BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

So langsam kehrt Ruhe ein. Durchatmen ist angesagt, die Osterfeiertage stehen vor der Tür. In zehn Bundesländern haben heute die Ferien begonnen – für viele der Startschuss, um nun endlich gen Süden zu flüchten. Besinnung und Erholung, Zeit für die Familie und für Freunde lautet das Gebot der Stunde. Aufwühlendes

Herrh.jpgSo langsam kehrt Ruhe ein. Durchatmen ist angesagt, die Osterfeiertage stehen vor der Tür. In zehn Bundesländern haben heute die Ferien begonnen – für viele der Startschuss, um nun endlich gen Süden zu flüchten. Besinnung und Erholung, Zeit für die Familie und für Freunde lautet das Gebot der Stunde. Aufwühlendes bleibt da doch bitte außen vor. Nun, diesem Wunsch können wir auf der Readers Edition schwer bis gar nicht entsprechen – schon gar nicht, wenn sich der aufmerksame Leser die vielfältigen Beiträge unserer engagierten Autorenschar näher betrachtet hat. Und so wird auch unser anstehender Wochenrückblick sicherlich keine “Kuscheltour” für Menschen auf der Suche nach Harmonie, das sei schon jetzt versprochen…

Krisen in Südamerika und im Iran

Zwischen Kolumbien und seinen Nachbarn hat es vor noch nicht allzu langer Zeit gar heftig gebrodelt. Doch bereits nach einer Woche war der Grenz-Spuk schon wieder vorbei. Völlig unerwartet schüttelten sich Correa, Chavez und Uribe am Ende eines Gipfeltreffens der RIO-Gruppe die Hände. Was bleibt ist allerdings die Frage, welche Hintergründe stecken hinter solch beängstigenden Konflikten. Diesem Thema ging unser geschätzter Autor Malte Olschewski in einem zweiteiligen Beitrag mit Blick in die Vergangenheit und Gegenwart nach. Widmet er sich in seinem ersten Teil noch dem Öl, Kokain und eben der Geschichte, betritt er mit seinem folgenden Artikel das Terrain der Guerillas als Geldfälscher. Spannend und äußerst kurzweilig schafft es der Autor uns ein Stück Südamerika ins kühle Deutschland zu holen. Er “füttert” uns mit jeder Menge wissenswerten Informationen und bringt am Ende auch die Rolle der USA mit ins Spiel. Zwei lesenswerte Beiträge, die tief blicken lassen.

Tief blicken lässt in dieser Woche auch Hamid Tehrani mit seinem Artikel “Iran: Studenten gegen ‘Apartheid der Geschlechter’“. Seit Ende Februar herrscht an hiesigen Universitäten die strikte Trennung von Männern und Frauen – doch den Kommilitonen wird es nun zu bunt. Sie gehen an die Öffentlichkeit und protestieren zu Hunderten vor der Shiraz Universität gegen diese Regel, für den Abtritt des Uni-Präsidenten und für die Wahl eigener Delegierter. “Während die Mainstream-Medien die Ereignisse ignorieren, verfolgen mehrere Blogger die Ereignisse”, berichtet uns Tehrani. Was folgt ist ein Video, das unter die Haut geht samt Reaktionen aus der Blogosphäre, die eine eindeutige Sprache sprechen: Von Verbrechen gegen die Menschenrechte, Einschränkungen durch das Militär bis hin zu Manipulationsversuchen, die den Eltern nahegelegt wurden, ist die Rede. Auch unsere Leser ließen diese Szenen nicht kalt und so ist dort mit eindringlichem Pathos zu lesen: “Es wurde höchste Zeit, dieses Video mal zu zeigen, diese Studenten brauchen Unterstützung (…).” Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Ein Blick nach oben – Politik bewegt

Ypsilanti zum hundertsten… Nein, wir sind des Themas nicht überdrüssig. Schon gar nicht, wenn es Autoren wie Martin Alexander Schicht gibt, dem wir übrigens an dieser Stelle ein “Herzliches Willkommen” aussprechen wollen, der da am vergangenen Sonntag titelt: “Der Ypsilanti-Effekt und die Medien“. Dass sich die Ereignisse um besagte Dame und ihre Kontrahentin Dagmar Metzger zu diesem Zeitpunkt überschlugen, das muss hier nicht noch einmal resümiert werden. Fest steht jedoch, es herrschte wohl Hektik in den Redaktionen. “Etliche Berichte mussten am Wochenende um- oder neugeschrieben werden.” Denn so sehr die Medien sich als Schützenhelfer im Wahlkampf erweisen würden, so sehr könne wie im Fall Ypsilanti-Beck dieser Effekt nach hinten los gehen, betont Schicht. Was folgt ist ein analytischer Blick auf die derzeitige Situation, die er mit einem knackigen Schlusswort provokant zu Ende führt. “Scheinbar tobt ein Krieg zwischen Landes- und Bundesverband unter dem Grundsatz: tausche die Abgeordneten einfach so lange durch ‘Abweichler’ aus, bis sie auf den Kurs der Bundes-SPD (zurück)gebracht worden sind. Und diese Steilvorlage nehmen die Medien dankbar auf. Ein Verwirrspiel mit hohem Unterhaltungswert.” Ein durchaus diskussionswürdiger Ansatz, der unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Fast scheint es nun so, als hätte unser fleißiger Autor Claus-Dieter Stille diesen Ball aufgenommen. Denn in seiner Einleitung zu “TV-Doku: Der Gesetzlichen Rentenversicherung werden systematisch die Beine weggehauen” beginnt er mit folgenden Gedanken: “Viel ist in diesen Tagen im Zusammenhang mit der Hessen-Wahl und Andrea Ypsilantis ursprünglicher Absicht, sich auch mit Hilfe der Linkspartei ins Amt der hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen, von ‘Skandal’ und ‘Wählerbetrug’ die Rede. Plötzlich wird explizit hervorgehoben, was doch sonst so oft geflissentlich übersehen wurde und wohl auch weiter werden wird nämlich, dass ein Abgeordneter nur seinem Gewissen unterworfen, und an Weisungen und Aufträge nicht gebunden ist.” Übersehen werden in seinen Augen allerdings ganz andere, wirkliche Aufreger, die weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen werden: wie zum Beispiel die Altersarmut. Welche Informations- und Lese-Empfehlungen uns der Autor hierzu ausspricht, sei hier nur in aller Kürze genannt. Er verweist auf den Nationalökonom Albrecht Müller, das Internetportal NachDenkSeiten, auf Professor Dr. Meinhard Miegel und letztlich auf eine Fernsehdokumentation, die der Frage nachgeht: “Ist die Gesetzliche Rentenversicherung wirklich so schlecht?”. Ein Thema, das jeden von uns betrifft. Wer die Erstausstrahlung der Doku jedoch verpasst haben sollte, der sei hier auf die Wiederholungen am 25. und 30. März verwiesen.

Von strategischem Handeln

Mit einer TV-Doku kann Marius Baumann zwar nicht dienen – auch wenn die von ihm beschriebene Situation vielleicht oftmals Bestandteil einer solchen ist – doch auch er regt uns zum Nachdenken an, geht dabei allerdings in eine absolut andere Richtung. In “Völlig Matsch” sinniert er über die Bedeutung Pyschologischer Erster Hilfe und erteilt dieser in einer Krisensituation, wie zum Beispiel einem Verkehrsunfall, einen nahezu ebenso hohen Stellenwert wie der medizinischen Versorgung. Was dann folgt sind realitätsnah aufbereitete Tipps, wie sich involvierte Personen in einer solchen Lage bestmöglich verhalten. Leicht verdaulich und knackig schildert er einfache Regeln, wie die richtige Art des Körperkontakts, der angemessenen Kommunikation und “Dont’s”, die Jedermann sofort nachvollziehen und entsprechend anwenden kann. Ein wichtiger Artikel – denn jeden kann es treffen.

Apropos “treffen”. Die Betroffenheit und Meldefreudigkeit der Medien steht seit vergangenen Donnerstag im Mittelpunkt von André Martys Interesse. “Stecker raus – who cares” befasst sich mit dem Boykott des größten arabischen Fernsehsenders Al Jazeera durch die israelische Regierung. Der Vorwurf “Al Jazeera berichte einseitig, habe Bilder gestellt. Schlimmer noch: ‘Al Jazeera’ stifte zum Terrorismus an”. Eigentlich ein Thema, dass die Medienwelt auf den Plan rufen sollte, doch Marty stellt resignierend fest, dass kaum einer – bis auf wenige Ausnahmen – darüber berichtet hat. Wie sich das Verhalten diesbezüglich entwickeln wird, das bleibt abzuwarten, doch ein schaler Beigeschmack angesichts eines solchen Vorgehens kann wohl nicht geleugnet werden.

Mit diesen Eindrücken verabschieden wir uns auch schon von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Sie sehen, wie schon eingangs angekündigt, “harmonisch” ging es auch in dieser Woche nicht auf der Readers Edition zu. Doch das soll es auch gar nicht. Und so freuen wir uns schon auf die nächsten Tage mit vielen spannenden Beiträgen und Diskussionen. Machen Sie’s gut. Bis nächsten Freitag!

Ihre Redaktion Readers Edition

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