat.
Und Jessica Müller? Die Zehnjährige lebt weiterhin in einer Wohngruppe des Schlosses Dilborn, laut Hilfeplangespräch vom 13. Februar 2008 ist sie vorübergehend vom Schulunterricht ausgeschlossen worden, darf jetzt aber wieder teilnehmen.
Jessica stört Unterricht
Dazu heißt es im vom Mönchengladbacher Jugendamt verfassten Gesprächsprotokoll: “Jessica stört oft den Unterricht, versucht ihren Willen durchzusetzen, so dass manchmal der Unterricht gar nicht möglich ist. Sie hat in der Vergangenheit auch ihre Lehrer körperlich angegriffen.”
Da helfen auch keine Pillen? Die Jugendamtsmitarbeiterin schreibt: “Jessica bekommt seit Ende des Jahres aufgrund ihrer Auffälligkeiten, insbesondere in der Schule, Risperdal verordnet. Das Mädchen verträgt das vom Facharzt verordnete Medikament gut.” Es hilft nur nicht?
Schuld ist der Vater
Am Medikament liegt es nicht, dass es mit Jessica weiter bergab geht, es liegt am Vater, schiebt das Mönchengladbacher Jugendamt den Schwarzen Peter ins Elternhaus der Zehnjährigen, obwohl die Kontakte zwischen Eltern und Kind auf monatliche Treffen und Telefonate eingedampft worden sind. Der Vorwurf lautet: “Das Mädchen hat in der Gruppe erzählt, dass ihr Vater ihr zugesprochen hat, sich möglichst schlecht zu benehmen, damit sie wieder nach Hause kommt.” Frank Müller streite das jedoch ab.
“Sehr geehrter Herr Tjaden, ich danke Ihnen für Ihre Mail vom 30. Januar 2008 und die darin enthaltenen neuen Informationen zur Petition zu Jessica Müller.
Ich stehe in diesem Fall in engem Kontakt mit meinem Kollegen Dr. Günter Krings, MdB. Wir werden uns beide weiterhin dafür einsetzen, dass es zu einer Lösung im Sinne Jessicas kommen wird.
Ich danke Ihnen für Ihr Engagement für die Familie Müller und wünsche Ihnen persönlich weiterhin alles Gute”, schreibt mir die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär am 19. Februar 2008.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings aus Mönchengladbach allerdings hat sich immer noch nicht zur Aktenlage geäußert.
Mit Latein fast am Ende
Mit ihrem Latein fast am Ende sind derweil das Schloss Dilborn und Jessicas Schule: “Die Einrichtung und die Schule sind bereit, Jessica auch weiterhin zu unterstützen. Wenn dies jedoch nicht mehr tragbar ist, müssen der Vormund und das Jugendamt eine anderweitige Unterbringung mit interner Beschulung in Erwägung ziehen.”
Das schreibt die Jugendamtsmitarbeiterin über eine Zehnjährige, die 2007 die Schule noch so gern besucht hat, dass es in ihrem Zeugnis vom 20. Juni 2007 heißt: “Jessica erscheint in der Regel ausgeglichen und fröhlich in der Schule. Im Unterricht beteiligt sie sich inzwischen aktiver. Sie arbeitet selbstständig ohne ständige Kontrolle und Bestätigung… Bei der Arbeit lässt sie sich kaum ablenken. Im Umgang mit ihren Mitschülern erscheint Jessica hilfsbereit und bemüht, Rücksicht auf die Gefühle anderer zu nehmen.”
Betreut wird die inzwischen Zehnjährige laut Hilfeplangesprächsprotokoll vom 13. Februar 2008 seit dem 18. April 2004 so intensiv, dass Schloss Dilborn täglich 197,39 Euro für ihre Betreuung bekommt.
Der Geschäftsführer des Kinderheimes nennt das Eins-zu-Eins-Betreuung, die allerdings auch schreckliche Ereignisse nicht verhindert. So sind drei Kinder am 15. November 2006 nach Schulschluss nicht ins Schloss Dilborn zurück gekehrt, mit einem Vierten trieben sie sich auf dem Gelände einer stillgelegten Ziegelei herum, um 2 Uhr morgens flog eine Gasflasche in die Luft, ein 15-Jähriger starb.
Auf die Frage, ob es deswegen ein Ermittlungsverfahren wegen verletzter Aufsichtspflicht gebe, antwortete mir gestern Pressesprecher Wolfgang Wiese von der Kreispolizeibehörde in Viersen: “Der von Ihnen beschriebene Sachverhalt bzw. die Umstände, die dazu geführt haben könnten, sind Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens, das bei der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach unter Aktenzeichen 603 UJs 10/07 anhängig ist. Ich habe Ihre Anfrage an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.”
Zu Ihrer Information füge ich die seinerzeitigen Pressemitteilungen der Kreispolizeibehörde Viersen bei.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Wiese
Leitungsstab
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lindenstraße 50
41747 Viersen
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Nur ganz kurz:”Aktuelle Zahl” der “untergebrachten Kinder aus Mönchengladbach”…Stand 20.09.2007: 672…sprich sechshundertzweiundsiebzig!!!
Wenn ich also “Adam Riese” bemühe sind das bei einem Tagessatz von 197,39 Euro…die jährliche Kleinigkeit von 48 415 819 Euro…..
ach ja und die aktuelle Schuldenzahl der Stadt Mönchengladbach beträgt ca.450 Millionen Euro….nur heisst das nicht das rund 10 % der Schulden auf der “Inobhutnahme”beruhen…denn die Kosten von ca 48 Millionen Euro entstehen jährlich……