Chinas Außenminister: “Westen gehört auf Diät gesetzt, nicht wir”

“Ohne China geht es nicht” – gebetsmühlenartig nehmen westliche Politiker den asiatischen Drachen immer wieder in die Verantwortung, um ihn zum gemeinsamen Klimakampf zu überreden. Mit schöner Regelmäßigkeit antworten die Chinesen ihrerseits mit Ratschlägen an die westliche Klimaschutz-Gemeinde. “Der Klimawandel ist hauptsächlich auf die Emissionen der industrialisierten Länder in der

jiechi.JPG“Ohne China geht es nicht” – gebetsmühlenartig nehmen westliche Politiker den asiatischen Drachen immer wieder in die Verantwortung, um ihn zum gemeinsamen Klimakampf zu überreden. Mit schöner Regelmäßigkeit antworten die Chinesen ihrerseits mit Ratschlägen an die westliche Klimaschutz-Gemeinde.

“Der Klimawandel ist hauptsächlich auf die Emissionen der industrialisierten Länder in der Vergangenheit und auf ihre hohen Pro-Kopf-Emissionen in der Gegenwart zurückzuführen”, so die jüngste Zurechtweisung von Chinas Außenminister Yang Jiechi während der Sitzung des Nationalen Volkkongresses am Mittwoch: “Die Emissionen von drei Chinesen sind nicht so groß wie jene einer einzigen Person in den Industriestaaten. Das ist so, als ob eine Person drei Scheiben Brot zum Frühstück isst und drei Personen jeweils eine Scheibe. Wer von denen sollte normalerweise auf Diät sein?”

“Unsere schlimmsten Befürchtungen übertroffen”

Anlass der ungehaltenen Reaktion des Offiziellen war eine Studie von Wissenschaftlern der Universitäten von Berkeley und San Diego, die am Tag zuvor publik geworden war. Darin heißt es, dass Chinas jährlicher CO2-Anstieg in Zukunft größer sein wird als der jährliche Gesamtausstoß von Staaten wie Großbritannien oder Deutschland. “Es war allgemein erwartet worden, dass die Effizienz von Chinas Energieerzeugung parallel zum Pro-Kopf-Einkommen steigen würde und die CO2-Emissionen dadurch sinken. Das Gegenteil ist der Fall, die Wachstumsrate der Emissionen übersteigt unsere schlimmsten Befürchtungen”, so Maximillian Auffhammer, Berkeley-Professor und einer der Autoren der Studie.

“Wenn man sich den Pro-Kopf-Verbrauch vor Augen hält”, so Yang weiter, “dann glaube ich nicht, dass gewisse Leute die moralische Berechtigung haben, über zu hohe Emissionen von China zu reden.” Nichtsdestotrotz wolle sein Land die internationalen Bemühungen um Lösungen weiterhin unterstützen. “Lassen Sie mich unterstreichen, dass China die Bali Roadmap begrüßt. China hat bereits enorme Anstrengungen unternommen. Und wir werden in Zukunft in verantwortungsvoller Weise noch größere Anstrengungen unternehmen.” Die Roadmap war im vergangenen Jahr auf der indonesischen Insel Bali mit dem Ziel verabschiedet worden, ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll auszuhandeln.

Gebrselassie will nicht in Peking laufen

Und tatsächlich scheinen Chinas Behörden ihre Bemühungen zu intensivieren, zumindest der großflächigen Umweltverschmutzung im eigenen Land Einhalt zu gebieten. “Einige der von der Zentralregierung beschlossenen Maßnahmen werden auf lokaler Ebene nicht oder nicht vollständig umgesetzt”, so Zhang Lijun, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Umweltbehörde SEPA. Die gesetzten Ziele, bestimmte Schadstoffe zwischen 2005 und 2010 um zehn Prozent zu senken und die Energieeffizienz zu erhöhen, würden für eine Gesundung der Umwelt nicht ausreichen, sagte der Funktionär am Rande des Volkskongresses. Die Regierung kündigte derweil an, die nationale Umweltbehörde SEPA in den Rang eines Ministeriums zu heben.

Zuvor hatte Zhang bereits erklärt, die Luftreinheit in Peking werde während der Olympischen Sommerspiele im August gewährleistet sein. In diesem Zusammenhagn hatte Weltklasseläufer Haile Gebrselassie aus Äthiopien für Aufregung gesorgt. Der 34-Jährige hatte angekündigt, auf einen Olympia-Start in Peking zu verzichten. Grund: Die Angst um seine körperliche Unversehrtheit. Gebrselassie leidet unter Asthma.

(S.W.)

Photo Quelle/ Copyright: Foreign and Commonwealth Office, cc creative commons, Namensnennung-Keine Bearbeitung 2.0, (via flickr)

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar.

  1. Wenn ich Bilder aus Peking oder anderen großen STädten CHinas sehe frage ich mich immer – Wie dumm sind CHinesen? Denn dort muss niemand glauben, ob Verschmutzung real und schlecht ist. Das merkt dort jeder Bauer.

    Chinas Wachstum basiert aber nur auf Kopien und extremer Billigarbeit (von der Partei verordnet) – Die chinesischen Löhne sind selbst niedriger als irgendwo in Afrika. Das geht nur in einer Diktatur.

    Aber der Westen ist selber schuld. Merkel kann nicht auf der einen Seite Milliardenaufträge mit den Kommunisten unterschreiben und später blöken “aber bitte bleibt sauber”. Der ganze industrielle Westen wirft sich ja förmlich vor Chinas Füße. Zu unser ALLER Lasten.