Was sind wir schnell: Der Chinese, Nordkoreaner, Myanmar, oder afrikanische und arabische Despoten ritzen die Pressefreiheit – und die Medienmeute heult auf! “Zensur”, “Diktatoren-Gehabe”, schlimmer noch “Menschrechts-Verletzer”, schallt’s und hallt’s durch die Redaktionen.
Heute war’s wieder mal Zeit für das kollektive Aufheulen – eigentlich.
Denn der größte arabische Fernsehsender “Al Jazeera” wird von einer Regierung boykottiert. Keine Interviews mehr, Visa der Journalisten sollen nicht mehr verlängert werden. Denn “Al Jazeera” berichte einseitig, habe Bilder gestellt. Schlimmer noch: “Al Jazeera” stifte zum Terrorismus an. Schwere Vorwürfe, die der Sender samt und sonders zurück weist. Dennoch, die Regierung friert ihre Kooperation mit dem Sender ein.
Und so berichten die lieben Kolleginnen und Kollegen darüber:
NZZ: 0 Zeilen
20minuten: 0 Zeilen
Tages-Anzeiger: 0 Zeilen
Neue Luzerner Zeitung: 0 Zeilen
Mittelland-Zeitung: 0 Zeilen
Basler Zeitung: 0 Zeilen
Der Bund: 0 Zeilen
Blick: 0 Zeilen
Eine einzige Schweizer Zeitung nimmt sich des Themas an: Die Freiburger “La Liberté” berichtet auf 22 Zeilen – die Weltblätter schweigen, nicht so die “Liberté”.
Ein Blick über die Grenzen zeigt – es wird nicht besser:
Süddeutsche Zeitung: 0 Zeilen
New York Times: 0 Zeilen
BBC online: 6 Zeilen
Wenig beruhigend, dass die “Foreign Press Association” “zutiefst beunruhigt ist über allfällige Sanktionen, bloss weil die Regierung nicht einverstanden ist mit der Art, wie der Sender über den Konflikt berichtet.” Deshalb fordert die Vereinigung der Auslands-Journalisten “die Regierung dringend auf, die fundamentalen Prinzipien der Pressefreiheit zu respektieren und unsere Mitglieder ihren Beruf ungehindert ausführen lassen.”
Übringes: Bei der boykottierenden Regierung handelt es sich nicht um China, Nordkorea, Myanmar, Despoten aus Afrika oder Arabien.
Israel ist’s, das den unliebsamen “Al Jazeera”-Kollegen den Stecker rausziehen will.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com.
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